Der Ton macht die Marke – Strunal Schönbach

Die Firma Strunal Schönbach ist der einzige industrielle Hersteller von Saiteninstrumenten in Tschechien. 2015 wurde sie als GmbH gegründet und übernahm die bereits bestehende Manufaktur in Luby / Schönbach. Damit wird die 350 Jahre alte Tradition des Geigenbaus dort fortgesetzt. Seit 2018 steht Lukáš Mikeska an der Spitze des mittelständischen Betriebes. Er will den einst berühmten Instrumenten aus dem Westerzgebirge wieder zu weltweitem Renommee verhelfen.

Gitarren in verschiedenen Größen (Foto: Maria Hammerich-Maier)Gitarren in verschiedenen Größen (Foto: Maria Hammerich-Maier)

Als Lukáš Mikeska die Saiteninstrumente-Manufaktur in Luby gemeinsam mit seiner Frau Lucie übernahm, befand sie sich auf dem absteigenden Ast. Der Umsatz und die Belegschaft waren innerhalb eines Jahrzehnts auf ein Viertel geschrumpft. Nun hält man bei rund 1,6 Millionen Euro Jahresumsatz und 70 Mitarbeitern. Mikeska hat die globale Marktlage neu bewertet und eine Strategie für Strunal Schönbach entwickelt:

Lukáš Mikeska (Foto: Maria Hammerich-Maier)Lukáš Mikeska (Foto: Maria Hammerich-Maier) „Wir haben im Grunde nur eine einzige Möglichkeit: entschieden in unsere Marke zu investieren und diese weltweit zu propagieren. Dann sind wir gegen Konkurrenz aus Billigländern wie China gerüstet. Wenn wir das nicht tun, produzieren wir schlicht ein Handelsgut unter vielen, und andere können uns um einen Euro oder Dollar billiger aus dem Feld schlagen.“

Mikeska ist ein Quereinsteiger. Er hat Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaft studiert und machte danach Karriere im internationalen Finanzwesen. Diese Erfahrungen kommen ihm bei den Verhandlungen auf Fachmessen für Musikinstrumente in aller Welt zugute. Es sei ihm gelungen, die Auftragsbücher zu füllen, stellt Mikeska zufrieden fest. Jetzt arbeite man daran, die Klangqualität der Instrumente zu verbessern.

„Wir bilden Allianzen mit europäischen Herstellern von Saiten und anderen Teilen, um einen attraktiven Mix für die Kunden zu schaffen. Ab dem kommenden Jahr werden alle unsere Streichinstrumente Saiten von Thomastik haben. Das ist eine berühmte Wiener Firma, und die Saiten sind einfach sehr gut. Die Instrumente tragen dann beide Marken – Thomastik und Strunal“, so der Firmenchef.

Allianz mit Thomastik in Wien

Lackieren und Polieren (Foto: Maria Hammerich-Maier)Lackieren und Polieren (Foto: Maria Hammerich-Maier) Die Gitarren wiederum werden mit Saiten spanischer Hersteller bespannt. Solche Neuerungen sollen das Image der Marke Strunal heben. Derzeit haben manche Händler – etwa in Deutschland oder Mexiko – zwar Instrumente aus Luby im Angebot, doch die Marke wird nicht angeführt. Andernorts sei noch der Name Cremona im Bewusstsein der Kunden verankert, sagt Ondřej Kubart, der für den Export zuständig ist:

„Manche Abnehmer aus Russland bestehen darauf, dass die Instrumente neben Strunal noch die Marke Cremona tragen. Denn in Russland verbindet man mit diesem Namen ein hochwertiges tschechisches Produkt. Die Bezeichnung Strunal allein ist für viele russische Endabnehmer kein hinreichender Beweis, dass die Instrumente wirklich von uns stammen.“

Die Cremona AG, 1922 im damaligen Schönbach gegründet, gilt als Vorgängerin von Strunal. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie in eine volkseigene Kooperative umgewandelt. Geblieben sind davon eine ansehnliche Instrumentensammlung, aber auch marode Werkshallen – der Sanierungsbedarf wird auf eine Million Euro geschätzt.

Aktuell gehen 85 Prozent der Saiteninstrumente von Strunal Schönbach ins Ausland. Am besten verkaufen sie sich in Kanada, China, Mexiko und Russland. In den USA hofft man, verlorenes Terrain zurückzuerobern, Lateinamerika wird als Zukunftsmarkt angepeilt. Zudem wird derzeit ein Online-Shop getestet. Über ihn sollen die Instrumente demnächst auch in deutscher Sprache direkt den Endabnehmern angeboten werden. Bei der Produktpalette gibt es ebenfalls Innovationen. Lukáš Mikeska:

