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Ungeachtet der internationalen Kritik an dem Atomkraftwerk Temelin rechnet das tschechische Industrie- und Handelsministerium mit einem umfangreichen Ausbau des südböhmischen Reaktors. Möglicherweise im nächsten Jahr werde die Betreibergesellschaft CEZ bei der tschechischen Atombehörde die Erlaubnis für die Erweiterung von zwei auf vier Blöcke beantragen, sagte Vize-Industrieminister Martin Pecina in der Mittwoch-Ausgabe der Tageszeitung "Mlada fronta Dnes". Ein Sprecher der Umweltorganisation "Greenpeace" kritisierte das Vorhaben. Jan Haverkamp sagte gegenüber der dpa in Prag - Zitat - "Temelin soll offenbar im Jahr 2015 ausgebaut sein, und damit zielt man eindeutig auf ein Energieloch in Deutschland nach dem dortigen Atomausstieg". Weiter sagte Haverkamp: "Deutschlands Umweltminister Jürgen Trittin muss deutlich machen, dass ein solcher Ausbau für Deutschland keinen Sinn macht. Und auch Österreich muss helfen, dass die tschechische Atomlobby an Macht verliert." Der künftige österreichische Präsident Heinz Fischer sagte gegenüber der "Mlada fronta Dnes", er halte es bezüglich der Nutzung der Atomenergie allgemein "nicht für fair, wenn nur Tschechien an den Pranger gestellt werden" würde. Es gehe um ein "gesamteuropäisches Problem". Tschechiens Regierungschef Vladimir Spidla wurde mit den Worten zitiert, er halte einen Ausbau der Kernkraft in Tschechien für möglich. In dem Atomkraftwerk war es seit der Inbetriebnahme im Jahr 2000 mehrfach zu Störungen gekommen. Politiker und Atomkraftgegner vor allem aus Deutschland und Österreich hatten deshalb wiederholt die Stilllegung gefordert.