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Die Einwohner von Lidice fordern die Einstellung des Projektes Rozeznění – Lidice 2012. Bei diesem Projekt handelt es sich um ein Audiodrama, das Besuchern der Gedenkstätte Lidice das Schicksal der Einwohner des 1942 von den Nazis komplett zerstörten Dorfes emotional näher bringen soll. Das zu Jahresbeginn mit vielen Vorschlusslorbeeren vorgestellte Projekt sollte am 9. Juni, dem Vorabend des 70. Jahrestages des Massakers von Lidice, feierlich seiner Bestimmung übergeben werden. Nun aber begehren die Einwohner gegen das Audiodrama auf, weil es ihrer Meinung nach die dramatischen Ereignisse von vor 70 Jahren in ein falsches Licht rücke. Das gab die Bürgermeisterin des Ortes, Veronika Kellerová, am Donnerstag der Öffentlichkeit bekannt. Nach Meinung der Projekt-Autoren handelt es sich hierbei um ein Missverständnis, daher wollen sie das Audiodrama zu Ende führen und es erst in seiner kompletten Fassung der Öffentlichkeit vorstellen.

Verfasserin des Audiodramas ist die Doktorandin an der Janáček-Akademie für Musik und darstellende Kunst in Brno / Brünn, Tereza Semotamová. Ziel ihres Dramas ist es, einmal nicht die grausamen Ereignisse von damals, sondern das Alltagsleben der Dorfbewohner vor dem Massaker in den Mittelpunkt zu stellen. Sie wolle die Geschichte des 20. Jahrhunderts aufgrund von konkreten Schicksalen und weniger anhand von statistischen Angaben wie den Opferzahlen darstellen, sagte Semotamová seinerzeit bei der Vorstellung des Projekts.

Das NS-Massaker von Lidice hat allen 172 Männern des Ortes sowie einem Großteil der Frauen und Kinder das Leben gekostet. Die Zerstörung des Dorfes und die Bestrafung seiner Einwohner war ein willkürlicher Racheakt der deutschen Nationalsozialisten nach dem Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich.