Kostelec nad Orlicí (Adlerkosteletz) - Eingangstor ins Adlergebirge

In der heutigen Ausgabe der Sendereihe "Reiseland Tschechien" besuchen Sie gemeinsam mit Markéta Maurová und Thomas Kirschner das Städtchen Kostelec nad Orlicí (Adlerkosteletz). Es liegt in Ostböhmen, am Fuße des Adlergebirges und gilt als ein Eingangstor in diese Berge. Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung.

Adlergebirge (Foto: Archiv Radio Prag)Adlergebirge (Foto: Archiv Radio Prag) Podorlicko, d.h. etwa das Vor-Adlergebirge, nennt man die Region, die sich unter dem Kamm des Adlergebirges erstreckt und in der auch die kleine Stadt Kostelec liegt. Die Bürgermeisterin von Kostelec nad Orlici, Ivana Cervinkova, charakterisiert Podorlicko folgendermaßen:

"Es ist eine Region, in der die Natur sehr wenig vom Menschen berührt wurde. Man kann hier daher sehr schöne Winkel, nicht nur in den Bergen, sondern auch in den Tälern der Flüsse Ticha und Divoka Orlice (Stille und Wilde Adler) finden. Was diese Region im Rahmen der Tschechischen Republik einzigartig macht, ist die reiche Ansammlung von Kulturdenkmälern und historischen Denkmälern auf einem relativ kleinen Gebiet."

Das malerische Städtchen Kostelec liegt in einer schönen Naturszenerie im Tal der Wilden Alder. Der Fluss passiert unter der Stadt einen Engpass und fließt in die breite Elbe-Ebene weiter. Diese Gegend war bereits in der vorchristlichen Zeit bewohnt, wie eine Reihe von Ausgrabungen im östlichen Teil der Stadt beweist. Eine Ortschaft wurde dort wahrscheinlich im 10. Jahrhundert gegründet, und Stadtrechte erhielt Kostelec im Jahre 1321. Es war ein bedeutendes Handwerkzentrum, wobei sich vor allem Erzeugnisse der dortigen Tuchmacherzünfte auch auf polnischen Märkten durchsetzen konnten. An die Geschichte der Stadt erinnern heute u. a. Überreste der Stadtmauern. Andere Bauten erwähnt die Bürgermeisterin Ivana Cervinkova:

Kostelec nad Orlicí, Flugaufnahme (Foto: Karelj, CC BY-SA 3.0 Unported)Kostelec nad Orlicí, Flugaufnahme (Foto: Karelj, CC BY-SA 3.0 Unported) "Ich möchte auf einige Häuser auf dem Stadtring hinweisen. Es ist das alte Rathaus, in dem in der heutigen Zeit eine Musikschule sitzt, und das neue Rathaus, wo sich heute der Sitz des Stadtrats befindet."

Auf dem Stadtring stehen auch weitere Denkmäler - eine barocke Mariensäule, eine Dreifaltigkeitssäule vom Ende des 19. Jahrhunderts und ein Empire-Brunnen mit einer Nymphenstatue. Die Stadt rühmt sich auch mit mehreren Kirchen, wie bereits ihr Name andeutet:

"In unserer Region gibt es eine Reihe von kirchlichen Denkmälern und der Name der Stadt Kostelec nad Orlici selbst wird von kostel (d.h. die Kirche) abgeleitet. Es gibt hier eine barocke Dekankirche, die Friedhofskirche der hl. Anna und weitere Kirchen."

Eine kleinere Kirche in der Stadt trägt den Namen von Johann Amos Comenius. Warum? Er heiratete dort seine Frau, die aus Kostelec stammte. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Stadt mehrfach ihren Besitzer. Seit den Anfängen gehörte sie den Herren der Burg von Potstein. Sie gehörte auch Georg von Podiebrad, der ihr auch ihr Stadtwappen gab: einen zweischwänzigen Löwen mit zwei goldenen Pfeilen in der Vorderpfote auf einem roten Feld.

Seit dem Jahr 1796 waren Mitglieder des Geschlechts Kinsky von Vchynice die Herren von Kostelec, und zwar bis 1918. Sie ließen in den Jahren 1829-33 ein Empireschloss am westlichen Stadtrand erbauen, der heute - nach mehreren Jahrzehnten der Verwaltung durch den Staat - wieder ihrer Familie gehört. Frantisek Kinsky will es künftig auch für Besucher und Touristen öffnen. Zurzeit ist das Schloss jedoch nicht zugänglich, weil dort eine umfangreiche Renovierung vorgenommen wird.

