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Er habe die deutschen Vertreibungsopfer in München vor allem als Parteichef der Christdemokraten und als Christ geehrt. Der tschechische Vizepremier Pavel Bělobrádek führte es am Sonntag gegenüber der Presseagentur ČTK an. Er hat am Freitag erstes Mitglied einer tschechischen Regierung das Sudetendeutsche Haus in München besucht und bei dieser Gelegenheit einen Kranz zu Ehren der sudetendeutschen Vertreibungsopfer niedergelegt .Seine Tat hat unterschiedliche Reaktionen unter den Politikern Tschechiens hervorgerufen. Premier Bohuslav Sobotka (Sozialdemokraten) schätzte die Geste Bělobrádeks, er verwies aber auch auf historischen Kontext der Vertreibung. Solche Versöhnungsgesten trügen zur Verbesserung der gegenseiteigen Beziehungen bei und gehörten in das sich vereinigende Europa des beginnenden 21. Jahrhunderts, führte der Regierungschef in einer Presseerklärung an. Wenn der Opfer der wilden Vertreibung gedacht werde, müsse aber auch die Bedeutung der Kausalität in den deutsch-tschechischen Beziehungen hervorgehoben werden. Es sei das nationalsozialistische Deutschland gewesen, das die demokratische Tschechoslowakei zerschlagen und den Zweiten Weltkrieg entfesselt habe. Die traurigen Ereignisse vom Frühling und Sommer 1945 seien eine Folge Münchens, des Weltkriegs, der Unterdrückung und der Unfreiheit gewesen, so Sobotka.

Die Ehrung der sudetendeutschen Opfer durch Vizepremier Bělobrádek wurde von der kommunistischen Partei kritisiert. Die Partei Top 09 sprach dagegen Lob dem christdemokratischen Politiker für dessen Versöhnungsgeste aus.

Genau 70 Jahre nach der blutigen Vertreibung der deutschen Mitbürger stellt sich die mährische Stadt Brno / Brünn der eigenen Vergangenheit. Mit einem Gedenkmarsch wurde am Samstag an die Tausenden Opfer des sogenannten Brünner Todesmarschs vom Mai 1945 erinnert. Neu war, dass die Stadt erstmals offiziell zur „Wallfahrt der Versöhnung“ einlud, die Bürgerinitiativen seit neun Jahren veranstalten. Dementsprechend größer war auch die Teilnehmerzahl. Der 30 Kilometer lange Gedenkmarsch, der in umgekehrter Richtung zum damaligen Leidensweg von Pohořelice / Pöhrlitz nach Brünn führte, wurde von rund 300 zumeist jungen Menschen begangen. An der letzten Verpflegungsstation vor einem Brünner Gymnasium schlossen sich auch Politiker und Gäste aus Deutschland und Österreich einschließlich des Sprechers der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, dem Gedenkzug an. Beim pietätvollen Treffen in Pohořelice und beim feierlichen Empfang der Marschteilnehmer in einem Klosterhof in Altbrünn waren zudem Zeitzeugen der damaligen Ereignisse zugegen.

In seiner Ansprache vor den Teilnehmern der Gedenkaktion sagte der Vertreter der Kreisregierung Südmähren, der Christdemokrat David Macek, dass Brünn heute eine positive Werbung in eigener Sache betrieben und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit den Sudetendeutschen eröffnet habe. Brünns liberaler Bürgermeister Petr Vokřál hatte schon im Vorfeld erklärt, die „Wallfahrt der Versöhnung“ biete eine einzigartige Gelegenheit zu zeigen, dass Brünn vor seiner eigenen Geschichte nicht die Augen verschließe. Mehr als 20.000 deutschsprachige Bürger waren über rund 60 Kilometer in Richtung Wien getrieben worden. Die Rache für die Schrecken der sechsjährigen Nazi-Besatzung traf vor allem Frauen, Kinder und Alte. Unterschiedliche Schätzungen gehen von mindestens 2000 und bis zu 5200 Toten aus.

Dass der Stadtrat mit einem „Jahr der Versöhnung“ und einer Erklärung des Bedauerns auf Überlebende und Nachfahren zugeht, stößt indes auch auf harsche Kritik. Man müsse „diese Kollaborateure verprügeln“, meinte der hochrangige Sozialdemokrat Zdeněk Škromach. Und der Hauptmann des Kreises Südmähren, Michal Hašek, sagte: „Wer hat sich für (...) Abtransport und Ermordung der Juden und Roma aus Brünn entschuldigt?“