Bergbaumuseum in Pribram dokumentiert berühmte Geschichte der Stadt

Das größte Bergbaumuseum der Tschechischen Republik ist das Ziel unserer heutigen Wanderung. Es befindet sich in Pribram, einer mittelböhmischen, südwestlich von Prag gelegenen Stadt. Das Museum umfasst drei Teile: das Bergbauareal im Ortsteil Brezove Hory (Birkenberg), die Uranschachtanlage mit dem ehemaligem Straflager Vojna, sowie den Altbergbau aus dem 15. Jahrhundert in Nový Knín. Über die Geschichte des Bergbaus in Pribram erfahren Sie mehr in der heutigen Folge von "Reiseland Tschechien", in der der Direktor des Bergbaumuseums Josef Velfl unser Gast am Mikrophon ist. Im Studio warten nun Marketa Maurova und Gerald Schubert auf Sie.

Bergbaumuseum in Pribram, foto: Vaclav Bestak, CC BY 3.0 UnportedBergbaumuseum in Pribram, foto: Vaclav Bestak, CC BY 3.0 Unported Die ältesten Spuren der Mineraliengewinnung stammen aus der fernen Vergangenheit. Den Sagen nach hatte Fürstin Libussa die Existenz dieser Silbergruben prophezeit, als sie vom Prager Vysehrad her Richtung Südwesten blickte. Sie entsandte ein Gefolge in diese Richtung und sagte den Männern, sie sollten graben, und sie würden einen Berg voll Silber finden. Mit den Gruben von Pribram ist auch eine andere Figur der alten böhmischen Sagen verknüpft - der mythische Recke Horymir. Dieser geriet in einen Zank mit den Pribramer Bergleuten. Er warf ihnen vor, ihre Arbeit auf den Feldern zu vernachlässigen und sich stattdessen dem Bergbau zu widmen.

"Die Bergleute haben Horymirs Hof in Neumetely angegriffen, und Horymir ließ ihnen als Vergeltung die Berggruben zuschütten. Der Fürst auf dem Vysehrad hat den Streit entschieden und Horymir zum Tod verurteilt. Den Recken rettete dann eigentlich sein Pferd Semik. Als Erfüllung seines letzten Wunsches durfte Horymir nämlich noch drei Runden durch den Burghof reiten, und beim dritten Mal übersprang Semik die Palisadenwände des Vysehrad. Semik sprang in die Moldau und brachte Horymir in Sicherheit. Der Fürst hat Horymir danach begnadigt. Es handelt sich natürlich nur um Sagen, diese belegen jedoch die Tatsache, dass sich ein Großteil der hiesigen Bevölkerung bereits in jenen Zeiten mit dem Bergbau, mit der Förderung und Verarbeitung von Bodenschätzen, besonders von Silber und Blei, beschäftigte."

Foto: Bergbaumuseum in PribramFoto: Bergbaumuseum in Pribram Die erste Blütezeit der Gruben kam zur Zeit von Kaiser Rudolf II. Dieser hat Pribram den Titel einer freien königlichen Bergstadt erteilt. Danach folgte zwar eine Periode des Niedergangs, die jedoch durch einen neuen Aufschwung abgelöst wurde.

"Die goldene Ära des Bergbaus in Pribram kam im 19. Jahrhundert. In Birkenberg wurden damals unglaubliche 97,7 Prozent Silber und Blei im Rahmen des Bergbaus von ganz Österreich-Ungarn gewonnen. Und wenn wir zur Kenntnis nehmen, dass die damalige Monarchie den überwiegenden Teil Mitteleuropas einnahm, dann spricht dies für sich selbst."

Im Jahre 1849 wurde in Pribram sogar eine Bergbauhochschule gegründet. Sie bildete bis 1945, als sie nach Ostrava in Nordmähren umzog, Fachleute aus. In den Bergwerken von Pribram erschienen immer die modernsten technischen Errungenschaften ihrer Zeit. U. a. wurden dort beim Erzabbau zum ersten Mal in Mitteleuropa schwere Fördermaschinen mit Dampfantrieb eingesetzt. Zwei von ihnen können bis heute im Museum besichtigt werden.

Foto: Bergbaumuseum in PribramFoto: Bergbaumuseum in Pribram "Die Qualität dieser Maschinen bezeugt die Tatsache, dass sie beide bis zum Jahr 1978 in Betrieb waren, als hier in Birkenberg die Silber- und Bleiförderung beendet wurde. Und obwohl das ganze Revier Ende der 20er Jahre elektrifiziert wurde, gab es keinen einzigen Grund, diese Dampfmaschinen durch den Stromantrieb zu ersetzen. Es ist das beste Zeugnis der Arbeit der tschechischen Ingenieure, Techniker und Arbeiter, die diese Maschinen produziert hatten, und natürlich auch Mechaniker, die sie bedienten."

