Havlíček will in EU für Atomkraft werben

06-05-2019

Tschechien will weiter massiv auf die Atomkraft setzen und auch in Brüssel dafür Unterstützung finden. Dies bekräftigte der neue Wirtschaftsminister Havlíček am Wochenende.

Karel Havlíček, foto: ČTK / Vít ŠimánekKarel Havlíček, foto: ČTK / Vít Šimánek Es gebe für die Regierung keine andere Möglichkeit, als weiterhin auf die Atomkraft als wichtigste Energiequelle hierzulande zu setzen – das müsse man ideologiefrei so akzeptieren. Dies sagte der neue tschechische Wirtschaftsminister Karel Havlíček in einem Interview für den Privatsender TV Prima am Wochenende. Laut Havlíček würde man gerne auf andere Energiequellen setzen, wegen der geographischen Bedingungen hierzulande ist das aber nicht möglich. Massiv Windkraftanlagen wie in Deutschland aufzustellen würde in Tschechien einfach nicht gehen, so der parteilose Politiker in dem Gespräch.

Tschechiens Wirtschaftsminister will nun mehr Lobbyarbeit in Brüssel für den Ausbau der Atomkraft leisten. Unter anderem soll es dabei um neue Reaktorblöcke in Dukovany gehen, bestätigte Havlíček. Unterstützung erhofft er sich dabei von Staaten, die ebenfalls wegen ihrer geografischen Eigenheiten keine andere Möglichkeit haben als weitere Kernkraftwerke zu bauen. Mit der Slowakei gebe es bereits gemeinsame Pläne, man wolle aber noch die skandinavischen Staaten oder Frankreich mit ins Boot holen, meinte der Chef des Wirtschaftsressorts.

Kernkraftwerk Dukovany (Foto: Zdeněk Kratochvíl, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)Kernkraftwerk Dukovany (Foto: Zdeněk Kratochvíl, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0) Aktuellen Berichten zufolge will das Europaparlament die Förderung von neuen Atomkraft- oder Gaskraftwerken einschränken. So sollen beispielsweise neue Auflagen für Banken gelten, die solche Projekte unterstützen. Für Tschechien könnte das zu einem Problem werden, da Prag derzeit um die Finanzierung des Dukovany-Ausbaus ringt. Laut einer Aufstellung der Tageszeitung Hospodářské noviny dürfte dieser mindestens rund 300 Milliarden Kronen (11,7 Milliarden Euro) kosten.

06-05-2019