„Was soll man in Tschechien machen anstatt Bier?“

04-07-2019

Der Ort Čížová liegt in Südböhmen, nahe der Stadt Písek. Seit diesem Jahr gibt es dort eine kleine Brauerei, die einen deutschen Miteigner hat: Olaf Körner. Nun haben er und seine Mitstreiter ein Bier aus Recycling-Wasser gebraut. Mehr dazu und über den tschechischen Markt für Mikrobrauereien in einem Interview mit Olaf Körner.

Foto: Offizielle Facebook-Seite der Brauerei ČížováFoto: Offizielle Facebook-Seite der Brauerei Čížová

Olaf Körner (Foto: Offizielle Facebook-Seite der Brauerei Čížová)Olaf Körner (Foto: Offizielle Facebook-Seite der Brauerei Čížová) Herr Körner, die ihre Mikrobrauerei in Čížová hat vor kurzem erstmals ein Bier aus wiederaufbereitetem Abwasser präsentiert. Schmeckt das überhaupt?

„Ich würde sagen, dass Sie keinen Unterschied zu unseren normal gebrauten Bieren finden würden. Es schmeckt, und das Wasser ist sogar noch reiner als unser Trinkwasser.“

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, solches Recyclingwasser zu nutzen?

„Ich kenne durch meine frühere Arbeit einige Manager von Veolia persönlich. Das ist eine internationale Firma aus Frankreich, die in der Wasseraufbereitung arbeitet. Beim Golfspielen haben wir dann darüber geredet. Ein guter Freund von mir fragte, ob es möglich wäre, aus diesem Wasser ein Bier zu brauen. Ich habe dann mit meinem Braumeister gesprochen – es geht. Das Wasser muss allerdings mit Mineralien aufbereitet werden. Nach einer Absprache haben wir uns für die Umsetzung entschieden. Für uns war das etwas Neues und für Veolia eine Möglichkeit, zu Marketingzwecken ein anderes Produkt als nur Wasser herzustellen oder zu präsentieren.“

Was für ein Bier ist daraus geworden?

„Es war ein klassisches untergäriges Lager, also ein Pilsner Bier.“

Foto: Archiv der Brauerei ČížováFoto: Archiv der Brauerei Čížová Im ersten Versuch haben Sie, so wie ich das gelesen habe, 15 Hektoliter gebraut. Wer waren – oder wer sind die Abnehmer?

„Wir haben fast alles über Veolia vertrieben. Das heißt, die Firma hat bei uns kleine Flaschen bestellt, die sie dann auf einer Messe an Kunden weitergegeben hat. Wir haben jedoch auch Fässer produziert. Aus diesen haben wir dann auf der Messe und bei einem Golfturnier ausgeschenkt. Andere haben wir im Ganzen verkauft.“

Sie sagen, dass Sie das Wasser von Veolia bekommen haben. Wenn Sie das jetzt irgendwie selbst bezahlen müssten, würde es sich überhaupt rechnen, solch ein Bier zu brauen?

„Ich glaube finanziell eher nicht, wegen des Wassertransports. Aber ich kenne die Preise nicht. Uns ging es auch nicht um die ökonomische Seite, sondern einfach darum zu zeigen, dass es möglich ist. Es gibt ja überall immer größere Probleme mit den Ressourcen. Deswegen war es eine gute Idee, weil eine Brauerei relativ viel Wasser verbraucht.“

Sie sind Miteigner der Brauerei in Čížová. Wie ist es dazu gekommen?

„Uns ging es nicht um die ökonomische Seite, sondern darum zu zeigen, dass dies möglich ist.“

„Mehrere Sachen liefen da zusammen. Ich wollte mich beruflich verändern. Zu der Zeit war ich Manager in einem großen, multinationalen Unternehmen. Also habe ich mich mit Freunden und natürlich mit einem Experten, das heißt mit einem Braumeister, zusammengesetzt. Dazu kam die Möglichkeit, einen Flügel des ehemaligen Schlosses in Čížová zu mieten, dieses stammt aus dem 17. Jahrhundert. Zunächst haben wir dort Renovierungsarbeiten vorgenommen und anschließend die Brauerei fertiggestellt. Bisher habe ich den Neuanfang nicht bereut. Ich finde, dass es sehr gut und auch interessant ist, wenn man im Leben irgendwann einmal in eine ganz andere Richtung geht. Es muss aber nicht unbedingt eine 180-Grad-Wende sein. Und was sollte man in Tschechien machen anstatt Bier?“

Foto: Offizielle Facebook-Seite der Brauerei ČížováFoto: Offizielle Facebook-Seite der Brauerei Čížová Welches Bier brauen Sie und in welchen Umfang?

„Erstmal zum Umfang: Wir verfügen über eine 15-Hektoliter-Anlage. Das heißt, mit einem Brauvorgang stellen wir genau diese Menge her. Wir haben dieses Jahr angefangen. Die Kapazität liegt bei etwa 3000 Hektolitern, das sind 300.000 Liter pro Jahr. Ich hoffe, dass wir diese Marke irgendwann in zwei oder drei Jahren erreichen. Und was für ein Bier? Wir haben mit klassischem tschechischem Pilsner Bier begonnen. Das heißt untergäriges Helles – mit Zehner, Elfer und Zwölfer Stammwürze – sowie ein Dreizehner Dunkles. Später werden wir dann auch Spezialbiere machen, so wie Ale oder Stout, und verschiedene weitere Sachen. Aber das Hauptaugenmerk liegt auf dem klassischen Pilsner Bier, das hier in Tschechien am meisten getrunken wird.“

Minibrauereien boomen in Tschechien. Ist es dann schwer, sich da auf dem Markt durchzusetzen?

„Es dauert einige Zeit, bis man Kunden und Restaurants gefunden hat.“

„Bis man Kunden und Restaurants gefunden hat, die einem die Fässer abnehmen, dauert es einige Zeit. Wir sind eine reine Fabrikationsbrauerei. Das heißt, dass wir über keine eigene Gaststätte an unserem Standort verfügen, was bei den meisten Minibrauereien aber der Fall ist. Diese verkaufen dann den Großteil des Biers dort. Wenn das Produkt aber eine ordentliche Qualität hat, kann man sich nach einiger Zeit etablieren. Dazu kommt der regionale Aspekt. Wir verkaufen unser Bier aber nicht nur in Südböhmen, sondern auch an anderen Orten, wie in Prag und nördlich von Prag.“

Sind da auch die Bestrebungen zu expandieren – gerade in diesen anderen Gegenden Tschechiens?

„Salopp gesagt: Am Anfang nimmt man alles, was man kann. Wenn man dann viele Gaststätten hat, wird versucht, auf gewisse Standorte zu konsolidieren. Das heißt für uns, weil wir 100 Kilometer südlich von Prag sind, dass wir so auf der Achse Prag, Budweis, Český Krumlov unsere Kunden zu suchen haben.“

Sie haben mir gesagt, dass Sie seit 20 Jahren in Tschechien leben. Falls ich Ihnen eine persönliche Frage stellen darf: Was hat Sie hier hergebracht?

„Das hatte zwei Gründe: die Arbeit und die Liebe. Das hat sich zusammen ergeben. Ich bin hier von der Firma, für die ich gearbeitet habe, hergeschickt worden, um einen Managerposten zu übernehmen, und habe dann später auch die Filiale hier in Tschechien geleitet. Deswegen bin ich schon seit vielen Jahren im Land. Außerdem ist meine Frau Tschechin. Es war deshalb die richtige Lösung, in Tschechien ansässig zu werden. Ich bin damit relativ glücklich.“

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