Einer der bewunderten Teile der Ausstellung ist das Schachtgebäude der Sevcin-Grube. Es wurde sogar erwogen, dieses in die UNESCO-Liste technischer Denkmäler einzutragen. Auf den ersten Blick fällt ein Merkmal der Gebäude auf - alle sind aus rotem Rohmauerwerk gebaut.

"Es handelt sich um die sog. Malakoff-Architektur. Sie entstand im 19. Jahrhundert zur Zeit des Krim-Kriegs. Konkret z.B. bei der Sevcin-Grube wurde diese Architektur durch einen Holzumgang ergänzt. Ein Laie würde sagen, dass sich dort der Grubendirektor einen Aussichtsturm errichtet hatte, um die Landschaft und das Erzrevier von Birkenberg beobachten zu können. Vor der Erfindung perfektionierter Messgeräte waren die Grubenvermesser imstande, einzelne Bergadern nach der Konstellation der Sterne abzumessen. Dieser Umgang diente hier also als ein kleines Observatorium."

Foto: Bergbaumuseum in PribramFoto: Bergbaumuseum in Pribram Bevor die Fördertürme errichtet wurden, stand an deren Stelle eine Förderhaspel, mit deren Hilfe sowohl die Bergleute als auch der Rohstoff befördert wurden. Als die Tiefe Hundert Meter überstieg, wurde die Haspel durch einen Göpel ersetzt, den vor allem Pferde antrieben. Mitte des 19. Jahrhunderts baute man in einer Tiefe von 1000 Metern ab und es kam die Zeit der bereits erwähnten Dampfmaschinen. Wie Josef Velf ergänzte, konnte man sich damals sogar mit einem Weltrekord rühmen:

"Im Jahre 1875, zur Zeit der Herrschaft von Kaiser Franz Josef I., wurde hier bei der Förderung zum ersten Mal in der Welt eine Tiefe von einem Kilometer erreicht. Es spielten sich hier große Feierlichkeiten auf internationalem Niveau ab. Sie dauerten eine ganze Woche. Der Kaiser widmete der Berggrube Vojtech eine Gedenktafel, auf der stand, dass dieser Rekord zu seiner Herrschaftszeit erreicht wurde."

Anlässlich der Feierlichkeiten wurden Umzüge der Bergleute in Uniformen veranstaltet. Für Damen wurden als Erinnerung an den Rekord spezielle Fächer produziert. Die heutigen Touristen können die Grube nun von einem unterirdischen Zug aus besichtigen.

Bergbaumuseum in Pribram, foto: Vaclav Bestak, CC BY 3.0 UnportedBergbaumuseum in Pribram, foto: Vaclav Bestak, CC BY 3.0 Unported "Wir sind wahrscheinlich das einzige Museum Europas, das eine Zugfahrt unter Tage ermöglicht, und zwar zu einer unterirdischen Grube, die 1600 Meter tief ist. Es war die tiefste Grube des Birkenberger Reviers und eine der tiefsten in Mitteleuropa."

Die berühmte Ära der Silber- und Bleiförderung wurde später durch den Abbau von Uran abgelöst. Die Geologen wussten davon bereits im 19. Jahrhundert. Sie kannten jedoch die Möglichkeiten für dessen Nutzung als Energiequelle nicht. Das Uran wurde zunächst zur Textil- und Pozellanfärbung sowie im Kurwesen genutzt. Der erste Schacht wurde im Jahre 1948 eröffnet. Und etwa Hundert Jahre nach dem ersten Tiefenrekord, wurde ein zweiter Rekord gefeiert. Im Jahre 1975 wurde beim Uranabbau eine Tiefe von 1838 Metern erreicht.

"Das Uranerz wurde hier bis 1991 gewonnen. Es gibt immer noch Vorräte in der Uranlagerstätte. Diese liegt aber in enormen Tiefen, so dass es ökonomisch unmöglich ist, Uran zu fördern. Aus diesem Grund wurde die Förderung der Uranvorkommen beendet. Derzeit werden hier weder Silber- und Bleierz, noch Uran gewonnen. Der Bergbau aber bleibt nicht nur eine berühmte Tradition und Geschichte dieser Stadt, sondern auch dieser Region."

Und eben mit dieser Tradition kann man sich im Museum bekannt machen, dessen Direktor, Josef Velfl, unser heutiger Gast war. Bevor wir uns verabschieden, möchten wir noch den Gewinner eines Buches verlosen, der unsere letzte Quiz-Frage richtig beantwortet hat. Also: die richtige Antwort "Babicka" - so heißt nämlich der Roman "Die Großmutter" von Bozena Nemcova im Original - schickte uns u.a. Hermann Deml. Herzlichen Glückwunsch. An die literarische Reihe von "Reiseland Tschechien", die mit jener vorigen Folge geendet hat, werden wir bald mit einer anderen Serie anknüpfen. Bleiben Sie unserem touristischen Magazin also auch im Jahr 2004 gewogen!