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Tschechiens Premier Vladimir Spidla ist am späten Samstagnachmittag zur offiziellen Feier der EU-Erweiterung in der irischen Hauptstadt Dublin eingetroffen. In Irland, das gegenwärtig dem Europäischen Rat vorsitzt, standen sich erstmals die 15 bisherigen und die zehn neuen Staats- und Regierungschefs gleichberechtigt gegenüber. Bei einer Zeremonie in der Residenz der irischen Präsidentin Mary McAleese wurden feierlich die Fahnen von Tschechien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Ungarn, der Slowakei, von Slowenien, Malta und Zypern gehisst. Spidla war zuvor am Samstagmittag mit Deutschlands Kanzler Gerhard Schröder und Polens Premier Leszek Miller im deutsch-polnisch-tschechischen Dreiländereck Zittau-Bogatynia-Hradek nad Nisou/Grottau zusammen getroffen. Miller, der am Sonntag von seinem Amt zurücktreten will, würdigte bei dem Treffen im Dreiländereck die EU-Erweiterung als Erfüllung eines großen Traums. Spidla sprach von einem historischen Tag und sagte: "Der europäische Riese kriecht aus seinem Bett, sieht sich um und wird sich seiner globalen Verantwortung bewusst werden müssen". Die EU-Erweiterung bedeute die Überwindung der Folgen des Zweiten Weltkriegs. Gerhard Schröder sagte in seiner Rede: "Die Spaltung des Kontinents und die Trennung seiner Bürger ist endgültig überwunden". Europa werde damit zu einem Ort dauerhaften Friedens. Die Regierungschefs hissten gemeinsam die Europaflagge und gaben die Arbeiten für den Bau einer Straße frei, die ihre Länder verbinden soll. Am Freitag hatte der deutsche Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl in einer Festrede im Dreiländereck gesagt: "Es ist eine Glücksstunde". Kohls Botschaft: Nie wieder Krieg in Europa! Wörtlich sagte er: "Wir wollen nie wieder in Europa Soldatengräber haben." Mit der Erweiterung um zehn neue Mitgliedsstaaten gewinnt die Europäische Union 75 Millionen neue Bürger und zählt seit Samstag 455 Millionen Einwohner.