In Tschechien fehlen mehrere Hundert Lokführer

29-07-2019

Tschechische Bahnbetreiber suchen händeringend nach Lokführern. Die Firmen bieten ihnen einen Lohn von bis zu 50.000 Kronen (etwa 1950 Euro) monatlich, mit Aussicht auf üppige Prämien. Der Berufsverband macht darauf aufmerksam, dass sich die Lage noch verschärfen könnte. Darüber berichtete der öffentlich-rechtliche Tschechische Rundfunk am Sonntag.

Foto: 12019, Pixabay / CC0Foto: 12019, Pixabay / CC0 Zu den Ursachen gehören unter anderem die anspruchsvollen Arbeitsbedingungen. Verbandspräsident Jaroslav Vondrovic schätzt anhand der ihm vorliegenden Daten der Bahnbetreiber, dass in Tschechien derzeit über 300 Lokführer fehlen. Allein der staatlichen Tschechischen Bahn, die insgesamt 3500 Lokführer beschäftigt, fehlen ganze 180 Zug-Piloten.

Außerdem mangele es auch an anderen Mitarbeitern in den technischen Berufen bei der Bahn, teilte der Sprecher des Staatsunternehmens Radek Joklík dem Rundfunksender mit. Gefragt sind beispielsweise Mechaniker für Gleisfahrzeuge, Elektromechaniker und Rangierer.

Die private Bahngesellschaft RegioJet hat momentan keine Probleme mit dem Lokführermangel. Der Sprecher des Unternehmens Aleš Ondrůj erklärte jedoch, dass die Firma bereits jetzt Mitarbeiter für Bahnstrecken anstellt, die sie neu betreiben wird. Beim Konkurrenten Leo Express ist es dem Tschechischen Rundfunks zufolge ähnlich.

Illustrationsfoto: Gabriela Hauptvogelová, Archiv des Tschechischen RundfunksIllustrationsfoto: Gabriela Hauptvogelová, Archiv des Tschechischen Rundfunks Jaroslav Vondrovic erinnerte daran, dass sich das Problem vertiefen wird, wenn sich nicht radikal etwas ändert. Gegenwärtig arbeiten laut Vondrovic viele seiner Kollegen als Lokführer, obwohl sie schon im Rentneralter sind und Anspruch auf Altersbezüge haben. Wenn sie gleich in die Rente gehen würden, wäre der Mangel an Lokführern noch größer, so der Verbandschef. Er fügte hinzu, dass das Durchschnittsalter in diesem Beruf bei rund 50 Jahren liegt. Die Lage sei schwer zu lösen, meint der Experte.

Auch wenn die Perspektive auf eine gute Entlohnung viele Bewerber anlocken könnte, schrecken die lange Ausbildung und die unregelmäßige Arbeitszeit ab. Mit dem Lokführer-Problem ist Tschechien in Europa jedoch nicht alleine. In Österreich und in Bayern seien aus dem Grund auch einige Bahnverbindungen eingestellt worden, so Vondrovic. Dazu könnte es seinen Worten zufolge auch hierzulande kommen.

29-07-2019