Besichtigung mit dem Fahrrad: Schloss Veltrusy

17-08-2012

Das Jahrhunderthochwasser von 2002 hatte große Schäden auch an vielen historischen Bauten angerichtet. Das nördlich von Prag gelegene Barockschloss Veltrusy stand damals unter Wasser. In unseren Sendungen haben wir Sie in diesen Tagen bereits über die Sanierungsarbeiten in Veltrusy informiert. Das Schloss sowie der romantische Park sind seit einigen Jahren wieder zugänglich.

Schloss VeltrusySchloss Veltrusy Etwa 25 Kilometer nördlich von Prag liegt Veltrusy. Das Städtchen hatte ab dem 18. Jahrhundert der böhmischen Adeligenfamilie Chotek gehört. Graf Wenzel Anton Chotek ließ 1706 dort für seine Familie ein Lustschloss erbauen. Heutzutage werden Schloss und Areal vom Denkmalschutzamt verwaltet, als Kastellan wurde Pavel Ecler eingesetzt. Er erzählt, das Schlossareal sei bereits vor der Hochwasserkatastrophe von 2002 in schlechtem Zustand gewesen.

„Das Schloss sollte als Jagdschloss und Sommerresidenz dienen. Darum wurde es aus billigem Material gebaut. Niemand rechnete im 18. Jahrhundert damit, dass das Gebäude einige Jahrhunderte lang genutzt werden würde. Hinzu kommt, dass seit Anfang des 20. Jahrhunderts die finanzielle Situation der Grafenfamilie nicht gerade die beste war. Deswegen konnte der Bau nicht renoviert werden. Die ersten Versuche einer Instandsetzung des historischen Areals wurden erst in den 1970er Jahren unternommen. Die Art, wie die Sehenswürdigkeit erneuert wurde, halten wir aber heutzutage für fragwürdig.“

Schlosspark nach der HochwasserkatastropheSchlosspark nach der Hochwasserkatastrophe Nach der Hochwasserkatastrophe von 2002 wurde beschlossen, nicht nur die Hochwasserschäden zu beseitigen, sondern eine gründliche Sanierung des ganzen Schlosses durchzuführen. Zwei Jahre lang dauerten die Vorbereitungen. Die staatliche Denkmalschutzbehörde versuchte, finanzielle Mittel zusammenzutragen. 2004 wurde mit der Instandsetzung des Hauptgebäudes begonnen. Es schien jedoch, dass die Arbeiten sehr langsam vorangehen. Die neue Führung der staatlichen Denkmalschutzbehörde sprach 2007 Pavel Ecler an, der zu dieser Zeit im mährischen Schloss Bučovice arbeitete. Der Kastellan sagt, die Anfänge damals seien nicht mit dem Umfang der heutigen Arbeiten zu vergleichen.

Pavel Ecler (Foto: Tschechisches Fernsehen)Pavel Ecler (Foto: Tschechisches Fernsehen) „Mittlerweile besteht ein groß angelegtes Projekt, in dessen Rahmen einzelne Bauten im Schlossareal restauriert wurden und werden. Auch während der Sanierungsarbeiten ist das Schloss für die Öffentlichkeit geöffnet. Als ich 2007 auf die Idee kam, das Hauptgebäude zu öffnen, auch wenn es wie eine Baustelle aussah, waren meine Chefs anfangs erschrocken. Wir ließen aber im Schloss Informationstafeln mit Fotos installieren und erläuterten die Verfahren, die bei der Sanierung genutzt wurden und werden. Bei den Besuchern hatte diese Idee großen Erfolg. Sie wussten es zu schätzen, dass sie das Schlossareal in dieser Form, mit allen Problemen kennenlernen.“

Aus bauhistorischer Sicht ist die Sanierung von Schloss Veltrusy von Bedeutung. Denn es gehöre zu den Musterbauten aus der Barockzeit, sagt der Kastellan:

„Nur ein einziges Mal wurde es umgebaut, und das noch in der Barockzeit, kurz nach Fertigstellung des Baus. Danach gab es nur kleine Änderungen, so wurde im 19. Jahrhundert eine Kuppel auf das Dach des Schlosses gesetzt. Heutzutage gehört Veltrusy zu den wertvollsten Barockschlössern hierzulande. Einen hohen Wert hat zudem der Schlosspark.“

Der Schlosspark ist mit 300 Hektar Fläche der größte in Tschechien. Hier befinden sich rund 30 historische Pavillons, Brücken und Statuen.

