Schloss Březnice: Als Erzherzog Ferdinand die schöne Philippine heiratete

Die älteste erhaltene Schlossbibliothek in Tschechien, einige Ahnengalerien sowie Repräsentationsräume, die mit Originalmöbeln eingerichtet sind – zusehen gibt es im Renaissanceschloss Březnice recht viel. In der vergangenen Ausgabe von „Reiseland Tschechien“ haben wir Sie mit der Baugeschichte des Schlosses bekannt gemacht und versprochen, die Führung durch Březnice fortzusetzen.

Philippine WelserPhilippine Welser In der Zeit, als Schloss Březnice dem Höfling Jiří Lokšan von Lokšany gehörte, war es Zeuge einer Liebesgeschichte, die viel später auch Literaten inspirierte. Kastellan Robert Barták macht auf eine Holzplastik aufmerksam, die Philippine Welser mit ihrem ersten Sohn Andreas darstellt:

„Hier spielte sich eine der romantischsten Geschichten ab, die die Monarchie erlebte. Im Schloss heiratete Erzherzog Ferdinand, der Sohn des österreichischen Kaisers Ferdinand I., 1557 heimlich die bürgerliche Tochter Philippine Welser aus Augsburg. Jahre lang musste die nicht standesgemäße Heirat geheim gehalten werden. Nur ein enger Kreis von Leuten durfte davon wissen. Dazu gehörte auch Schlossbesitzerin Kateřina von Lokšany, die Philippines Tante war. In Březnice kam bald das erste Kind von Philippine und Ferdinand zur Welt. Aber damit ihn seine Mutter selbst ungestört erziehen konnte, wurde der erstgeborene Sohn Andreas vor das Tor gelegt. Danach wurde der Junge als Findling ins Schloss gebracht und Philippine nahm ihns als ihr eigenes an. Ähnlich ging es auch mit den weiteren Kindern des Ehepaares.“

Schloss BřezniceSchloss Březnice Der Kastellan erzählt, es komme im Laufe des Jahres immer wieder vor, dass Touristen aus Deutschland oder Österreich kämen, die das Schloss eben wegen dieser Geschichte von Philippine und Ferdinand besuchen wollen. Vor ein paar Wochen wurde in Březnice ein neuer Roman über die schöne Philippine vorgestellt, berichtet Robert Barták.

„Das Buch schrieb der tschechische Arzt und Schriftsteller Antonín Polách, der in der Steiermark lebt. Er schildert darin viele Details über die Beziehung zwischen Philippine und Ferdinand. Der Roman heißt ´Ehre deinen Vater¨,aber liebe deine Frau. Oder: die Geschichte der ersten nicht adeligen Frau im Haus Habsburg´.“

Antonín Polách: ´Ehre deinen Vater, aber liebe deine Frau´Antonín Polách: ´Ehre deinen Vater, aber liebe deine Frau´ Polách habe, so der Kastellan, das Schloss besucht, um das Milieu kennen zu lernen, in dem Philippine lebte. Die Handlung des Romans geht Barták zufolge von Poláchs historischen Detailkenntnissen aus.

Seit dem 18. Jahrhundert gehörte das Schloss der Adelsfamilie Krakowsky von Kolowrat. Zu den bekanntesten Mitgliedern der Familie gehörte Josef Maria Krakowsky. Er schenkte 1818 mehrere wertvolle Handschriften und Erstdrucke aus der Schlossbibliothek dem damals errichteten Museum des Königreichs Böhmen, dem Vorgänger des Prager Nationalmuseums. Die Handschriften aus Březnice stellen bis heute die Grundlage der Abteilung der Schlossbibliotheken im Prager Museum dar, sagt Robert Barták bei der Führung durch die Ahnengalerie der Familie Krakowsky von Kolowrat.

Josef Marias Sohn Hanuš KrakowskyJosef Marias Sohn Hanuš Krakowsky „Josef Marias Sohn Hanuš Krakowsky, dessen Büste hier die Ahnengalerie dominiert, war kaiserlicher Rat. Er war ein großer Patriot in der Zeit der nationalen Wiedergeburt. Er unterstützte damals finanziell einige tschechische Schriftsteller und Dramatiker – beispielsweise Josef Kajetán Tyl, Božena Němcová oder Ladislav Čelakovský. Hanuš Krakowsky nahm 1848 an der Organisation des Slawenkongresses in Prag teil. Er verbreitete damals die Gedanken der Bürgerrevolutionen, die sich in Europa abspielten, unter der hiesigen Bevölkerung. Hier sind beispielsweise Plakate ausgestellt, mit denen er die fortschrittlichen Gedanken verkündet haben soll. Diese Plakate hängte er aus den Schlossfenstern, er soll sie sogar beleuchtet haben. Auf den Plakaten forderte er unter anderem die Pressefreiheit, die Versammlungsfreiheit und vieles mehr.“

