Kozí Hrádek (Ziegenburg) - Zufluchtsort des Kirchenreformators Jan Hus

In einer stillen südböhmischen Landschaft, etwa 4 Kilometer südöstlich von Tabor, steht eine einsame Burgruine - Kozí hrádek, die Ziegenburg. Diese Burg wäre heute kaum bekannt, hätte sie nicht im 15. Jahrhundert einen berühmten Gast begrüßt: Gerade auf Kozí hrádek fand damals der böhmische Kirchenreformator Jan Hus Zuflucht, nachdem er in Acht gesetzt worden war und Prag verlassen musste. Auf die Ziegenburg, auf den Spuren von Jan Hus, begleiten Sie in den folgenden Minuten Olaf Barth und Markéta Maurová.

Kozí Hradek (Foto: Archiv Radio Prag)Kozí Hradek (Foto: Archiv Radio Prag) Willkommen zur Touristensprechstunde, liebe Hörerinnen und Hörer. Der heutige Staatsfeiertag in Tschechien ist dem Kirchenreformator Jan Hus gewidmet, der am 6. 7. 1415 in Konstanz am Bodensee den Märtyrertod in den Flammen fand. Das Konzil in Konstanz war die letzte Station auf der leidvollen Reise, die er wegen seiner Kirchenlehre antreten musste. Nachdem er aus Prag ausgewiesen wurde, begab er sich nach Südböhmen, auf die kleine Burg Kozí hrádek - Ziegenburg. Dort verbrachte er mit Unterbrechungen zwei Jahre und dorthin werden wir uns in der heutigen Wandersendung begeben. Die Ziegenburg ist heute eine Burgruine. Es handelte sich aber nie um eine große Burg. In der Mitte stand ein mächtiger Turm, den ein tiefer Wassergraben und eine Holzpalisade schützten. Von der Gründung der Burg ist uns leider nichts Näheres bekannt. Die ältesten historischen Berichte sind sich nur darin einig, dass sie 1377 zum ersten Mal erwähnt wurde. Höchstwahrscheinlich war sie damals im Besitz von Vlcek von Kozí, der auch in Mähren Güter hatte. Später fiel die Burg den Herren von Hardegg und von Neuhaus zu. Die Burg spielte nie eine bedeutende Rolle und wäre - nach einem Brand im 15. Jahrhundert sicher nicht nur von der Erdoberfläche, sondern auch aus Geschichtsbüchern verschwunden - wenn sie Jan Hus nicht beherbergt hätte.

Jan HusJan Hus Kozí hrádek wird heute vom Stadtrat im nahen Sezimovo Usti (Alt-Tabor) verwaltet. Ich habe mich daher an den Leiter der dortigen Kulturabteilung, Martin Klima, gewandt, um etwas mehr über die Burg und den dortigen Aufenthalt des Predigers zu erfahren.

"Im November 1412 wurde Jan Hus mit dem Bann belegt und musste Prag verlassen. Höchstwahrscheinlich verbarg er sich zunächst in der Gegend von Zatec/Saaz. Genaue Angaben über seinen Aufenthalt während dieses Jahres sind jedoch in keiner Quelle verzeichnet. Allem Anschein nach wählte Hus eine abgelegene Burg in der Nähe von Prag anstatt einer Stadt als seinen Zufluchtsort. Denn dem Ort, in dem er sich verborgen hätte, drohte ein Interdikt, d.h. ein Verbot aller Gottesdienste, Bestattungen und Taufen. Hus verheimlichte daher seinen zeitweiligen Aufenthaltsort, um seinem Gastgeber keine Banngefahr zu verursachen. Anfang des Jahres 1413 kam Magister Jan Hus auf Einladung von Jan von Ústí auf die Burg Kozí Hrádek. Er traf in einer Region ein, die bereits ihre revolutionäre Tradition hatte, und deshalb widmete er sich nicht nur seiner wissenschaftlichen Tätigkeit, was ursprünglich seine Absicht war, sondern auch der Predigt."

Jan HusJan Hus In der Einsamkeit auf dem Lande machte sich Hus sein Urteil durch literarisches Schaffen erträglicher. Da seine Werke für einfache, nicht gelehrte Leser bestimmt waren, schrieb er sie auf Tschechisch. Er beendete hier sein grundsätzliches Werk "Postille", d.h. eine Sammlung von Sonntagspredigten, die er überwiegend in der Bethlehemkapelle in Prag vortrug, und auch einige andere wichtige Werke, z.B. die Traktate "Über Simonie", "Über die Kirche" oder die Schrift "Über sechs Irrglauben". Die literarische Tätigkeit konnte aber den intensiven Bedarf nach einem direkten Kontakt mit dem Publikum nicht für lange Zeit befriedigen. Hus suchte deswegen große Volksversammlungen, Kirmes, Feste, Hochzeiten usw. auf und machte das dortige Volk mit dem moralischen und religiösen Programm seiner Lehre bekannt.

