Znojmo: Unverwechselbare Weine aus historischen Weingärten

Sobes, Kravi hora, Weinperky - dies sind Begriffe, die auch Weinliebhaber kennen, die weit von Südmähren entfernt wohnen. Die Namen der berühmten Weingärten stellen eine Art Garantie dafür dar, dass man einen Wein kostet, der unverwechselbar ist und seit Jahrhunderten auf einem der historischen Weinberge angebaut wird. In der folgenden Ausgabe der Sendereihe "Reiseland Tschechien" laden wir Sie nach Znojmo / Znaim ein, dem Zentrum des Weinbaus mit den wohl klingenden Weingartennamen.

Die historische Stadt Znojmo / Znaim ist das Zentrum eines der vier südmährischen Weinbauuntergebiete.

Znojmo / ZnaimZnojmo / Znaim "In der Region von Znojmo arbeiten weniger Winzer als in den anderen Regionen. Dafür sind hier einige große Weinproduzenten tätig."

So charakterisiert Pavel Krska, der Leiter des Tschechischen Weinbauzentrums in Valtice, kurz das Weinbauuntergebiet von Znojmo. Es ist das kleinste Weinbauntergebiet Mährens. Der größte Weinproduzent in der Region ist die Gesellschaft Znovin Znojmo. Die Firma hat ihren Sitz in der Gemeinde Satov, außerdem hat sie die Räumlichkeiten des Klosters in Louka am Stadtrand von Znojmo gemietet. Die Geschichte des Weinbaus ist hier sehr alt, sagt der Direktor von Znovin Znojmo, Pavel Vajcner.

"Es gibt da natürlich auch Funde aus der Zeit von Marcus Aurelius. Einige Namen der Weinberge erinnern noch an diese Zeit. Die ersten historischen Erwähnungen des Weinanbaus stammen aus der Zeit, als das Kloster in Louka errichtet wurde - also aus dem 12. Jahrhundert. Bekannt war der älteste Weingarten in der Region von Znojmo - Sobes. Etwas später - um das Jahr 1200 wurde schon in Weinperky in der Gemeinde Miroslav Wein angebaut. Die Mehrheit der Kellerwirtschaften gehörte den Klöstern. Der größte Weinproduzent war das Kloster Louka. Die Region von Znojmo war damals dominierend, die anderen Weinbaugebiete waren kleiner."

Znojmo / ZnaimZnojmo / Znaim Auf die Weinproduktion haben sich während der Jahrhunderte verschiedene Naturkatastrophen sowie Kriege negativ ausgewirkt. Die größte Katastrophe waren für die Winzer nicht nur in Südmähren, sondern in ganz Europa die Reblaus und Pilzerkrankungen, die aus Amerika eingeschleppt wurden. In den Jahren 1750 - 1890 ist die Gesamtfläche der Weinberge zurückgegangen. Pavel Vajcner zufolge wurden die Weinberge nur allmählich wieder belebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Weinbau in der Region auch dadurch beeinflusst, dass nur ein Teil der neuen Bewohner, die sich hier nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung niederließen, aus Weinregionen stammte und eine Beziehung zum Weinbau hatte.

Pavel VajcnerPavel Vajcner Nach der Wende entstand durch die Transformation der einstigen Mährischen Weinbetriebe die Aktiengesellschaft Znovin Znojmo, die das Znaimer Weinbauuntergebiet dominiert. Znovin konzentrierte sich von Anfang an auf Rebsorten aus den bekannten Weingärten sowie auf Archivweine. Dies war Pavel Vajcner zufolge der schwierigere Weg, der damals in Tschechien nicht üblich war. Denn viele Weinunternehmen haben zuerst Billigweine produziert, deren Tradition noch aus kommunistischen Zeiten stammte. Seit 1995 wurde die Weinproduktion in Znovin durch Tourismusprogramme für Weinliebhaber ergänzt. Im Unterschied zu anderen Weinbauuntergebieten wirken in der Znaimer Region nur wenige Kleinwinzer, sagt Pavel Vajcner. Und es ist viel einfacher für alle Weinproduzenten gut miteinander auszukommen als in den Regionen, wo es Hunderte von Winzern gibt, sagt Pavel Vajcner. Die Namen vieler Weingärten aus der Znaimer Umgebung sind auch für einen Laien ein Begriff.

