"...und mitten unter ihnen steht der kleine Flecken Oberplan"

Das Städtchen Horní Planá (Oberplan) finden wir am Oberlauf der Moldau, im südlichen Teil des Böhmerwaldes. Der Ort, der im Jahre 1332 zum ersten Mal erwähnt wird, ist heute vor allem ein bekanntes Erholungszentrum, weil er direkt am Ufer des vor etwa 40 Jahren entstandenen Lipno-Stausees liegt.

Nicht nur als anziehender Urlaubsort wird Horní Planá heute besucht. Ein weiterer Grund lockt vor allem kultur- und literaturorientierte Touristen dorthin: In Oberplan wurde am 23. 10. 1805 der böhmische Dichter und Maler deutscher Abstammung Adalbert Stifter geboren. Zahlreiche seiner Romane und Erzählungen hat er seiner Heimatregion und deren Natur gewidmet, von denen der Erzählungsband "Bunte Steine" und der Roman "Witiko" am bekanntesten sind. Auch die Geschichte der Erzählung "Der Hochwald" spielt sich in dieser Böhmerwald-Gegend ab:

"Wenn sich der Wanderer von der alten Stadt und dem Schlosse Krumau, dieser grauen Wittwe der verblichenen Rosenberger, westwärts wendet, so wird ihm zwischen unscheinbaren Hügeln bald hier bald da ein Stück Dämmerblau hereinscheinen, Gruß und Zeichen von draußen ziehendem Gebirgslande, bis er endlich nach Ersteigung eines Kammes nicht wieder einen andern vor sich sieht, wie den ganzen Vormittag, sondern mit eins die ganze blaue Wand von Süd nach Norden streichend, einsam und traurig. Sie schneidet einfärbig mit breitem, lothrechtem Bande den Abendhimmel, und schließt ein Thal, aus dem ihn wieder die Wasser der Moldau anglänzen, die er in Krumau verließ; nur sind sie hier noch jugendlicher und näher ihrem Ursprunge. Im Thale, das weit und fruchtbar ist, sind Dörfer herumgestreuet, und mitten unter ihnen steht der kleine Flecken Oberplan."

Die Erzählung "Der Hochwald" hat uns in die tiefen Sumava-Wälder und in das Städtchen Horní Planá (Oberplan) hineingeführt. Besonders das Haus Nr. 21 erweckt die Aufmerksamkeit der heutigen Touristen, denn in ihm wurde Adalbert Stifter geboren. Dieses Haus dürfte schon um 1600 auf gutbürgerlichem Grund gebaut worden sein. Der Name Stifter, der sich auf die Besiedelung des Böhmerwaldes bezieht, war der am häufigsten vorkommende in der Gegend. Als erste urkundlich genannte Besitzer erscheinen 1670 Matthias Stifter mit seiner Frau Elisabeth. Als das Haus im Jahre 1934 vollständig nieder brannte, entstand während des Wiederaufbaus die Idee, dort ein Literaturdenkmal für den Dichter einzurichten. Stattdessen wurde jedoch zunächst eine örtliche Bibliothek im Gebäude untergebracht. Erst 1956 begannen die Vorbereitungen für eine museale Gedenkstätte im Stifter-Geburtshaus in Oberplan, deren feierliche Eröffnung am 23. Oktober 1960 erfolgte. Die Persönlichkeit des Dichters und seine Beziehung zum Geburtsort und zum Böhmerwald wird den Besuchern des Hauses in der Ausstellung "Adalbert Stifter und die Heimat" näher gebracht.

Seine Kindheitsjahre in Oberplan hat Stifter selbst in einem autobiographischen Stichwort beschrieben. Diese Autobiographie entstand am 26. 12. 1867, nur einen Monat vor dem Tod des Dichters. Sie wurde für die Enzyklopädie bestimmt und Stifter hat darum von sich selbst in der Er-Form geschrieben.

