Zentrum für chinesische Medizin in Hradec schließt seine Pforten

12-02-2019

Eigentlich hat die traditionelle chinesische Medizin einen guten Ruf in der Welt, was ihre Wirksamkeit betrifft. Dennoch ist sie umstritten, vor allem von Vertretern der Schulmedizin wird sie in Frage gestellt. In Tschechien haben die Kritiker nun einen Etappensieg errungen, denn das Zentrum für traditionelle chinesische Medizin in Hradec Králové wird demnächst geschlossen.

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Zentrum für traditionelle chinesische Medizin in Hradec Králove (Foto: ČT24)Zentrum für traditionelle chinesische Medizin in Hradec Králove (Foto: ČT24) Vor knapp fünf Jahren war eine große Delegation von tschechischen Medizinern zu Besuch in China. Sie sollten sich von den Heilmethoden im Reich der Mitte inspirieren lassen. Der damalige Gesundheitsminister Svatopluk Němeček zeigte sich angetan von der traditionellen Medizin seiner Gastgeber:

„Bei chronischen Erkrankungen oder Beschwerden kann diese Form der Medizin den Patienten durchaus helfen“, meinte der Sozialdemokrat.

Gesagt, getan: Bereits ein Jahr später eröffnete das Universitätsklinikum in Hrádec Králove / Königsgrätz ein Zentrum für traditionelle chinesische Medizin (TCM). Zu Beginn seines Betriebs war die Nachfrage groß, und auch die Patienten zeigten sich begeistert:

Libuše Ondrovičová (Foto: ČT24)Libuše Ondrovičová (Foto: ČT24) „Ich hatte Schmerzen, die durch meine Beine bis hin zum Knöchel gingen. Nun sind sie weg, von daher bin ich zufrieden“, sagte Libuše Ondrovičová gegenüber dem Tschechischen Fernsehen.

Doch das Interesse ließ über die Jahre spürbar nach. Zudem schrieb die Einrichtung zuletzt immer wieder rote Zahlen, informierte der Direktor der Fakultätsklinik, Vladimír Palička. Von daher kann auch Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos) die Schließung des Zentrums nachvollziehen:

„Es hat sich gezeigt, dass die Nachfrage nicht so groß ist wie angenommen. So gesehen hat das Krankenhaus meiner Meinung nach sehr logisch und rational entschieden.“

Vladimír Palička (Foto: ČT24)Vladimír Palička (Foto: ČT24) Der letzte Patient wird das Zentrum am 28. Februar verlassen. Der Hauptgrund für die Schließung war aber nicht die Rentabilität. Klinikdirektor Vladimír Palička:

„Den chinesischen Ärzten, oder wie immer man sie bezeichnen mag, wird durch ein neues Gesetz praktisch die Arbeitslizenz entzogen. Diese Bewilligung hatte es ihnen bisher erlaubt, ihre ärztliche Arbeit in einer staatlichen Einrichtung durchführen zu können.“

Die Änderung ist auf eine Gesetzesnovelle zurückzuführen, die unlängst im Parlament behandelt wurde. Danach sollte die chinesische Medizin offiziell unter die medizinischen Zweige eingereiht werden, für die keine Arztausbildung nötig ist. Die Abgeordneten aber haben diesen Passus abgelehnt – zur großen Freude der Tschechischen Ärztekammer. Diese steht der Alternativmedizin aus Fernost grundsätzlich kritisch gegenüber. Kammerpräsident Milan Kubek:

Foto: ČT24Foto: ČT24 „Heilpraktiker gehören einfach nicht in eine Gesundheitseinrichtung, egal wie sie ihre Methoden auch benennen. Uns war von Anfang an klar, dass das Uniklinikum Hradec Králové mit dem Zentrum seinen guten Ruf aufs Spiel setzt.“

Trotz dieser Niederlage sind die chinesischen Ärzte mit ihrer Kunst in Tschechien noch nicht abgeschrieben. Der ehemalige Chef der Klinik in Hradec und heutige stellvertretende Gesundheitsminister Roman Prymula erwägt nun, ein neues Zentrum für traditionelle chinesische Medizin in Prag eröffnen zu lassen. Es soll mit Hilfe eines Stiftungsfonds zur Förderung alternativer Heilmethoden entstehen und von einem neuen chinesischen Investor finanziert werden. Und die rechtliche Grundlage für die Tätigkeit der chinesischen Ärzte soll nun ein Gesetz über Heilkunde schaffen, das vom Gesundheitsministerium ausgearbeitet wird. Dazu erklärte Gesundheitsminister Vojtěch:

„Mit dem Gesetz wollen wir in gewisser Weise die Patienten schützen. Denn darin wollen wir bestimmte Bedingungen schaffen, wer diese Dienste ausüben darf und unter welchen Voraussetzungen.“

12-02-2019