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Premier Petr Nečas hat Justizminister Jiří Pospíšil aufgefordert, für die Beendigung eines Streits zwischen hochrangigen Vertretern der Staatsanwaltschaft zu sorgen. In einer Reaktion auf die aufheizte Atmosphäre im Justizressort erklärte Nečas, dass die scharfe Auseinandersetzung zwischen dem Obersten Staatsanwalt Pavel Zeman und dem Prager Oberstaatsanwalt Vlastimil Rampula nicht vertretbar sei. Staatsanwälte sollten gegen Verbrecher kämpfen, nicht aber gegeneinander, ließ Nečas am Samstag in einer schriftlichen Mitteilung wissen.

Der Streit zwischen den beiden Staatsanwälten war am Freitag eskaliert, als Rampula verkündet hatte, gegen seinen Amtsvorgänger Stanislav Mecl Anklage zu erheben wegen der Gewährung des Zutritts von unbekannten Personen in das Büro seines Stellvertreters. Mecl behauptet, dass diese Personen Polizisten gewesen seien, die dort ihre Ermittlungen fortsetzen wollten. Die Medien spekulieren seitdem auf Kriminalbeamte der Abteilung zur Enthüllung des organisierten Verbrechens (ÚOOZ), die eine Spur in der so genannten Pandur-Affäre verfolgt haben könnten.

Hintergrund des Streits ist, dass Justizminister Pospíšil Oberstaatsanwalt Rampula im Januar wegen angeblicher Verletzung seiner Dienstpflichten aus dem Amt gejagt hat. Nach einer Entscheidung des Prager Stadtgerichts wurde der Rausschmiss Rampulas jetzt allerdings wieder aufgehoben. Der Oberste Staatsanwalt Pavel Zeman aber wolle laut Pospíšil nun „irgendein Berufungsverfahren“ in die Wege leiten, um die Rückkehr Rampulas zu verhindern, hieß es. Im Falle dieser Rückkehr wolle er seinen Verbleib im Amt des Justizministers überdenken, erklärte Pospíšil am Samstag.

Die Überreste von 13 Deutschen, die kurz nach Kriegsende auf der Wiese Budínka bei Dobronín / Dobrenz von Tschechen erschlagen worden sein sollen, werden vermutlich nun doch in einem Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof von Jihlava / Iglau bestattet werden. Das räumte am Freitag im Tschechischen Fernsehen (ČT) der gebürtige Dobrenzer Johann Niebler ein, der in diesem Fall als Sprecher der Hinterbliebenen auftritt. Noch einen Tag zuvor hatte es geheißen, dass die Überreste der deutschen Opfer in Ždírec nad Doubravou / Zdiretz begraben werden. Die Bürger der Gemeinde hatten das auch in einer Umfrage mit einer Mehrheit von 113 zu 91 Stimmen gebilligt, zumal einige der Opfer aus Ždírec gewesen sein sollen. Das relativ knappe Abstimmungsergebnis aber hat Niebler und seine Unterstützer zum Umdenken veranlasst. Man wolle das Gemeinschaftsgrab weder in Dobronín noch Ždírec errichten, um keinen Streit unter den Einwohnern beider Gemeinden zu säen, sagte Niebler im Fernsehen. Ursprünglich sei der Zentralfriedhof in Jihlava lediglich als Notlösung angesehen worden, so Niebler.

Von den 13 Deutschen, die Opfer eines Massakers von tschechischen Rotgardisten geworden sein sollen, habe man bei fünf Personen die Identität zweifeldsfrei festgestellt. Das hätten die DNA-Tests ergeben, die an den Überresten der Toten in den zurückliegenden Monaten von Experten gemacht wurden. Bei vier weiteren würden die genetischen Tests noch einmal wiederholt, informierte Niebler. Aus diesem Grund waren die Überreste der Opfer im Sommer 2010 von Fachleuten geborgen worden. Erst wenn die Überprüfung abgeschlossen ist, wird die Bestattung der Opfer vorbereitet. Der Gedenkakt soll im August dieses Jahres stattfinden.

Augenzeugenberichten nach sollen die Rotgardisten am Fundort der Knochen mit Spaten und Hacken insgesamt 15 männliche deutsche Zivilisten aus der Umgebung erschlagen haben. Das Massaker soll sich am 18. Mai 1945 ereignet haben.