Smetana-Ausstellung im Forsthaus Jabkenice

Wir haben in einer touristischen Sendereihe vor etwa drei Jahren berichtet, dass man im Forsthaus in Jabkenice eine Ausstellung über Bedrich Smetana vorbereitet. Sie sollte im Frühling 2002 eröffnet werden, doch die Arbeiten verzögerten sich, und so ist das Haus erst seit einem Jahr zugänglich. Zu einem Besuch der Innenräume werden wir uns nun von der Direktorin des Smetana-Museums in Prag, Frau Dr. Olga Mojzísová begleiten lassen:

 Forsthaus in Jabkenice Forsthaus in Jabkenice Das Smetana-Museum in Prag hat hier eine neue Ausstellung vorbereitet. Was erwartet die Besucher, die nach Jabkenice kommen?

"Die Ausstellung in Jabkenice ist den letzten Lebensjahren Smetanas gewidmet. Er lebte hier von 1875 an bis zu seinem Tod im Jahre 1884, und zwar mit der ganzen Familie. Gemeinsam lebten sie im Haus seiner ältesten Tochter Zofie Schwarz."

Und was brachte ihn nach Jabkenice? Warum ist er aus Prag weggezogen?

"Seine Tochter war hier mit dem Forstmeister Josef Schwarz verheiratet. Und es war die einzige Möglichkeit für Smetana und seine Familie. Denn er war taub und blieb ohne feste Existenzgrundlage. Also wohnten sie hier bei der Familie Schwarz."

Wie sah das Leben Bedrich Smetanas hier aus? Konnte er weiter komponieren, weiter arbeiten?

Direktorin des Smetana-Museums in Prag, Dr. Olga MojzísováDirektorin des Smetana-Museums in Prag, Dr. Olga Mojzísová "Es war sein großes Glück, dass er weiter komponieren konnte. Hier in Jabkenice entstanden die meisten seiner wichtigsten Werke: die drei letzten Opern, 'Der Kuss', 'Das Geheimnis' und 'Die Teufelswand', hier beendete er auch den Zyklus 'Mein Vaterland', komponierte zwei letzte Klavierzyklen 'Reves' und 'Tschechische Tänze' - und hier entstanden auch einige Chor- und Vokalwerke."

Wenn wir uns hier auf der Ausstellung umschauen, was genau gibt es hier zu sehen?

"Der Kern dieser Ausstellung sind zwei Zimmer, die wie zu Smetanas Lebzeiten eingerichtet sind. Das ist sein Arbeitszimmer und der Familiensalon. Hier sind viele Sachen, die aus der Familie und aus dieser Zeit stammen. Wir wollten die Räume so einrichten, wie sie in der alten Literatur, in Memoiren von Smetanas Enkelin beschrieben wurden. Und die Ausstellung zeigt weiterhin das Leben der ganzen Familie in Jabkenice sowie die Beziehung Smetanas zu dieser Region um Mlada Boleslav (Jung Bunzlau) in der früheren Zeit. Diese Gegend war nicht ganz unbekannt für ihn. Und der zweite Teil der Ausstellung gilt dem Schaffen Smetanas in der Zeit in Jabkenice: die Aufführungen seiner Werke auf Konzerten und im Theater, die Ausgaben bei uns und im Ausland."

Im Familiensalon sieht man auch ein Klavier. Ist es ein ursprüngliches Instrument, auf dem vielleicht auch Smetana selbst gespielt hat?

"Ja, das ist sein Klavier. Es stammt aus seiner Musikschule in Prag. Er schenkte es seiner Tochter Zofie und mit ihr kam das Instrument nach Jabkenice. Smetana hat hier darauf gespielt und komponiert."

Das Forsthaus in Jabkenice ist ein Bestandteil des Bedrich Smetana-Museums in Prag...

"Das Smetana-Museum ist das älteste Musikmuseum bei uns. Es wurde im Jahre 1926 gegründet. Seinen Sitz hat das Museum in Prag, in einem sehr schönen Gebäude am Moldau-Ufer. Dort befindet sich auch eine ziemlich neue Ausstellung über Smetanas Leben und Werk, sie stammt aus dem Jahre 1998."

Verwalten Sie auch andere Objekte in Tschechien, Häuser außerhalb von Prag, in denen Smetana einmal gelebt hat?

"Nein, jetzt haben wir nur das Jabkenice-Haus. Früher war das auch seine Geburtswohnung in Litomysl, aber die gehört jetzt unter die Stadtverwaltung."

Kehren wir noch einmal nach Jabkenice zurück: Es gibt hier die beiden Zimmer der Familie, weiter zwei Ausstellungssäle im oberen Stockwerk, aber unten findet man auch einen Konzertsaal. Wird geplant, hier Konzerte zu geben?

"Es würde uns sehr freuen, wenn es möglich wäre. Wir hoffen, dass auch hier in Jabkenice oder in der Umgebung Aktivitäten entstehen, die es ermöglichen, einige Kulturveranstaltungen hier zu organisieren."

Eine gewisse Tradition der Smetana-Feste existiert hier schon...

"Ja, diese Tradition existiert sehr lange. Immer am ersten Montag im Juni finden hier die Festlichkeiten statt."

Bevor wir uns verabschieden, dürfen wir unseren Wettbewerb nicht vergessen. Gleich zwei Hörer können sich heute auf ein Geschenk von uns freuen, das heißt auf eine CD mit Slawischen Tänzen von Antonín Dvorák. Den Namen Max Brod schrieb uns u. a. Helmut Matt. Max Brod war der deutschsprachige Schriftsteller aus Prag, nach dem wir in der vorletzten Folge von "Musikland Tschechien" gefragt haben. Er hatte die Opern Leos Janaceks ins Deutsche übersetzt und dessen Biographie niedergeschrieben. In unserer Sendung vor einem Monat haben wir Sie dann aufgefordert, drei Werke des südböhmischen Komponisten Oskar Nedbal zu nennen. Thomas Ueberall schickte uns Namen von drei seiner Operetten: "Polenblut", "Die Winzerbraut" und "Die schöne Saskia". Wir danken für Ihre Antworten, in denen des Weiteren etwa Valse Triste, die Oper "Der Bauer Jakob", das Ballett "Der faule Hans" genannt wurden, und freuen uns auf weitere Briefe von Ihnen.

Und die heutige Frage? Schreiben Sie uns den Namen der Oper von Bedrich Smetana, mit der das Nationaltheater in Prag im Jahre 1883 feierlich eröffnet wurde. Per Post an die Adresse: Radio Prag, Vinohradska 12, 120 99, Praha 2 oder per E-Mail deutsch@radio.cz.