Mitarbeiter bei der Arbeit (Foto: Maria Hammerich-Maier)Mitarbeiter bei der Arbeit (Foto: Maria Hammerich-Maier)Wir haben die E-Geige ‚Freedom‘ entwickelt. Das ist eine Violine aus Holz, aber ohne Zarge, deshalb hat sie einen leiseren Ton. Mit dieser E-Geige kann man überall zu Hause üben, wo man sonst die Nachbarn stören würde. Zugleich ist sie mit hochwertiger Elektronik ausgestattet, sodass sich mit ihr auch in einem Ensemble spielen lässt.“

Bei den Gitarren ist die internationale Konkurrenz besonders groß. Daher sollen attraktive Labels, wie „Klara“, das Kundeninteresse wecken. Entscheidend sei aber letzten Endes die solide Verarbeitung, betont Exportleiter Kubart. Und da habe die Firma Strunal Schönbach hervorragende Karten:

„Diese Gegend hier hat über dreihundert Jahre Geigenbautradition. Und ich bin überzeugt, dass noch viel Know-how lebendig ist. In unserem Werk ist dieses Know-how jedenfalls vorhanden. Wir sind schon wirklich lange hier, wir wissen, wie es geht, wir können das. Auch die Richtung, die der neue Eigentümer und Generaldirektor, Herr Mikeska, vorgibt, ist mehr auf Qualität als auf die Menge ausgerichtet.“

Dreihundert Jahre Geigenbautradition

Hana Tylšarová (Foto: Maria Hammerich-Maier)Hana Tylšarová (Foto: Maria Hammerich-Maier) Die ersten Geigenbauer ließen sich in dem einst vorwiegend deutschen Bergbaustädtchen im 17. Jahrhundert nieder. Mit der Zeit wurde der umliegende böhmisch-sächsische Raum zu einem weltweiten Zentrum des Instrumentenbaus. Seine größte Blüte erlebte er im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Nach dem Zweiten Weltkrieg reduzierte sich die Einwohnerzahl von Schönbach durch die Vertreibung auf die Hälfte. Der Ort hieß nun Luby. Ehemalige Schönbacher führten den Instrumentenbau dann im fränkischen Bubenreuth fort.

Aber auch in der heutigen Belegschaft von Strunal sind noch einige wenige Nachkommen von deutschböhmischen Instrumentenbauern tätig – wie Hana Tylšarová. Sie macht Werksführungen auf Deutsch.

„Ich arbeite schon seit 36 Jahren in der Firma, derzeit bin ich leitende Technologin. Das Holz kaufen wir aus den Alpen, aus den deutschen Mittelgebirgen und aus der Slowakei. In Tschechien gibt es leider kein Qualitätstonholz. Dann kaufen wir noch exotisches Holz ein. Aus Europa ist das Fichtenholz, Ahornholz und Buchenholz. Zu den exotischen Hölzern gehören Mahagoni, Ebenholz, Palisander und Zedernholz“, erläutert Tylšarová.

Die Tonhölzer werden erst nach mehrjähriger fachgerechter Trocknung weiterverarbeitet, damit die Instrumente nicht springen und einen guten Ton geben. Bei Strunal Schönbach ist man stolz darauf, dass der gesamte Fertigungsprozess in Luby stattfindet: vom Zuschnitt der Tonhölzer bis zum spielfertigen Instrument. Die europäische Herkunft punktet besonders bei Kunden aus Übersee.

„Wir stellen alle Instrumente in fünf Größen her. Also sowohl die Kontrabässe und Violoncelli als auch die Gitarren. Und auch die Geigen, die ganz aus Massivholz bestehen. Somit können auch die kleinsten Kinder schon zu spielen anfangen“, so Hana Tylšarová.

Polieren einer Geige (Foto: Maria Hammerich-Maier)Polieren einer Geige (Foto: Maria Hammerich-Maier) Immer wieder weist sie auf Arbeitsschritte hin, die manuell ausgeführt werden:

„Hier wird das Material ausgesucht, dann werden die Decken auf die gewünschte Stärke gefräst und noch individuell mit der Hand nachgehobelt. Später werden die obere und untere Decke an den Kranz geklebt und abgefräst, und dann kommen die Einlagen in den Korpus rein. Am Ende wird alles mit Spirituslack gespritzt und mit der Hand noch nachgewischt und poliert.“

Der beträchtliche Anteil an Handarbeit sei ein besonderes Qualitätsmerkmal. Jedes Instrument werde dadurch zu einem Original. Allerdings macht sich ein spürbarer Mangel an Nachwuchskräften bemerkbar. Hana Tylšarová geht bei ihrer Führung auch auf die Bedeutung des Ortsnamens Luby ein:

„Auf Deutsch sind das die Zargen. Und danach ist unsere Stadt benannt.“

Die Branche gab also Luby den Namen. Der historische Ortsname Schönbach wiederum findet sich im Firmennamen der neuen Gesellschaft mit beschränkter Haftung wieder. Man stehe zu dem Namen, sagt Lukáš Mikeska:

„Machen wir uns nicht vor, dass die hiesige Geigenbautradition tschechisch wäre. Sie ist deutsch-tschechisch. Und wir möchten uns dazu auch bekennen.“