"Wie Hus selbst sagte, verlange und brauche ihn das Volk und deshalb kehrte er zur Aufgabe des Predigers zurück. Er nahm seine Predigten in tschechischer Sprache wieder auf, die ihm in der Prager Bethlehemkapelle zu großer Berühmtheit verhalfen. Bekannt sind seine Predigten "unter der Linde". Nicht nur die Bewohner der nahen Stadt Ústí, sondern Leute aus der weiteren Umgebung kamen nach Kozí hrádek, um dem hervorragenden und tapferen Prediger zuzuhören."

Kozí Hradek (Foto: Archiv Radio Prag)Kozí Hradek (Foto: Archiv Radio Prag) Magister Jan Hus hielt sich vom Sommer 1413 bis zum Frühling 1414 ununterbrochen auf der Ziegenburg auf. Dann, nach einem kurzen Besuch in Prag, begab er sich wieder in den Süden. Diesmal jedoch nicht mehr auf die Ziegenburg, sondern nach Sezimovo Ústí. Am 15. Juli 1414 verließ er aus unbekannten Gründen auch diese Stadt.

"Es gibt mehrere Versionen seines Weggangs. Die einen behaupten, dass der Grund der Tod seines Gastgebers, Herr Jan von Ústí war, die anderen sind der Meinung, dass eine starke Pestwelle daran schuld war. Mit Sicherheit kann man sagen, dass Hus von hier auf die Burg Krakovec bei Rakovník ging. Und dort trat er seinen letzten Weg nach Konstanz an, wo er für seine Ansichten verurteilt und verbrannt wurde."

Soweit das Schicksal von Jan Hus. Und was passierte mit der Burg Kozí hrádek nach dessen Weggang? Sie fiel 1438 einem Brand zum Opfer. Höchstwahrscheinlich wurde sie damals durch das Söldnerheer des Herrn Albrecht von Österreich ausgeplündert und in Brand gesetzt, der in jener Zeit die Stadt belagert und sein Lager im unweiten Ort Mìšice hatte.

"Nach den Hussitenkriegen gehörte Kozí Hrádek der Stadt Tábor, wird aber als "Burg Kozí Öde" erwähnt. Die Burg war auf dem besten Wege, schrittweise und spurlos mit der Landschaft zu verschmelzen, wie es bei zahlreichen ähnlichen Burgen und Festungen der Fall war. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden die Burgmauern als Material für kleine Bauarbeiten in der Umgebung genutzt. Die Burg ging verloren und wurde von Gras und Gebüsch überwuchert."

Die Burg ist völlig in Vergessenheit geraten. Im 19. Jahrhundert erwartete sie jedoch eine Wiederentdeckung. Im Jahre 1886 begann man auf Verlangen des Gymnasialprofessors in Tábor und Autors des bekannten Buches tschechische Burgen und Schlösser August Sedlácek in den Burgruinen zu graben, und es wurde der Rest des Wohnturms entdeckt. 7 Jahre später, im Jahre 1893, wollte der akademische Verband Stítný von Tábor ein Denkmal auf Kozí Hrádek errichten. Die österreichischen Behörden befürchteten jedoch eine Wiederbelebung der Hus-Traditionen und haben deshalb den Aufbau des Denkmals amtlich verboten. Da das Geld schon gesammelt war, wurde es für eine Herrichtung der Burg verwendet. Die Arbeiten verliefen jedoch ziemlich chaotisch, ohne Expertenaufsicht und es wurde daher leider auch vieles vernichtet.

"Die bedeutendste Wende zum Besseren kam im Jahre 1899, als Josef Svehla, ein Oberlehrer in Sezimovo Ústí, die Arbeiten übernahm. Die Archäologie war seine Vorliebe. Dank seiner Begeisterung und der 15 Jahre dauernden unermüdlichen Arbeit können wir uns heute vorstellen, wie der vorübergehende Sitz von Magister Jan Hus aussah. Alle Exponate, die Josef Svehla während der Ausgrabungen gefunden hat (mehr als 250 Exponate - verschiedene primitive Kinderspielzeuge, ein kleines Gefäß mit zeitgemäßen Münzen, Speeren oder aber etwa Keramik), sind im Museum in Tábor zu sehen."

Wir überlassen es Ihnen, ob sie lieber das Museum in Tabor besuchen oder sich direkt auf die Burg begeben. Sie ist zu Fuß, mit dem Fahrrad und auch mit dem Auto zu erreichen. Neben der Besichtigung der Anlage kann man dort ab und zu auch verschiedene Kulturveranstaltungen antreffen. Eine Gedenkfeier fand dort an diesem Freitag, dem Vorabend des Hus-Tages statt. Eine andere Veranstaltung wird aber auch für den August geplant.

"Am 3. August soll sich auf der Ziegenburg eine große Schlacht abspielen - die Eroberung der Ziegenburg. Eine Gruppe von etwa 60 Fechtern wird hier einen Kampf um die Burg vorführen. Es ist unsere größte Veranstaltung, die jedes Jahr von etwa ein Tausend Menschen besucht wird."

Ich danke Herrn Martin Klima aus Sezimovo Usti für seine Erzählung und Einladung zur Schlacht um Kozí hrádek. Und damit wollen wir uns für heute verabschieden. Im Studio waren Olaf Barth und Markéta Maurová.