Keilberg und Boží Dar: Ganz oben im Erzgebirge

01-02-2019

In unserer Reihe tschechischer Wintersportorte geht es diesmal ins Erzgebirge. Ziel sind der höchste Berg des Mittelgebirges und die höchstgelegene tschechische Gemeinde. Die Rede ist vom Klínovec / Keilberg und Boží Dar / Gottesgab.

Klínovec (Foto: Ondřej Tomšů)Klínovec (Foto: Ondřej Tomšů)

Foto: Ondřej TomšůFoto: Ondřej Tomšů Oben auf dem Keilberg geht es los. Hana Hoffmanová ist Sprecherin des Skigebiets. Sie führt uns dorthin, wo die Tiefschneepiste beginnt. Mit der Nummer 25 ist diese gekennzeichnet. An diesem kalten, sonnigen Morgen biegt aber erst einmal keiner der Fahrer dorthin ab. Dabei ist die Freeride-Möglichkeit eine Rarität in den tschechischen Mittelgebirgen.

Das Skigebiet an dem 1244 Meter hohen Berg ist beliebt – und zwar bei Tschechen und Deutschen gleichermaßen. Michael Bär ist zum Beispiel aus der Lausitz hergekommen, zusammen mit einem Bekannten aus Dresden:

„Einen Tag Urlaub genommen, Wetter vorher abgecheckt – und hat auch arbeitsmäßig super geklappt. Das war ´ne spontane Entscheidung.“

Foto: Ondřej TomšůFoto: Ondřej Tomšů Wie Michael Bär sagt, kennt er das Skigebiet, „seit ich klein bin“.

„Meine Eltern waren schon immer in Oberwiesenthal. Zunächst bin auch ich erst einmal dort hingefahren. Ich war dann aber überrascht, was für ein schönes Skigebiet hier entstanden ist. Die Liftanlagen sind wohl auch alle neu gemacht. Seitdem fahren wir hier her, weil es einfach auch um die Wartezeiten geht. Wegen der vielen Pisten und Lifte verteilt sich das etwas. Am Wochenende ist zwar doch viel Andrang, aber in Oberwiesenthal ist es einfach schon zu viel.“

Ein tschechischer Skifahrer sieht hingegen den grenzüberschreitenden Vergleich genau andersherum:

„Sagen wir mal so. Der Keilberg ist mittlerweile ziemlich gut. Wenn ich aber das Gesamtangebot vergleiche, dann ist der Skipass in Deutschland etwas billiger, aber ich habe einen besseren Service.“

Foto: Ondřej TomšůFoto: Ondřej Tomšů Sonja aus Leipzig findet hingegen:

„Wir sind gerne auf der tschechischen Seite. Die Leute sind nett –die deutschen natürlich auch –, aber wir fühlen uns hier sehr wohl und gut aufgehoben.“

Neue Skischaukel

Das Wintersportangebot am Keilberg hat sich in den vergangenen Jahren ziemlich entwickelt. Seit diesem Jahr gibt es sogar eine Skischaukel zusammen mit dem benachbarten Gebiet Neklid oberhalb von Boží Dar. Außerdem verkehrt ein Skibus nach Oberwiesenthal zum Fichtelberg. Wir treffen die Sprecherin Hana Hoffmannová nun in einem der Restaurants auf dem Keilberg:

Hana Hoffmannová (Foto: Ondřej Tomšů)Hana Hoffmannová (Foto: Ondřej Tomšů) „Durch den Zusammenschluss mit Neklid ist die Pistenlänge von 18 Kilometer auf über 31 Kilometer angewachsen. Wenn die Besucher einen Skipass ab anderthalb Tagen aufwärts kaufen, dann können sie diesen auch am Fichtelberg nutzen. Jede Stunde verkehrt zwischen den jeweiligen Gipfelstationen ein kostenloser Skibus.“

Zum Neklid kommt man hingegen direkt auf den eigenen Brettern.

„Vom Gipfel des Keilbergs führt dorthin eine neue Traverse mit dem Namen Rondo. Sie hat rund fünf Prozent Gefälle, ist also eine sehr sanfte und breite blaue Piste. Man kommt dann in der Mitte des Skigebiets Neklid heraus. Und von der Talstation Neklid führt wiederum eine Traverse zur Talstation der Piste Jáchymovská“, so die Sprecherin.