Schloss Březnice in 1865Schloss Březnice in 1865 Hanuš Krakowsky starb kinderlos und vererbte sein Eigentum seinem Neffen Eduard Pálffy von Erdöd. Den Pálffys gehörte Březnice bis 1945. Johann Graf Pálffy war der letzte Privatbesitzer des Schlosses, erzählt der Kastellan in der letzten Ahnengalerie in Březnice, die den Pálffys gewidmet ist.

„Die Nachkommen der letzten Schlossbesitzer kommen fast jedes Jahr zu Besuch nach Březnice. Das sind die Kinder und Enkelkinder der Töchter und des Sohns von Johann Pálffy. Die Portraits der Töchter sind hier in der Galerie zu sehen. Alle drei Töchter hielten noch vor dem Zweiten Weltkrieg Hochzeit in Březnice. Wilhelmine heiratete 1937 den Prager Violinisten Roman Wisata, die Nachkommen leben heutzutage in Linz. Sophie war mit Graf von Coudenhove-Kalergi verheiratet. Ihre Tochter ist die bekannte Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi. Sie war hier auch schon zu Besuch. Jedes Jahr kommt Franz Pálffy nach Březnice, der Enkelsohn von Johann Pálffy.“

Foto: Alena PalečkováFoto: Alena Palečková An Familie Pálffy erinnern in der Galerie und im Salon nicht nur die Portraits der Familienangehörigen, sondern auch viele Bilder von Pferden sowie Preise, die diese gewannen.

„Pferderennen waren eine große Passion der Pálffys. Hier in der Region haben sie Rennpferde gezüchtet. An der Wand in der Galerie hängen Hufeisen der erfolgreichsten Pferde. Auf dem Hufeisen stehen der Name des Jockeys sowie des Rennens und das Datum, wo das Pferd siegte. Häufig taucht da Karl Pálffy als Jockey auf. Auf einem der Hufeisen steht der Name Poppler. Rudolf Poppler war ein namhafter Jockey aus der Vorkriegszeit. Nach ihm wurde ein Sprung bei der Großen Steeplechase von Pardubice benannt.“

Den Pálffys ist neben der Ahnengalerie auch der so genannte Afrikanische Salon des Schlosses geweiht, in dem Jagdtrophäen sowie ethnografisches Material zu sehen sind, die Johann Pálffy Anfang des 20. Jahrhunderts von seinen Afrika-Reisen mitgebracht hat.

Die Repräsentationsräume des Schlosses befinden sich in der zweiten Etage. Der kleine Speisesaal ist im Stil des zweiten Rokokos eingerichtet. Als bedeutendster Raum wird der so genannte „Renaissance-Speisesaal“ betrachtet, der im alten Flügel des Gebäudes liegt. Robert Barták:

„Dieser Flügel wurde im 16. Jahrhundert unter Kateřina von Lokšany erbaut. In die Täfelung einer der Wände wurde ein Zyklus von Originalgraphiken aus der Renaissancezeit gesetzt. Auf den Bildern ist der Festumzug dargestellt, der anlässlich der Hochzeit von Jan Krakowsky von Kolowrat mit Katharina Beimund im Jahre 1580 in Innsbruck stattfand. Sie waren beide Höflinge von Ferdinand von Tirol. Die Hochzeit organisierte Ferdinand für seine Höflinge, und an der Herstellung des Bilderzyklus beteiligte sich der namhafte Maler Sigmund Elsasser. Ausgestellt ist hier im Saal auch die Einladung zur Hochzeit mit dem ganzen Programm des Festes.“

Aus dem Renaissance-Speisesaal geht es weiter in den Barocksalon, den Biedermeiersalon, der als Musiksaal Verwendung fand, und den Empiresalon. Im Erdgeschoss des Schlosses ist der große Speisesaal einen Besuch wert, der unter den Lokšans entstand. Er hat eine Renaissancedecke, wurde aber im 19. Jahrhundert im romantischen Stil eingerichtet und in einen Rittersaal verwandelt.

Das Schloss ist von April bis Oktober täglich außer montags geöffnet. Die Besucher können zwischen zwei unterschiedlichen Rundgängen wählen.