"Adalbert Stifter wurde am 23. Oktober 1805 in dem Marktflecken Oberplan im südlichen Böhmen geboren. Sein Vater, Johann Stifter, Sohn Augustin Stifters, war Hausbesitzer und Leinweber daselbst. Später trieb er einen kleinen Flachs- und Getreidehandel. Die Mutter Stifters war Magdalena Friepeß - ihre Grabtafel ist links neben dem Eingangsvorbau der Pfarrkirche in Oberplan angebracht - die Tochter des Fleischers Franz Friepeß in Oberplan. Stifter besuchte die Schule in Oberplan und hatte an Joseph Jenne - die Grabtafel des "Musterlehrers" J. Jenne ist rechts neben dem Eingangsvorbau der Pfarrkirche in Oberplan angebracht - einen vortrefflichen Lehrer, der seine Schüler besonders in Abfassung von Briefen und Aufsätzen übte. Dieser Lehrer gab den Rat, Stifter in das Gymnasium zu schicken. Zu dem Behufe erhielt er von dem Kapellan von Oberplan Vorunterricht in der lateinischen Sprache. Im November 1817 wurde Stifters Vater zwischen Wels und Lambach von dem eigenen umstürzenden Flachswagen erschlagen. Infolge dieses Ereignisses wurde die Gymnasiumfrage in Hinsicht Stifters zweifelhaft, namentlich, da ihn der Kapellan von Oberplan für völlig talentlos erklärte. Der Großvater des Knaben Franz Friepeß aber führte denselben im Sommer 1818 in die Benediktinerabtei Kremsmünster in Oberösterreich, in der sich ein Gymnasium befand, und stellte ihn dem Lehrer und Priester Placidus Hall vor. Dieser fragte den Knaben um allerlei und sagte dann, man solle ihn nur bringen. "

Im Oktober 1818 hat sich Stifter von Oberplan verabschiedet. Später lebte er in Österreich. Er starb am 28.1.1868.

Noch ein weiteres Gebäude in Oberplan trägt heute den Namen Adalbert Stifter - das "Adalbert Stifter Zentrum". Seit dem Frühjahr dieses Jahres befindet es sich in einem Gebäude, das bis 1945 Sitz der Bezirksparkasse war und später eine Poliklinik. Nach 1989 stand es leer und so wurde es gekauft, um dort eine tschechisch-deutsche Begegnungsstätte zu errichten. Etwa 80 Leute kommen an diesem Wochenende im "Adalbert Stifter Zentrum" zusammen. Über das Seminar, das dort stattfindet, habe ich mit dem Organisator und Mitbegründer des Zentrums, dem gebürtigen Oberplaner Horst Löffler gesprochen:

An diesem Wochenende findet in Horní Planá (Oberplan) ein Seminar unter dem Namen "Die Oberplaner Gespräche" statt. Was für eine Veranstaltung ist es, wer nimmt daran teil?

"Die Oberplaner Gespräche finden jetzt schon im siebenten Jahr statt, jedes Jahr im September. Sie haben immer ein anderes Motto, ein anderes Thema. Dieses Jahr lautet das Thema 'Heimat - gefährdetes Gut gestern und heute'. Es werden Multiplikatoren eingeladen, also Erzieher, Journalisten, Kommunalpolitiker von Tschechen und von Deutschen, die aus den böhmischen Ländern stammen."

Von wem wird das Seminar organisiert?

"Vom Adalbert Stifter Zentrum in Oberplan. Das ist ein zweisprachiges Studien- und Bildungszentrum, wir haben es im April eröffnet. Die Träger dieses Zentrums haben die Oberplaner Gespräche schon in den Jahren zuvor gemacht, ohne dass wir noch ein eigenes Zentrum hatten. Und wir machen das in Zusammenarbeit mit der Stadt Oberplan und mit der Union für gute Nachbarschaft tschechisch- und deutschsprachiger Länder."

Sie haben gesagt, das Zentrum wurde im Frühling gegründet... Ist dies die erste Veranstaltung, die dort stattfindet?

"Nein, nach der Eröffnung im April haben wir ein Seminar für junge Leute gemacht. Da ging es um Chancen für zweisprachige junge Menschen angesichts des EU-Beitritts der Tschechischen Republik. Das war das erste Seminar."

Das Zentrum trägt den Namen des Schriftstellers Adalbert Stifter. Es befindet sich in seinem Geburtsort. Warum bekennen Sie sich gerade zu dieser Persönlichkeit?

"Weil Stifter, nicht nur meiner Meinung nach, sondern nach der Meinung vieler Leute, für das Zusammenleben von Tschechen und Deutschen in den böhmischen Ländern eigentlich ein Vorbild ist. Er hat immer für dieses Zusammenleben plädiert und vor allem hat er die Menschlichkeit ganz groß geschrieben. Und deswegen ist für uns Adalbert Stifter eigentlich ein natürlicher Namensgeber."

Soweit, liebe Freunde, unser heutiger Besuch in Horní Planá (Oberplan). Für diejenigen unter Ihnen, die an unserem Wettbewerb teilnehmen möchten, haben wir hier noch folgende Quizfrage:

In welcher österreichischen Stadt hat Adalbert Stifter die letzten Jahrzehnte seines Lebens gelebt und ist auch dort gestorben?

Unter den richtigen Antworten wird ein Hörer mit dem Buch "Das Traumcafé einer Pragerin" von Lenka Reinerova belohnt. Dieses Buch erhält bereits Erika Weichelt aus Planegg, die auf unsere letzte Quizfrage richtig geantwortet hat, und zwar: Der Buchdruck wurde von Johannes Gutenberg erfunden.