Foto: Ondřej TomšůFoto: Ondřej Tomšů Von dort gondelt man mit dem Vierersessellift wieder zum Gipfel des Keilbergs. Apropos Jáchymovská: Diese Abfahrt am Südhang ist mit knapp drei Kilometern eine der längsten in Tschechien. Zudem wurde auf der Nordseite des Keilbergs für diesen Winter ausgebaut, wie Hana Hoffmannová erläutert:

„Wir haben die blaue Piste Dámská in der Breite verdoppelt. Und zwar, weil sie stark von Anfängern und Familien mit Kindern genutzt wird. Wir wollen damit auch die Sicherheit erhöhen. Die Verbreiterung haben wir schon lange geplant, aber vor allem wegen der Behörden hat es erst nach sieben Jahren geklappt. Zudem haben wir die rote Pařezovka verbreitert. Sie gehört ebenso zu den am stärksten frequentierten Abfahrten hier, weil sie zum Sessellift Cinestar führt.“

Foto: Ondřej TomšůFoto: Ondřej Tomšů Der CineStar Express, so der Name, war übrigens 2012 der erste Sessellift hierzulande mit einer schließbaren Haube. Was es allerdings nicht mehr gibt auf der Nordseite, ist die U-Rampe. Sie sei wenig genutzt worden, gesteht Hoffmannová. Stattdessen gibt es dort jetzt einen Funpark und am Neklid noch einen Snowpark. Beide mit verschiedenen Hindernissen und Sprüngen.

Aber auch für Kinder ist das Skigebiet gut gerüstet, wie die Hoffmannová weiter ausführt.

„Wir sind mit zwei Kinderarrealen ausgestattet – eines ist im Norden, das andere im Süden. Beide haben Förderbänder sowie einen Parcours für die Kleinen mit Tieren und einer Slalomstrecke. Im Norden kommt noch ein Karussell hinzu. Und beide Areale befinden sich genügend weit von der normalen Piste entfernt, das garantiert Sicherheit und Ruhe für die Kinder.“

Langlaufen auf der Magistrale

Eva Nduwimana (Foto: Ondřej Tomšů)Eva Nduwimana (Foto: Ondřej Tomšů) Der nächstgelegene Ort zum Skigebiet ist Boží Dar. Mit 1028 Meter Meereshöhe ist es die höchstgelegene Gemeinde Tschechiens. Gerade im Winter sind die Hotels und Pensionen aber häufig ausgebucht. Von hier stammt unter anderem auch der ehemalige Weltklasselangläufer Lukáš Bauer. Und gerade für seinen Lieblingssport bietet Boží Dar optimale Bedingungen. Denn hier führt die sogenannte Erzgebirgsmagistrale durch. Dass sie und weitere Trassen immer schön gespurt sind, das koordiniert der gemeinnützige Verein První Krušnohorská o.p.s. Die ehemalige Profi-Langläuferin Eva Nduwimana ist Managerin des Vereins:

„Direkt um Boží Dar herum bestehen schätzungsweise 50 Kilometer Loipe. Aber sie sind im Westen an die Gegend um Abertamy und Pernink angebunden, im Nordwesten bis Halbmeil sowie an Oberwiesenthal und Tellerhäuser. Das Angebot ist also sehr bunt.“

Foto: Ondřej TomšůFoto: Ondřej Tomšů Wenn man will, kann man auch noch weiter laufen – in Richtung Johanngeorgenstadt und Bublava / Schwaderbach. Insgesamt sind es über 200 Kilometer Loipen alleine auf der tschechischen Seite, wie Eva Nduwimana sagt. Für die ganzen Trassen gibt es auch eine Langlaufkarte, die der Verein seit drei Jahren drucken lässt. Die Karten liegen zum Beispiel in den Infozentren aus, und das auch auf der deutschen Seite. Auf den Loipen kommen aber alle auf ihre Kosten.

„Die meisten Trassen werden mit einer Schneeraupe bearbeitet. Das heißt, dass dort normale Loipen gespurt sind. Nur wenige kleine Verbindungspassagen können ausschließlich mit dem Scooter erreicht werden. Aber das ist vernachlässigbar. Die überwiegende Mehrheit der Trassen ist sowohl für den klassischen als auch für den freien Stil geeignet“, so Eva Nduwimana.

Allerdings, so bekennt die Managerin, würden auf der tschechischen Seite beispielsweise Loipenhäuschen fehlen, aber auch Parkplätze direkt an den Einstiegen. Doch die Strecken liegen wunderschön. Was lässt sich rund um Boží Dar empfehlen? Die Managerin muss nicht zögern:

Foto: Ondřej TomšůFoto: Ondřej Tomšů „Sehr schön ist die Magistrale zum Beispiel in Richtung Červená jáma, Hřebečná und Abertamy sowie die Karlsrunde, die 20 Kilometer lang ist und nach Westen bis Abertamy und zum Berg Plešivec führt. Diese Loipen sind vom Profil her interessant, und es sind dort nicht so viele Leute unterwegs wie auf dem Jesusweg, den auch Spaziergänger nutzen. Wenn man also Familien mit kleinen Kinder ausweichen und mal richtig langlaufen möchte, dann bietet sich die Magistrale an, aber auch der vier Kilometer lange Freestyle-Kurs rund um den Špičák.“

Und in der weiteren Umgebung? Da sei auch die Loipe von Nové Hamry / Neuhammer, über Přebuz / Frühbuß nach Bublava / Schwaderbach sehr schön, meint die begeisterte Langläuferin.

 

Zu den Skigebieten Keilberg und Neklid gibt es eine gemeinsame Website auch auf Deutsch: www.klinovec.cz. Und über die Langlaufregion können Sie sich unter www.krusnehoryaktivne.cz informieren.

01-02-2019