Metternichs Sommersitz: Schloss Kynžvart

Es steckt voller Schätze, das Schloss Kynžvart / Königswart in Westböhmen. Früher diente es dem österreichischen Kanzler Klemens Wenzel Metternich als Sommersitz. Das klassizistische Schloss beherbergt daher Metternichs Kunstsammlungen, seine wertvolle Bibliothek sowie ein Kuriositätenkabinett.

Schloss Kynžvart (Foto: Martina Schneibergová)Schloss Kynžvart (Foto: Martina Schneibergová)

Ondřej Cink (Foto: Martina Schneibergová)Ondřej Cink (Foto: Martina Schneibergová) Schloss Kynžvart befindet sich im westböhmischen Bädergebiet. Aus Mariánské Lázně / Marienbad ist es mit der Bahn oder dem Bus zu erreichen. Von der Bahnhaltestelle Lázně Kynžvart / Bad Königswart muss man allerdings noch 20 Minuten zu Fuß gehen. Der Bus hält hingegen direkt gegenüber dem Schloss. Auf den ersten Blick hat man das Gefühl, eher am Stadtrand von Wien als in Westböhmen zu sein. Das Schloss gehörte einige Jahrhunderte lang der Familie Metternich. Den Umbau im Stil des Wiener Klassizismus initiierte Kanzler Klemens Metternich in den 1820er Jahren. Die Geschichte des Adelsgeschlechts Metternich reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück, erzählt Ondřej Cink. Er ist Kastellan von Kynžvart:

„Die Familie stammte ursprünglich aus dem Rheinland, aus der Gegend von Koblenz, Trier und Mainz. Das Herrschaftsgut Kynžvart erwarben 1623 fünf Metternich-Brüder, als es nach der Schlacht am Weißen Berg dem ursprünglichen Besitzer abgenommen worden war. Das Zentrum des Guts war ursprünglich eine Burg, die heute eine Ruine ist und etwa vier Kilometer vom Schloss entfernt liegt. Zu Ende des 16. Jahrhunderts verließen die damaligen Besitzer die Burg und errichteten am Ort des heutigen Schlosses eine Renaissancefestung. Die Brüder Metternich ließen diese Festung dann zu einem Barockschloss umbauen. Der vermutlich bekannteste Metternich, der österreichische Kanzler Klemens Metternich, gab dann den Auftrag, dem Schloss ein klassizistisches Gewand zu geben.“

Klemens Metternich (Foto: Martina Schneibergová)Klemens Metternich (Foto: Martina Schneibergová) Metternich war 40 Jahre lang im Dienste zweier österreichischer Kaiser aktiv. Er habe wirklich so zusagen ein Stück Wien nach Westböhmen gebracht, sagt Cink.

Bis Ende des 18. Jahrhunderts hielten sich die Metternichs nur selten auf Schloss Kynžvart auf. Ihre wichtigsten Güter lagen im Rheinland. Durch die Napoleonischen Kriege verloren sie aber diesen Besitz. 1794 kamen die Metternichs als arme Exilanten nach Wien. Ihr einziges Eigentum war damals das Herrschaftsgut Kynžvart. Der Vater von Kanzler Metternich und vor allem der Kanzler selbst hätten das Schloss im böhmischen Bäderdreieck sehr geliebt, sagt Kastellan Cink:

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová „Der Hauptsitz des Kanzlers befand sich natürlich beim Kaiser in Wien. Metternich gefiel es hier aber sehr. Er ließ das Schloss großzügig zu seiner Sommerresidenz umbauen. Folglich verbrachte er einen Teil des Sommers in Kynžvart, meist den August und September. Manchmal hielt sich Metternich hier auch kurz während seiner Reisen nach Preußen auf. Den Sommeraufenthalt in Kynžvart darf man sich aber nicht als reinen Urlaub vorstellen. Er hat auch viel gearbeitet. Metternich verwandelte das Schloss in einen Ort der Begegnung von Diplomaten und Herrschern. Damals war das nicht weit entfernte Karlsbad ein beliebter Kurort. Dort verbrachte die Elite Europas wenigstens einen Teil ihres Urlaubs. Der Bäderbetrieb in Marienbad war damals hingegen noch neu. Und die Kurgäste besuchten gern den hiesigen Schlosspark und vor allem das Museum, das Metternich in seiner Residenz einrichten ließ.“

Holzsarg mit Mumie (Foto: Martina Schneibergová)Holzsarg mit Mumie (Foto: Martina Schneibergová) Laut Cink schreiben einige zeitgenössischen Berichte, dass oft vierzig Kutschen auf einmal in Kynžvart ankamen. Das Schloss habe sich schon im 19. Jahrhundert fast im Belagerungszustand durch unzählige Besucher befunden, so der Kastellan. Eine der Attraktionen sei das erwähnte Museum gewesen.

„Kanzler Metternich war ein hochgebildeter Mann und ein passionierter Sammler. Er erkannte auch den Wert der Gegenstände. Dank seiner Stellung und seinen finanziellen Möglichkeiten ging er beim Aufbau seiner Sammlungen sehr großzügig vor. Er kaufte einerseits besonders wertvolle Kunstwerke, die bis heute im Schloss zu sehen sind. Andererseits erwarb er recht gewöhnliche Gegenstände. Aus diesen Gegenständen hat er sein berühmtes Kuriositätenkabinett zusammengestellt. Jeder der Gegenstände ist mit einem Ereignis oder einer bedeutenden Persönlichkeit verbunden. Außer Sammlerstücken bekam Metternich in seiner Funktion auch viele wertvolle Geschenke. Zu ihnen gehört ebenso eine ägyptologische Sammlung, die angeblich die drittgrößte ihrer Art in Tschechien ist. Die wichtigsten Exponate davon sind zwei echte ägyptische Mumien in Holzsärgen.“

Schreibtisch des Schriftstellers Alexandre Dumas (Foto: Martina Schneibergová)Schreibtisch des Schriftstellers Alexandre Dumas (Foto: Martina Schneibergová) Von den mehr als 2000 Gegenständen im Kuriositätenkabinett ist beispielsweise der Schreibtisch des Schriftstellers Alexandre Dumas hervorzuheben. Den Tisch habe nicht der Kanzler, sondern sein Sohn Richard erworben, erzählt der Kastellan.

