Auf langen Brettern durch die Hauptstadt

01-03-2019

Unsere Reise durch Wintersportzentren Tschechiens endet nun auf der Anhöhe Vypich in Prag.

Prager Ski-Park (Foto: Ondřej Tomšů)Prager Ski-Park (Foto: Ondřej Tomšů)

Foto: Ondřej TomšůFoto: Ondřej Tomšů Bei den Rekordtemperaturen Ende Februar hatten wohl nur noch die wenigsten Prager ein Skiwochenende im Sinn. Das Wetter zeigte sich frühlingshaft und das Thermometer kletterte auf bis zu 15 Grad Celsius. Trotzdem kann man sogar noch Anfang März eine – obwohl sehr kurze – Loipe in der Hauptstadt finden. Sie befindet sich nahe dem Weißen Berg am Westrand der Stadt und fällt gleich als weißer Flecken auf einer ausgedehnten grünen Wiese auf. Daneben stehen zwei Schneekanonen und eine Pistenraupe.

„Man treibt hier nun einen typischen Frühlingsskisport. Wer mag, kann hier derzeit nur im T-Shirt auf dem Schnee laufen. Ein Genuss ist es allemal.“

Weißes Oval auf grüner Wiese

Libor Bezděk (Foto: Ondřej Tomšů)Libor Bezděk (Foto: Ondřej Tomšů) Soweit Libor Bezděk. Er leitet das Freizeitzentrum für Kinder und Jugendliche im sechsten Prager Stadtbezirk:

„Die Bahn ist momentan 350 Meter lang. So war es eigentlich von Anfang an geplant. Nur eine Woche lang, als viel Schnee gefallen war, konnten wir die Spur auf etwa zwei Kilometer erweitern. Der Schnee taute aber nach einer Woche weg, und wir kehrten in unser ‚Stadion‘ zurück. Aber auch auf diesen 350 Metern kann der Skisport vielen Menschen Spaß machen.“

Das kann ebenso Zuzana Kroupová bestätigen. Die Anwohnerin besucht das Areal regelmäßig:

„Das Oval ist super. Der Schnee taut heute schon sehr schnell. Als die guten Schneebedingungen herrschten, konnten wir über die ganze Rasenfläche hier laufen. Ich war dreimal in der Woche hier. Jetzt hatte ich etwas Angst, dass die Bahn von 350 Metern zu kurz sein wird. Aber es reicht vollkommen.“

Foto: Ondřej TomšůFoto: Ondřej Tomšů Zwei Schneekanonen versorgen die Bahn mit Schnee, falls es das Wetter ermöglicht. Libor Bezděk:

„Wir haben Ende Januar Schnee produziert und die Bahn beschneit. Später war das kaum noch möglich. Vergangenes Wochenende konnten wir in zwei Nächten die Schneekanonen aber wieder laufen lassen. Wir haben einen Haufen Schnee vorbereitet, den wir nun schrittweise mit einer Pistenraupe aufziehen wollen.“

Bezděk ist weiterhin optimistisch. Er erwartet, dass der Ski-Park noch drei bis vier Wochen geöffnet bleiben kann.

Langlauf mit Olympiasiegerin Kateřina Neumannová

Ski-Park in Velká Chuchle (Foto: Archiv des Ski-Parks)Ski-Park in Velká Chuchle (Foto: Archiv des Ski-Parks) Der erste Prager Ski-Park wurde 2011 auf der Pferderennbahn in Velká Chuchle eröffnet. Mit an der Wiege stand die Langlauf-Olympiasiegerin und Weltmeisterin Kateřina Neumannová. Sie sagte damals gegenüber dem Tschechischen Rundfunk:

„Ich hatte schon lange die Idee im Kopf, dass man in Prag Ski laufen könnte. Vor allem, seitdem die Weltcup-Rennen hier stattgefunden hatten. Obwohl das Turnier damals sowohl Befürworter als auch Kritiker hatte.“