Historisches Treibhaus (Foto: Schlossarchiv)Historisches Treibhaus (Foto: Schlossarchiv) Die Besucher von Veltrusy können sich auch bei einer Führung zeigen lassen, wie historische Sehenswürdigkeiten renoviert werden. Es handelt sich um keine klassische Führung durch die Schlossräume, vielmehr stehen die technischen Dimensionen und Details der Renovierungsarbeiten im Vordergrund. Angeboten werden aber auch weitere Besichtigungen. Pavel Ecler:

„Die Besucher können an einer Führung durch die Schlossgärtnerei teilnehmen, in der historische Treibhäuser erhalten geblieben sind. Vom Begleiter erfahren sie dabei auch mehr über die Geschichte des Schlosses sowie über die frühere Nutzung der Gärtnerei. In der Scheune aus der Spätbarockzeit ist eine Ausstellung historischer Kutschen zu sehen. Im ersten Teil sind Kutschen ausgestellt, die an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auf allen Adelsgütern und auch in Veltrusy täglich benutzt wurden. Im zweiten Teil der Ausstellung wird das Leben der Adeligen dokumentiert. Im Speicher ist schließlich eine Ausstellung über die Geschichte des Jagdwesens zu sehen.“

Dorischer Pavillon im Schlosspark (Foto: Schlossarchiv)Dorischer Pavillon im Schlosspark (Foto: Schlossarchiv) Die Schlossverwaltung hat auch eine sportliche Führung im Angebot. Besucher können an einer Radfahrt durch das Schlossareal teilnehmen. Von einem Schlossführer begleitet besichtigt man dabei den gesamten Schlosspark, der doppelt so groß ist wie der populärste Prager Park Stromovka:

„Die Besichtigung mit dem Fahrrad braucht man nicht im Voraus zu reservieren, falls man mit einem eigenen Fahrrad kommt. Wer aber ein Fahrrad im Schloss ausleihen will, sollte dies besser einige Tage vorher bereits reservieren. Die Besichtigungen für Radfahrer werden dreimal täglich angeboten. Die Strecke ist etwa neun Kilometer lang, und die Führung dauert etwa zwei Stunden. Die Teilnehmer machen an neun Orten eine Zwischenstation und besuchen mit dem Reisebegleiter einige der historischen Pavillons. Insbesondere an warmen Sommertagen ist eine Radfahrt im Park sehr angenehm.“

Schlosspark (Foto: Schlossarchiv)Schlosspark (Foto: Schlossarchiv) Da an Veltrusy vorbei ein internationaler Radweg führt, der Dresden mit Prag verbindet, nehmen öfter auch deutsche Radfahrer an einer Besichtigung des Schlossparks teil. Pavel Ecler hofft, dass 2015 das Schlossareal wieder vollständig in Stand gesetzt wird. Jedes Hochwasser aber hatte irgendwo auch etwas Gutes, sagt er:

„Beim Hochwasser im Jahre 1764 wurde beispielsweise das Parterre zerstört. Dies war der Impuls für die Errichtung des herrlichen barocken Parks. Beim Hochwasser von 2002 wurde das Schloss stark beschädigt. Das Hochwasser hat uns aber gezwungen, nach anderen Möglichkeiten für die Nutzung des Areals zu suchen. Hätte es das Hochwasser nicht gegeben, hätte sich niemand bemüht, die Schlossgärtnerei sowie die historische Scheune zugänglich zu machen oder Besichtigungen des Parks mit dem Fahrrad zu organisieren. Ich bin Optimist: das Wasser nimmt immer etwas, aber bringt auch etwas mit sich.“

Schloss Veltrusy (Foto: Schlossarchiv)Schloss Veltrusy (Foto: Schlossarchiv) Das Schloss ist zu unterschiedlichen Zeiten geöffnet, die Informationen dazu lassen sich auf der Webseite www.zamek-veltrusy.cz finden. Dort steht auch, der Schlosspark in Veltrusy sei „von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang“ geöffnet. Die historischen Gebäude sind während der Hochsaison täglich außer montags zugänglich.

17-08-2012