Zankapfel Karel Gott

Mehrere tschechische Schriftsteller haben gegen eventuellen Karel Gotts Auftritt zur Eröffnung des Jahres der tschechischen Kultur protestiert.

Karel Gott (Foto: Jan Ptáček, ČRo)Karel Gott (Foto: Jan Ptáček, ČRo) Das Jahr der tschechischen Kultur im deutschsprachigen Raum wird im Herbst in Leipzig eröffnet. Der Höhepunkt ist die Präsentation tschechischer Literatur bei der Leipziger Buchmesse, wo Tschechien das Gastland sein wird. Doch es gibt Streit um das Programm.

Vorige Woche haben die Vertreter eines Schriftstellerverbandes einen offenen Brief an die Veranstalter des Kulturjahres von der Mährischen Landesbibliothek veröffentlicht. Die Unterzeichner des Briefs lehnten unter anderem den geplanten Auftritt von Karel Gott bei der Eröffnung des Kulturjahres ab. Schriftstellerin Petra Hůlová sagte gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen:

Petra Hůlová, foto: Petr Vidomus, ČRoPetra Hůlová, foto: Petr Vidomus, ČRo „Die Idee, das tschechische Kulturjahr mit einem Konzert von Karel Gott in Leipzig zu eröffnen und mit einer Ausstellung über die Charta 77 zu beenden, zeugt vom Mangel an Kompetenzen der Mährischen Landesbibliothek als Organisator.“

Die Schriftsteller hielten in ihrem Brief nicht nur den Auftritt eines Pop-Sängers bei der Programmeröffnung für unglücklich, sondern kritisierten auch dessen Haltungen. Der Sänger galt als treu gegenüber dem kommunistischen Regime und hatte die sogenannte Anti-Charta unterzeichnet. Diese sollte eine Antwort der Machthaber auf die oppositionelle Charta 77 sein. Jedoch auch Václav Havel bezeichnete Karel Gott in den 1990er Jahre versöhnlich als ein Phänomen, das einfach in die tschechische Kulturlandschaft gehöre.

Die Mährische Landesbibliothek will im September mit den Vertretern der Schriftsteller zusammenzutreffen. Zur Leipziger Messe sind insgesamt 57 Autorinnen und Autoren aus Tschechien eingeladen. Projektkoordinator Martin Krafl dazu im Tschechischen Fernsehen:

Martin Krafl (Foto: Archiv der Tschechischen Zentren)Martin Krafl (Foto: Archiv der Tschechischen Zentren) „Kein Projekt kann in einem Plenum von Hunderten Menschen betreut werden. Ich bin davon überzeugt, dass wir den richtigen Weg gehen. Aber jede Debatte ist willkommen.“

Pavel Mandys ist Vorsitzender des Litera-Vereins, der jedes Jahr die prestigeträchtigen tschechischen Buchpreise verleiht. Er erinnerte gegenüber dem Wochenmagazin Echo daran, dass der Auftritt des Sängers sehr klischeebehangen sein würde. Laut Mandys würde dies das Bild nähren, dass die tschechische Kultur in den Augen der Deutschen nur aus Karel Gott bestehe.

Inzwischen hat sich aber gezeigt, dass es eigentlich keinen Grund mehr für Proteste gegen einen Auftritt des Schlagerstars. Die Verhandlungen über den Auftritt sind nämlich zuvor gescheitert, Karel Gott wird in Leipzig also nicht auf der Bühne stehen.