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Der tschechische Präsident Václav Klaus hat nach der Veröffentlichung von Details zur letzten Abhöraffäre, in die der ehemalige Prager Oberbürgermeister Pavel Bém und der Lobbyist Roman Janoušek verstrickt sind, zu einem Rundumschlag gegen die Medien ausgeholt. In einem Kommentar für die Samstagausgabe der Tageszeitung „Mladá fronta Dnes“ schrieb Klaus, dass sich Tschechien derzeit in einer schweren Situation befinde, was verschiedene Gruppen von Lobbyisten auszunutzen versuchten. Und die Medien würden ihnen dabei helfen, indem sie „künstlich geschaffene Affären“ veröffentlichen würden, so Klaus. Seiner Meinung nach sei es nicht richtig, in der Vergangenheit zu wühlen und für bestimmte Dinge einen Sündenbock zu suchen. Das mache nur Sinn, wenn man daraus Schlüsse für die Gegenwart oder Zukunft ziehen könnte, bemerkte Klaus.

Zu den lobbyistischen Gruppen zählt der Präsident auch die Gewerkschaften und verschiedene Protestbewegungen, die jetzt in den „heutigen Beschwerden der Leute die Gelegenheit sehen würden, ihren Einfluss und ihre Macht zu stärken“. Der Chefredakteur der „Mladá fronta Dnes“, Robert Čásenský, reagierte sehr kritisch auf den Kommentar des Präsidenten. „Es sind nicht die Medien, die das aktuelle Bild der Politik verursacht haben. Es waren nicht die Medien, die das Emporwachsen der politischen Elite und von Unternehmergruppen bis hin zu dem Stand ermöglicht haben, bei dem nicht klar ist, wer eigentlich die staatlichen oder städtischen Ämter leitet“, schreibt Čásenský.