„Er ist genauso wie sein Vater Diplomat gewesen. Lange war Richard Metternich am Hof von Napoleon III. in Paris tätig. Dort lernte er die Familie Dumas kennen. Nach dem Tod von Alexandre Dumas dem Älteren schenkte seine Tochter Marie Alexandre eine ganze Sammlung von Gegenständen ihres Vaters dem Museum in Kynžvart. Deswegen haben wir hier heute den Schreibtisch, an dem Dumas seine ‚Drei Musketiere‘ geschrieben hat. Zudem zeigen wir einen Sessel des Schriftstellers, einen Federaufsatz und eine mit Malachit verzierte Mappe.“

Sessel des Schriftstellers Alexandre Dumas (Foto: Martina Schneibergová)Sessel des Schriftstellers Alexandre Dumas (Foto: Martina Schneibergová) Im Kuriositätenkabinett wird des Weiteren eine nicht explodierte Bombe vom Attentat auf Kaiser Napoleon III. gezeigt. Die Attentäter, geleitet von Graf Orsini, warfen 1858 vier Bomben auf die Kutschenkolonne des Kaisers. Der Herrscher und sein Frau erlitten zwar keinen Schaden, aber neun Menschen starben bei dem Attentat und mehr als 150 weitere wurden verletzt. Auch ein Andenken an Kaiserin Maria Theresia befindet sich im Kuriositätenkabinett.

„Es ist ihr Kamm, der ganz gewöhnlich aussieht. Aber wegen seiner Besitzerin hat er einen hohen Wert. Gezeigt wird auch ein Gebetbuch, das ursprünglich für Maria Theresia hergestellt wurde. Die Kaiserin hat das Büchlein ihrer Tochter Marie Antoinette zur Hochzeit mit dem französischen König Ludwig XVI. geschenkt. Mit Hilfe dieses Buches soll Marie Antoinette unmittelbar vor ihrer Hinrichtung gebetet haben.“

Bei der Führung durch das Schloss werden zudem zwei Bibliotheken vorgestellt. Die kleinere von ihnen gehörte Klemens Metternichs Sohn Richard. Sie umfasst rund 6000 Bände. In zwei großen Sälen ist die größere Bibliothek untergebracht, die dem Kanzler gehörte. Ondřej Cink:

„Metternich hat einen Teil der Bücher gekauft, andere hat er geerbt oder geschenkt bekommen. Das wertvollste Buch stammt aus der Klosterbibliothek in Ochsenhausen. Das Kloster wurde Anfang des 19. Jahrhunderts im Rahmen der Säkularisierung aufgelöst. Der Vater des Kanzlers erhielt es vom Kaiser als Entschädigung für seine verlorenen Besitzungen im Rheinland. Kanzler Metternich verkaufte dann 1825 die Besitzungen in Ochsenhausen und brachte wertvolle Handschriften und alte Drucke in seine neue Bibliothek auf Schloss Kynžvart. Das älteste Werk ist ein Fragment des Alten Testaments aus dem 8. Jahrhundert. Zudem befindet sich hier eine französische Chronik aus dem 14. Jahrhundert. Die Büchersammlung hier ist eine der wertvollsten Adelsbibliotheken in Tschechien.“

In den Jahren 2000 bis 2002 wurde das Hauptgebäude des Schlosses grundlegend restauriert. Dafür wurde das staatliche Denkmalschutzamt mit dem prestigeträchtigen Preis „Europa Nostra Award“ ausgezeichnet. Es ist nicht die einzige Anerkennung, die Kynžvart erhalten hat.

Schloss Kynžvart (Foto: Martina Schneibergová)Schloss Kynžvart (Foto: Martina Schneibergová) „Die Daguerreotypie aus Kynžvart wurde in die Liste des Weltdokumentenerbes der Unesco eingetragen. Für die Daguerreotypie wird derzeit im Schloss ein selbständiges Museum eingerichtet. Öffnen wird es vermutlich 2020.“

Das Schloss lässt sich auch im Übrigen noch im November besuchen, jedoch nur am Dienstag und Donnerstag. Im Advent wird es am 8. Dezember Sonderführungen geben.

„Das Schloss wird dann weihnachtlich geschmückt sein. Bei den Führungen arbeiten wir mit einer Theatergruppe zusammen. Die Führungen finden von 13 bis 17 Uhr statt. Anschließend laden wir zu einem Adventskonzert in die Schlosskapelle. Nach dem 8. Dezember wird das Schloss im Winter nur noch für Gruppen nach vorheriger Terminvereinbarung geöffnet sein.“

 

Im November ist das Schloss am Dienstag und Donnerstag von 13 bis 15 Uhr geöffnet. Im Dezember und im Januar ist es geschlossen. Gruppen können nach vorheriger Terminvereinbarung die Residenz aber weiterhin besuchen. Geöffnet wird es wieder im März. Von Mai bis Ende September ist das Schloss täglich außer montags von 9 bis 16 Uhr respektive 17 Uhr geöffnet. Mehr über das Schloss erfahren Sie unter https://www.zamek-kynzvart.eu/de.