Das erste Weltcup-Rennen wurde 2007 auf dem Hradschiner Platz im Prager Stadtzentrum ausgetragen. Der Schnee wurde damals in Lkws aus dem Böhmerwald in die Hauptstadt transportiert und auf einer Kreisbahn vor der Prager Burg verstreut. Die Veranstaltung weckte viel Interesse bei den Zuschauern, sorgte aber auch für heftige Kritik seitens der Athleten und mancher Bürger. 2008 beziehungsweise 2009 setzte man die Idee mit Rennen auf dem Prager Messegelände und auf dem Strahov-Hügel fort. In den Folgejahren verzichtete man jedoch auf die internationalen Turniere im Zentrum der Moldaumetropole. Stattdessen entstand eben ein kleiner Ski-Park für die Öffentlichkeit. Wegen der besseren klimatischen Bedingungen zog dieser im Jahr 2018 vom Hippodrom in Chuchle auf die Freifläche Vypich im sechsten Prager Stadtbezirk. Libor Bezděk:

Foto: Ondřej TomšůFoto: Ondřej Tomšů „Wir stehen fast auf dem höchsten Punkt Prags, unweit des Weißen Berges. Um technischen Schnee produzieren zu können, brauchen wir mindestens -4 Grad Celsius. Früher befand sich der Ski-Park im Prager Stadtteil Velká Chuchle. Dieser liegt aber nur auf einer Meereshöhe von rund 190 Metern, und die Zahl der Nächte, in denen die Schneekanonen arbeiten konnten, war dort viel niedriger als hier. Deswegen war auch die Saison viel kürzer.“

Im vergangenen Jahr kamen etwa 30.000 Menschen in den Ski-Park auf dem Vypich.

„Ich erwarte, dass die Zahl in diesem Jahr ähnlich oder etwas höher liegen wird. In der Woche, als wir dank dem Naturschnee die Loipe verlängern konnten, kamen tausende Besucher hierher.“

Langlaufen in dem anliegenden Wildpark Hvězda (Foto: Markéta Kachlíková)Langlaufen in dem anliegenden Wildpark Hvězda (Foto: Markéta Kachlíková) Der Höhepunkt der Saison war Anfang Februar. Ein paar Tage lang war er sogar möglich, auch in dem anliegenden Wildpark Hvězda langzulaufen und auf Skiern eine Strecke von mehreren Kilometern zurückzulegen. Libor Bezděk weist die Meinung einiger Kritiker zurück, dass die Bahn zu kurz sei und der Ski-Park keinen Sinn habe:

„Leichtathleten laufen ja auch auf einer Bahn von 400 Metern und finden das nicht komisch. Es kommen viele Menschen hierher, die sonst keinen Zugang zum Ski-Sport haben würden. Vor allem Senioren oder Kinder.“

Zum ersten Mal auf Brettern

Foto: Ondřej TomšůFoto: Ondřej Tomšů Der Ski-Park ist mit den Straßenbahnen Nummer 22 und 25 sowie mit mehreren Buslinien aus dem Stadtzentrum zu erreichen. Der Eintritt ist frei. Es gibt auch einen Skiverleih, die Ausrüstung kostet 200 Kronen (acht Euro) für Erwachsene und 100 Kronen (vier Euro) für Kinder. Die Vormittage sind für Schulgruppen reserviert.

„Diese müssen für die Ausrüstung, die wir ihnen gerne bereitstellen, nichts zahlen. Zudem bekommen sie einen Ski-Lehrer von uns, der ihnen den Langlauf beibringt. Für drei Viertel der Kinder handelt es sich um die erste Begegnung mit Langlauf-Skiern überhaupt. Das Areal spielt meiner Meinung nach eine unschätzbare Rolle bei der Propagation des Skisports und eines gesunden Lebensstils.“

Kateřina Neumannová (Foto: Mária Pfeiferová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Kateřina Neumannová (Foto: Mária Pfeiferová, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Die Ski-Lehrer stehen nicht nur den Schulgruppen, sondern jedem Interessenten zur Verfügung. Und sogar auch die berühmteste tschechische Langläuferin Katerina Neumannová hat auf dem Vypich einige Ski-Trainings angeboten. Zudem gebe es ein Begleitprogramm im Ski-Park, wie Libor Bezděk betont:

„Es wurde hier ein Langlaufrennen um den Prager Pokal ausgetragen, glücklicherweise gerade zu dem Termin, als die Bahn zwei Kilometer lang sein konnte. Außerdem planen wir eine große Karnevalsveranstaltung am 6. März, mit Masken und Unterhaltung.“

01-03-2019