Jakub Bursa – Meister des Bauernbarocks in Prachatice

21-06-2013

Wenn man durch die südböhmischen Dörfer reist, lassen sie sich nicht übersehen – die Bauernhäuser mit den reich verzierten Giebeln und oft mit langen Inschriften, die bestimme Sprüche oder Volksweisheiten enthalten. Die Bauten wurden meistens im 19. Jahrhundert im Stil des so genannten „Bauernbarocks“ erbaut. Die meisten Baumeister der Häuser sind in Vergessenheit geraten, lediglich einige wenige sind noch bekannt. Einer dieser hoch begabten und heutzutage geschätzten Baumeister war Jakub Bursa. Am 21. Juli würde er seinen 200. Geburtstag feiern. Anlässlich des bevorstehenden Jubiläums hat das Museum in Prachatice / Prachatitz eine Ausstellung initiiert.

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Jakub Bursa stammte aus dem südböhmischen Dorf Dolní Nakvasovice. Sein Vater war Maurer und Jakub hat das Handwerk zuerst bei ihm gelernt. Danach sammelte er auch im Ausland Erfahrungen als Wandergeselle. Jakub Bursa hat gemeinsam mit 20 bis 30 weiteren Handwerkern, unter ihnen mehrere Tischler und Maurer, eine Reihe von herrlichen Volksbauten vor allem in der Umgebung von Vlachovo Březí errichtet, sagt Pavel Fencl. Er leitet das Museum in Prachatice und ist Experte für den Bauernbarock. Fencl hat auch die Ausstellung zusammengestellt, die Jakub Bursa gewidmet ist.

„Einige der Bauten von Jakub Bursa stehen in Dvory bei Husinec. Dazu gehört beispielsweise der Bauernhof ‚U Hesů’. In Libotyně ist neben dem Bauernhof der Familie Dudák ein schöner Glockenturm von Bursa erhalten geblieben. Im Dorf Bušanovice befindet sich ein Bau von Bursa, der sogar auf einer Briefmarke abgebildet ist. Sie wurde vor kurzem anlässlich des Jahres der Volksarchitektur herausgegeben. Bursas Bauten findet man auch in der Umgebung von Volyně. Dort gibt es eine ganze Reihe von diesen Häusern.“

Pavel Fencl (Foto: Martina Schneibergová)Pavel Fencl (Foto: Martina Schneibergová) Von Jakub Bursa wird behauptet, dass er keine Baupläne gezeichnet habe und ohne jedwede Zeichnungen direkt am Bau gearbeitet habe. Dies sei aber nur eine Legende, sagt Pavel Fencl:

„Er hatte zweifelsohne bestimmte Entwürfe vorbereitet, bevor er mit den Bauarbeiten angefangen hat. Er musste ja die wichtigsten Parameter des Gebäudes zuvor festlegen. Die Vorstellung, dass der Baumeister alles nur auf einem Gerüst stehend festlegte, ist falsch. Dies ist nur eine Legende. Zudem wird von Bursa behauptet, dass er alles, was er mit seinen Mitarbeitern verdient hatte, für Alkohol ausgegeben habe. Diese Behauptung entstand, nachdem Jakub Bursa im Armenhaus in Vlachovo Březí gestorben war. Beweise dafür gibt es aber keine.“

Die Volksarchitektur im Stil des Bauernbarocks gibt es nicht nur in der Region von Prachatice, sondern auch in der Umgebung von Hluboká / Frauenhaus, von Soběslav oder Zbudov. Dort waren Baumeister aus der Familie Paták oder der Baumeister Matěj Cífka tätig. Das bekannteste Beispiel des Bauernbarocks ist die Gemeinde Holašovice, sie wurde sogar in die Unesco-Weltkulturerbeliste eingetragen. Diese Häuser hat bestimmt nicht Bursa erbaut, sagt Pavel Fencl:

„Woran lässt sich Bursas Arbeit erkennen? Dafür gibt es keine Anleitung. Er hat sehr oft dieselbe Schriftart für die damals beliebten Inschriften benutzt. Die Inschriften auf der Fassade waren damals groß in Mode. Häufig waren sogar kurze Gedichte auf den Giebeln zu lesen. Um Bursas Stil zu erkennen, muss man sich mit seinen Bauten gut auskennen, sie genau beobachten. Dann kann man sich nach dem eigenen Gefühl richten, um zu entscheiden, ob das Haus Bursa oder einer seiner Nachfolger erbaut hat oder gar jemand, der versuchte, Bursa nachzuahmen.“

