Tschechien erwartet zu Weihnachten und Silvester bis zu 250.000 Touristen

17-12-2014

Kurz vor Weihnachten und Silvester schrauben viele Firmen ihre Betriebsamkeit ein wenig zurück, auch weil ein Teil der Belegschaft Urlaub macht. Wesentlich mehr zu tun haben dagegen der Einzelhandel sowie der Post- und Paketservice. Doch auch der Reiseverkehr zieht vor und nach dem Fest noch einmal kräftig an. In Tschechien werden in der zweiten Dezemberhälfte nicht weniger als eine Viertelmillion Touristen erwartet.

Jan Papež (Foto: Matěj Pálka, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Jan Papež (Foto: Matěj Pálka, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Die Zahl von 250.000 Touristen, die zu Weihnachten und Silvester in Prag und anderswo in Tschechien erwartet werden, hat die Reiseagentur CzechTourism bekanntgegeben. Die Agentur ist eine vom Staat bezuschusste Organisation, die die Aufgabe hat, die Tschechische Republik als ein lohnendes Reiseziel zu propagieren. Jan Papež, der Vizechef der Reisebüro-Union beim tschechischen Tourismusverband, sieht das jedoch etwas anders:

„Die Kapazität der tschechischen Hotels und Pensionen ist natürlich noch etwas größer, doch ich selbst bin nicht so optimistisch wie CzechTourism. Meiner Meinung nach wird die Zahl der Besucher um einiges geringer sein, aber das hängt auch vom Wetter ab.“

Mit welcher Zahl an ausländischen Gästen aber rechnet Papež nun zur Weihnachtszeit?

„Ich erwarte eine Besucherzahl von 150.000 bis 170.000 Touristen in ganz Tschechien. Wegen des großen Rückgangs an russischen Auslandsreisenden werden meiner Meinung nach auch außerhalb von Prag weniger russische Touristen anzutreffen sein als im vergangenen Jahr.“

Foto: Kristýna MakováFoto: Kristýna Maková Allerdings, so Papež noch einmal, könne das derzeit milde Wetter besonders der tschechischen Hauptstadt zu Gute kommen. Der Tourismusexperte erklärt warum:

„Prag ist eine Stadt, die ein gutes Angebot an Unterhaltung bietet, wie es zu Silvester gewünscht wird. Zudem gibt es reichhaltige Möglichkeiten zu romantischen Spaziergängen. Diese Romantik fesselt Besucher gerade zur Weihnachtszeit. Zu Silvester verbucht die Hotelbranche in der Regel nur eine erhöhte Nachfrage für ein bis zwei Übernachtungen. Zu Weihnachten aber buchen die Gäste mittlerweile häufiger längere Aufenthalte als nur für zwei Nächte.“

Foto: Archiv Radio PragFoto: Archiv Radio Prag Doch auch das Konsumverhalten der ausländischen Gäste unterscheidet sich zu Weihnachten und Silvester sehr deutlich vom Rest des Jahres:

„Zu Weihnachten geben die ausländischen Besucher unseres Landes vor allem Geld für Speisen und Getränke in Restaurants und Kneipen sowie für kulturelle Veranstaltungen aus. Zu Silvester wird generell das meiste Geld für Vergnügen und Unterhaltung gezahlt. In dieser Zeit treffen wir also kaum auf jene Besucher, die zum Shopping nach Tschechien kommen. Das ist eher zur Adventszeit sowie im Frühjahr und im Herbst der Fall.“

Foto: Archiv Radio PragFoto: Archiv Radio Prag Neben Prag hat sich der Reiseverkehr in Tschechien aber auch in anderen Regionen des Landes aufwärtsentwickelt. Laut Papež sind es vor allem einige Grenzregionen, die zugelegt haben:

„Sehr hohe Besucherzahlen sind vor allem im Südmährischen Kreis und im Kreis Karlovy Vary / Karlsbad zu verzeichnen. Dort kommen in erster Linie Bürger aus den Nachbarstaaten Deutschland und Österreich zu Besuch. Doch auch die Polen haben insbesondere Südmähren für sich entdeckt. Und von den weiter entfernten Ländern waren es stets die Russen, die häufig zu uns kommen, in jüngerer Vergangenheit aber sind es auch die Briten und die Franzosen.“

Foto: Tschechisches FernsehenFoto: Tschechisches Fernsehen Dank dieser Entwicklung rechnet die Agentur CzechTourism in diesem Jahr auch mit der neuen Rekordzahl von erstmals über acht Millionen ausländischen Touristen. Jan Papež aber glaubt, dass zumindest eine Klientel die Euphorie des neuen Booms etwas dämpfen wird:

„Ich befürchte, dass gerade die Besucherzahl aus Russland in diesem Jahr bedeutend niedriger ausfallen wird. Und zu Weihnachten lässt sich die russische Klientel auch nicht durch eine andere Nation aus dem Osten wie China ersetzen. Den Chinesen sagt das Weihnachtsfest nämlich überhaupt nichts.“

17-12-2014