Weinverkauf im Kloster LoukaWeinverkauf im Kloster Louka "Zu den bekanntesten Weingärten gehört Sobes. Das ist eine Ikone des mährischen Weinbaus. Berühmt sind traditionell auch Weinperky in Miroslav, Volne pole in Hosteradice oder Kravi hora / Kuhberg in Novy Saldorf / Neu-Schallersdorf. In der letzten Zeit haben weitere Weingärten in der Umgebung von Satov / Schattau an Popularität gewonnen - wie Stare vinice oder Knizeci vrch in Hnanice / Gnadlersdorf. Wir gehen beim Weinanbau vom so genannten ´terroir´ aus, wir konzentrieren uns auf die einzelnen Weingärten. Damit befassen wir uns verhältnismäßig lange. In den anderen Regionen fängt man damit erst allmählich an."

Mit dem Begriff "terroir" wird nicht nur die Bodenbeschaffenheit allein bezeichnet, sondern er umfasst auch weitere Faktoren - wie die Temperatur, Seehöhe, Niederschläge sowie die Tradition des Weinbaus. Man könnte also kurz gefasst sagen, dass jede Lage und der darin angebaute Wein unverwechselbar ist. Den Begriff "terroir" begannen die Benediktiner- und Zisterziensermönche zu benutzen, die bereits im 11. Jahrhundert den Einfluss des Bodens auf den Wein in Burgund und in Deutschland studierten. Aus dieser Zeit stammt die Unterscheidung zwischen Weinbergen von einer guten und einer weniger guten Qualität. Pavel Vajcner dazu:

Kloster LoukaKloster Louka "Mit dem ´terroir´ hängen auch die Rebsorten zusammen, die auf jedem Hügel einen anderen Geschmack und einen anderen Duft haben. Unsere Weinberge liegen verhältnismäßig weit voneinander entfernt - etwa 10-15 Kilometer. Im letzten Jahrhundert kämpfte der Weinbau mit dem für Znojmo genauso typischen Gurkenanbau. Dies hatte zur Folge, dass die Weinreben eher oben auf den Hügeln angesetzt wurden, während unten im Tal Gurken angebaut wurden. Für den Wein war es günstig. Von den Weinsorten wird hier vor allem Grüner Veltliner angebaut, der genauso bei den Nachbarn in Österreich beliebt ist. Müller Thurgau gehört zu den üblicheren leichteren Weinsorten. Von den Weinen, die von einer sehr guten Qualität sind, ist Sauvignon zu nennen. In der letzten Zeit gab es einen hervorragenden Traminer und wenn der Jahrgang gut wird, auch einen guten Rheinriesling. Die Rotweine stellen nur eine Ergänzung in unserer Weinproduktion dar. Produziert werden vor allem Zweigeltrebe, Blaufränkisch und St. Laurent."

Neben dem Tourismusprogramm für Weinliebhaber, das von Znovin seit 1995 durchgeführt wird, bietet die Gesellschaft ihren Kunden auch die Möglichkeit, die Znovin-Weine in einem Privatarchiv zu lagern. Im Mährischen Keller in Satov gibt es zurzeit 1400 Boxen, die die Klienten gemietet haben, um die Weine zu lagern und eventuelle zu archivieren. Weitere 200 Boxen sollen noch errichtet werden, denn wie Pavel Vajcner verriet, ist die Nachfrage danach sehr groß.

"Dies ist meiner Meinung nach eine Rarität in der Welt. Denn ich habe nie gehört, dass irgendwo den Kunden so viele Boxen für die Weinlagerung zur Verfügung stehen. Die einzige Bedingung ist, dass in Satov nur Weine von Znovin gelagert werden. Heute ist es fast Mode geworden, eine solche Box bei uns zu haben. Der Keller mit dem Archiv hat einen Verwalter, denn es ist wirklich ein unterirdisches Labyrinth."

Die Führung durch die Weinregion von Znojmo werden wir in vier Wochen fortsetzen. Wie wir angekündigt haben, ist unsere Weinserie auch mit Quizfragen und Preisen verbunden. Falls Sie wissen, welchem Orden das Kloster Louka bei Znojmo gehörte, dann schreiben Sie uns. Denn so lautet dieses Mal unsere Quizfrage. Für die richtige Beantwortung können Sie eine CD mit südmährischen Liedern gewinnen. Ihre Zuschriften richten Sie, bitte, an Radio Prag, Vinohradska 12, PLZ 120 99 Praha 2. In vier Wochen werden wir aus den richtigen Antworten einen CD-Gewinner auslosen.

Fotos: Autorin