Blättert man in der Chronik der Gemeinde Vlachovo Březí, findet sich keine Erwähnung des Baumeisters Jakub Bursa. Erst in den 1930er Jahren veröffentlichte der aus Vlachovo Březí stammende Professor Josef Brož, der sich in der Volksarchitektur der Region gut auskannte, einen Artikel über Bauten von Jakub Bursa. Aber erst gegen Ende der 1950er Jahre fing man an, die Volksarchitektur als Sehenswürdigkeit zu schätzen, meint der Museumsleiter:

Giebel von Jakub Bursa (Foto: Luho11, Wikimedia CC BY-SA 3.0)Giebel von Jakub Bursa (Foto: Luho11, Wikimedia CC BY-SA 3.0) „Es ist dann gelungen, viele der Bauten zu retten und ihren Umbau zu verhindern. Natürlich wurde das Innere meist neu gestaltet. Denn im 19. Jahrhundert hatte man andere Ansprüche an die Ausstattung eines Bauernhofs als ein Jahrhundert später. Die Fassaden sind aber meistens erhalten geblieben, an manchen Orten wurden sie neu bemalt oder die alten Fenster wurden durch neue ersetzt. Das Gesamtbild blieb aber erhalten.“

Beispiele von Häusern, die Jakub Bursa in der Region von Prachatice errichtet hat, sind in der Ausstellung des Museums ausführlich beschrieben. Gezeigt wird zuerst eine Auswahl von Fotografien der Volksarchitektur. Über den Fotografen Petr Luniaczek sagt der Museumsleiter:

„Er ist ein passionierter Bewunderer der Volksarchitektur. Zudem kennt er unsere Region sehr gut von seinen Wanderungen. Bei den Wanderungen hat er Gebäude fotografiert, die er für sehenswert hielt. Anhand seiner Erkenntnisse von den Wanderungen hat er kleine Reiseführer zusammengestellt, in denen er anderen Touristen Tipps gibt und wertvolle Volksarchitektur vorstellt.“

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Im Museum wird zudem das Innere einer Bauernküche gezeigt, die ein gemauerter Ofen dominiert.

„Wir wollten daran erinnern, dass Jakub Bursa nicht nur malerische Bauernhäuser erbaut hat. Entsprechend den damaligen Brandschutzvorschriften ersetzte Bursa die einstigen Schwarzküchen durch Herde. Es handelte sich aber noch nicht um Öfen Kacheln oder Herde aus Gusseisen.“

Zur Verzierung der Häuserfassaden nutzte Bursa Elemente, die er von seinen Wallfahrten kannte:

„Auf die Giebel der Häuser wurde oft ein Kreuz oder das Auge Gottes in einem Dreieck gemalt. Wir versuchen hier, die Volksfrömmigkeit zu dokumentieren, die Bursa inspiriert hat. In den Chroniken aus der Region von Vlachovo Březí kann man erfahren, an welchen Wallfahrten die hiesigen Bewohner im 19. Jahrhundert teilgenommen haben. Und in einer Vitrine sind mehrere Beispiele von Gegenständen zu sehen, die die Pilger von der Wallfahrt mit nach Hause gebracht haben. Heute würden wir von Souvenirs sprechen. Es handelte sich meistens um Heiligenbilder.“

Ausstellung über den Goldenen Steig (Foto: Martina Schneibergová)Ausstellung über den Goldenen Steig (Foto: Martina Schneibergová) Die Ausstellung über Jakub Bursa lässt sich im Museum von Prachatice noch bis Ende September dieses Jahres besuchen. Im Museum sind zudem zwei große Dauerausstellungen zu sehen: Eine interaktive Ausstellung ist dem Goldenen Steig gewidmet, die Texte zur Ausstellung sind Tschechisch, Deutsch und Englisch. Die zweite Dauerausstellung befasst sich mit der Geschichte der Stadt Prachatice.

21-06-2013