Kostelec nad Orlicí (Foto: Ben Skála, CC BY-SA 3.0 Unported)Kostelec nad Orlicí (Foto: Ben Skála, CC BY-SA 3.0 Unported) "Auf dem Gebiet unter dem Adlergebirge liegt eine große Menge historischer Baudenkmäler. Einzigartig an dieser Region ist, dass sich viele dieser Gebäude im Privatbesitz befinden. Dies bedeutet nicht, dass sie allmählich zerstört und verwüstet werden, sondern dass sie wieder renoviert werden", sagt Frantisek Kinsky im Namen aller Schlossbesitzer in der Region.

"Unsere Nachbarin ist Diana Sternberg in Castolovice. Dank der Tatsache, dass sie den wesentlichen Teil ihres Lebens außerhalb unserer Republik verlebte und danach hierher zurückkehrte, brachte sie ins Denken von uns allen Anregungen, wie man diese Schlösser wieder zum Leben bringen und nicht nur tote Museen daraus machen kann. Wenn man nach Castolovice kommt, sieht man, dass das Schloss wirklich lebt. Der Tourist hat Möglichkeiten, etwas zu essen, etwas zu besichtigen, sich zu unterhalten. Das Schloss befindet sich heute in der Situation, dass es nicht so ist, dass die Erwachsenen ihre Kinder ins Schloss schleppen, um sie zu belehren, sondern dass es umgekehrt ist. Warum? Die Kinder finden dort z. B. einen kleinen Zoogarten, wo sie alle Tiere berühren können, und das Schloss beginnt zu leben."

Ähnliche Pläne schmiedet auch Frantisek Kinsky. Wie er bemerkt, bemüht sich jeder Schlossbesitzer, mit der Stadtverwaltung zusammenzuarbeiten.

"Z. B. Kostelec hat kein eigenes Museum. Ich habe mich daher entschieden, einen Teil des Schlossgebäudes der Stadt anzubieten. Sie kann ihre Sammlungen, die früher in einem schönen Museumsgebäude ausgestellt waren, in unserem Schloss unterbringen." Das Schloss liegt mitten in einem englischen Park, der sich auf der Fläche von 26 Hektar erstreckt.

Kirche des Heiligen Georgius in Kostelec nad Orlicí (Foto: Radek Bartos, CC BY-SA 3.0 Unported)Kirche des Heiligen Georgius in Kostelec nad Orlicí (Foto: Radek Bartos, CC BY-SA 3.0 Unported) "Der Park wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet. Einige der Bäume stehen dort schon seit dieser Zeit. Am bekanntesten ist die Wilson-Pappel, die früher viele interessierte Leute hierher lockte. Sie war nämlich lange Zeit die einzige Wilson-Pappel auf dem Gebiet der Tschechischen Republik."

Aber nicht nur Bäume sind im Garten zu bewundern.

"Der Park von Kostelec zählt zu den Orten mit dem reichsten Vorkommen von Märzenbechern hierzulande. Wenn diese blühen, ist zwar überall Frühling, der Park sieht dennoch wie verschneit aus. Überall sind weiße Blüten der Märzenbecher."

Soweit die Einladung Franisek Kinskys zu einem Frühlingsbesuch in Kostelec. Wenn Sie sich in den folgenden Wochen dorthin begeben, können Sie wiederum ein traditionsreiches Fest miterleben, das diesmal durch ein Jubiläum geprägt wird. Die Bürgermeisterin Ivana Cervinkova erklärt, worum es sich dabei handelt:

"Mitte September erwartet uns das Kirchweihfest von Kostelec. In diesem Jahr ist es mit Veranstaltungen verbunden, die während des ganzen Jahres unter dem Namen 'Andenken an Franz Ignaz Tuma' stattfinden und im September ihren Höhepunkt erreichen. Wir möchten, dass die Leute mehr über einen gebürtigen Kostelecer erfahren, nämlich über den sehr bedeutenden Komponisten Franz Ignaz Tuma. Wir begehen in diesem Jahr seinen 300. Geburtstag und 270. Todestag."