Zur internationalen Stillwoche: Stimmen über Stillen in Tschechien

05-08-2005

Immer mehr tschechische Mütter stillen ihre Kinder nach Angaben von Experten länger als die empfohlene Minimalzeit von einem halben Jahr. Während es noch vor zwölf Jahren gerade einmal neun Prozent waren, waren es im vergangenen Jahr bereits fast 36 Prozent.Nach Meinung der Weltgesundheitsorganisation sollten Mütter ihre Kinder idealerweise sogar bis zum Ende des zweiten Lebensjahres stillen. Nach Meinung der Prager Kindergärtnerin Milena Pekarkova könnte dadurch aber leicht eine zu starke emotionale Abhängigkeit entstehen:

Foto: CTKFoto: CTK "Hauptsächlich für das Kind. Das Kind ist dann so unglaublich fixiert auf die Mutter, das ist nicht gesund. Und es fordert dann immer nur die Brust. Ich meine, ein Kind ab einem Jahr sollte auch andere Interessen haben als nur das Stillen und die Mutter."

Iva Vlachova lebt seit drei Jahre in Amerika und vergleicht die dortigen Stillgewohnheiten mit denen in Tschechien.

"Die Amerikaner sind es überhaupt nicht gewöhnt, wenn man in der Öffentlichkeit stillt, sie verstehen nicht, dass eine nackte Brust kein Sexsymbol sein muss, sondern in Zusammenhang mit dem Stillen eine ganz andere Funktion hat. Da sind die ziemlich rückschrittlich. Hier in Tschechien ist es umgekehrt, die Frauen sind wesentlich mutiger und haben einen modernen Zugang zum Stillen."

Das liegt nicht zu letzt an den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen, meint Savitri Braunova. Sie selber musste ihr Kind damals, während des Kommunismus, nach sechs Wochen abstillen, was ihr sehr leid tat:

"Heute sind die Mütter berufstätig und stillen trotzdem weiter, nehmen ihre Kinder mit auf die Arbeit. Das war früher nicht möglich. Ich habe damals studiert und konnte mein Studium zwar fortsetzen aber für den Preis, dass ich mit dem Stillen aufhören musste."

05-08-2005