Heiliger Berg bei Pribram - ältester Marienwallfahrtsort Tschechiens

Zum zweiten Mal begeben wir uns in der heutigen Sendereihe "Reiseland Tschechien" in die mittelböhmische Stadt Pribram. Wir knüpfen an die vergangene Sendung an, in der vor allem von der Bergbautradition die Rede war und bitten wieder den Direktor des Bergbaumuseums Josef Velfl ans Mikrophon. Doch Pribram, das sind nicht nur Bautürme und Schächte. Oberhalb der Stadt ragt etwa die berühmteste und älteste Marienwallfahrtskirche Tschechiens empor - der Heilige Berg. Im Studio warten nun Markéta Maurová und Daniel Satra auf Sie.

Heiliger Berg bei Pribram (Foto: Jana Šustová, ČRo)Heiliger Berg bei Pribram (Foto: Jana Šustová, ČRo) Der ersten schriftlichen Erwähnung über Pribram begegnen wir am Anfang des 13. Jahrhunderts. Es handelt sich um die Urkunde eines Kaufvertrags, die zwischen dem Prager Bischof Andreas und dem Stift in Tepl abgeschlossen wurde. In der Urkunde erfahren wir, dass an Stelle der heutigen Stadt damals eine kleine Siedlung lag, in dessen Mitte ein Bauernhof, der bereits damals den Namen Pribram trug. Die Siedlung befand sich im Besitz der Kirche, und zwar der Prager Bischöfe und später Erzbischöfe, erzählte uns der Direktor des Museums in Pribram, Josef Velfl.

"Der bekannteste und berühmteste war Erzbischof Ernest von Pardubitz, der am Hof Karls IV. wirkte. Unter der Amtszeit von Ernest von Pardubitz wurde hier eine steinerne Festung gebaut, die später als Schlösschen bzw. als Ernestinum bezeichnet wurde. Sie steht in der Nachbarschaft des Hauptplatzes."

Heiliger Berg bei Pribram (Foto: CzechTourism)Heiliger Berg bei Pribram (Foto: CzechTourism) Häufige Aufenthalte des Erzbischofs im Schlösschen werden durch mehrere Urkunden belegt, die er herausgegeben hatte. Später saß in diesem Gebäude die Bergbauakademie und heute sind dort eine Galerie, ein Museum des Dritten Widerstandes sowie eine Ausstellung über Ernst von Pardubitz untergebracht. Mit dem Ernestinum ist auch eine Sage über die Entstehung einer Statue der Hl. Jungfrau, des Gnadenbildes vom Heiligen Berg, verbunden:

"Die Sage erzählt, dass es dort eine Kapelle gab, für die eben der bekannte Erzbischof Ernest von Pardubitz eine Jungfrau-Statue aus Birnbaumholz selbst geschnitten hat. Nachdem Bergleute und Kollonisten aus Deutschland, überwiegend Protestanten, nach Pribram gekommen waren, wurde die Statue von Pribramer Katholiken auf den Heiligen Berg übertragen. Der Sage nach soll gerade sie jene bekannte Madonna vom Heiligen Berg sein."

Die erste Marienkapelle wurde auf dem Hügel über Pribram nach einer alten Überlieferung 1260 vom Ritter Malovec errichtet, und zwar als Dank der Hl. Jungfrau, die ihn vor Räubern gerettet haben soll. Im 15. bis 16. Jahrhundert stand dort ein kleines Heiligtum mit einem Turm und Glocken. In diese Kirche wurde damals das jetzige Gnadenbild der Jungfrau Maria übertragen, das seit 1348 der Prager Erzbischof Ernst von Pardubiz in seiner Kapelle in Pribram verehrte. Das Gotteshaus Heiliger Berg wurde zunächst von Einsiedlern bewacht. Der bekannteste von ihnen ist Jan Prochazka aus Nymburk, der dort im Juni 1632 von seiner Blindheit geheilt wurde. Folgendes ist von diesem frommen Mann überliefert.

Jan Prochazka lebte als Bürger und Leinenweber in Nymburk bis 1619, als er erblindete. Danach fristete er sein Leben in Prag, und nach mehreren Jahren hatte er einen Traum: Ein Greis forderte ihn auf, auf den Heiligen Berg zu gehen und dort die Heilige Jungfrau zu ehren. Durch zahlreiche Nachfragen erfuhr Prochazka, wo der Heilige Berg lag und begab sich dorthin in Begleitung seines achtjährigen Enkels. Es wurde ihm die dortige Einsiedelei anvertraut, mit der Pflicht, für die Kapelle zu sorgen. Nach drei Tagen Aufenthalt auf dem Heiligen Berg erhielt er seine Sehkraft zurück. Ein echtes Wunder, heißt es seitdem.

Heiliger Berg bei Pribram (Foto: Google Maps)Heiliger Berg bei Pribram (Foto: Google Maps) Der Brauch, Prozessionen auf den Heiligen Berg zu führen, entwickelte sich im 16. Jahrhundert. Im Jahre 1647 wurde der Heilige Berg dem Jesuitenorden anvertraut, der dort mehr als ein Jahrhundert blieb. Während ihres Wirkens wurde hier die Kirche zu Ehren der Hl. Jungfrau erbaut und 1673 eingeweiht. Diese Kirche Mariä Himmelfahrt wurde als Marienburg konzipiert. Man betritt das Heiligtum durch das Prager Tor. Die Hauptkirche steht auf einem kleinen Hof, der von offenen Kreuzgängen mit vier Kapellen umgeben ist. Sie sind den wichtigsten Geheimnissen aus dem Leben der Jungfrau Maria geweiht: die Kapelle von Mníšek - der Unbefleckten Empfängnis, die Prager Kapelle - der Verkündigung Mariä, die Kapelle von Breznice - der Schmerzensreichen Muttergottes, die Kapelle von Plzen - dem Sterben der Jungfrau Maria. Einer der wertvollsten Kleinodien ist der Altar im zentralen Heiligtum:

"Er ist aus Silber, das zum Teil wahrscheinlich aus den hiesigen Berggruben stammte. Außer der bereits genannten Jungfrau vom Heiligen Berg rühmt sich der Heilige Berg einer prunkvollen Stuckausschmückung, aber auch etwa einer überdachten Treppe, die den Kirchenkomplex mit Pribram verbindet. An der architektonischen Bearbeitung soll sich Kilian Ignaz Dientzenhofer beteiligt haben. Auf dem Heiligen Berg finden wir auch ein Bild des bekannten Malers Petr Brandl. Vor kurzem wurde sogar ein Bild der Jungfrau Maria vom Heiligen Berg hier entdeckt, ein Werk von Karel Skreta, der ein großer Name der böhmischen Barockkunst war."

1773 - 1861 besorgten Priester des Prager Erzbistums die Seelsorge. Im Jahre 1861 berief der Prager Erzbischof Kardinal Friedrich Josef Schwarzenberg Priester aus der Kongregation des Allerheiligsten Erlösers (Redemptoristen) auf den Heiligen Berg. Diese wirkten dort bis zum 13. April 1950, als sie bei der Schließung des Klosters in der Tschechoslowakei gewaltsam ausgesiedelt wurden und erst nach 40 Jahren auf Grund eines Dekrets des Kardinals Frantisek Tomásek zum 1. März 1990 wieder zurückkehren konnten. Die wichtigste Wallfahrt, die "Krönungswallfahrt", findet alljährlich am dritten Sonntag nach Pfingsten, und die zweite große Wallfahrt am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt (nach dem 15. August) statt.