Winterchaos in Tschechien: Schnee und Orkanböen

14-01-2019

Auch Tschechien hat die ganze Macht des Winterwetters in den vergangenen Tagen zu spüren bekommen. Zu den Schneemassen gesellt sich nun noch Wind mit Böen in Orkanstärke.

Schnee in Boží Dar (Foto: ČTK / Slavomír Kubeš)Schnee in Boží Dar (Foto: ČTK / Slavomír Kubeš) Zwar ist in Boží Dar / Gottesgab mit dem Schneeräumen bereits begonnen worden. Doch erneut ist das kleine Städtchen im Erzgebirge von der Außenwelt abgeschnitten. Denn oben in den Bergen wütet derzeit ein Schneesturm mit Orkanböen. Polizeisprecherin Zuzana Tyřová beschrieb am Montagmorgen die Lage:

„Derzeit ist die Straße von Jáchymov nach Boží Dar gesperrt. Wir raten Autofahrern auch allgemein dringend davon ab, in die Gipfellagen des Erzgebirges zu fahren. Dort droht gefährlicher Windbruch.“

Für die Bewohner in Boží Dar ist die Situation derzeit nicht einfach. Sie waren schon die meisten Tage in der vergangen Woche eingeschlossen. Außerdem beklagte Bürgermeister Jan Horník in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

Jablonec nad Nisou (Foto: ČTK / Radek Petrášek)Jablonec nad Nisou (Foto: ČTK / Radek Petrášek) „Wir haben kein Handynetz der Anbieter O2 und T-Mobile. Das erschwert es, die Lage im Ort zu lösen. Die Menschen hier sind nicht erreichbar, und sie können auch selbst niemanden anrufen. Das ist ziemlich verrückt. So darf ein Krisenszenario der Handyanbieter nicht aussehen.“

Auch in Jablonec nad Nisou / Gablonz an der Neiße hatte der Katastrophenfall gegolten. Die Stadt am Rand des Isergebirges war im Schnee versunken. Nach vier Tagen wurde am Montag endlich Entwarnung gegeben. 3800 Tonnen Schnee seien weggeräumt worden, hieß es.

Mittlerweile sind die Orkanböen das größere Problem. Umgestürzte Bäume haben bereits mehrere Straßen blockiert, aber auch Bahnstrecken. Nahe der tschechisch-deutschen Grenze kam es deswegen sogar zu einem Zugunglück. Der Zug aus Prag nach München prallte am Montagmorgen auf einen Baumstamm, der auf den Gleisen lag.

Foto: ČTK / Radek PetrášekFoto: ČTK / Radek Petrášek „Der Zug ist dabei glücklicherweise nicht entgleist. Es wurde auch niemand verletzt. Der zuständige Verkehrsanbieter hat einen Busersatzdienst zwischen Domažlice und Furth im Wald eingerichtet“, so Bahnsprecherin Radka Pistoriusová.

Die Aufräumarbeiten gingen zügig voran, noch am Montagvormittag konnten die Züge die Stelle bereits wieder passieren.

Bei der Stromversorgung ist die Lage allerdings weiter angespannt. Der Energiekonzern ČEZ konnte zwar in der Nacht auf Montag die Schäden beheben lassen, die der teils nasse Schnee angerichtet hatte. Doch dann sorgte der Sturm für erneute Ausfälle. Insgesamt 15.000 Haushalte seien ohne Strom, sagte eine Unternehmenssprecherin am Montagmorgen.

Bergwacht (Foto: ČTK / David Taneček)Bergwacht (Foto: ČTK / David Taneček) Wenigstens die Wintersportler haben ihre Freude an den intensiven Schneefällen der vergangenen Tage. An manchen Orten liegt bereits über anderthalb Meter der weißen Pracht. Doch Skitouren-Gänger und Langläufer sollten derzeit Vorsicht walten lassen, sagt der Leiter der tschechischen Bergwacht, Pavel Antl:

„In den tschechischen Bergen herrscht weiter eine Katastrophenlage: Jetzt wegen des starken Windes, der für Montag und die folgenden Tage vorhergesagt ist. Deswegen warnen wir vor Touren auf den Bergkämmen und davor, die gekennzeichneten Wege und Loipen zu verlassen.“

Einige Skigebiete blieben am Montag gleich ganz geschlossen – so unter anderem am Hochficht im Böhmerwald, rund um Boží Dar und in Deštná im Adlergebirge. Ab Mittwoch soll sich das Wetter aber beruhigen.

14-01-2019