Wie drei Männer aus Lidice überlebten – Ausstellung in Mittelböhmen

Seit der Tragödie von Lidice sind 69 Jahre vergangenen. Das mittelböhmische Dorf wurde am 10. Juni 1942 von den NS-Besatzern dem Boden gleichgemacht. Die Männer aus Lidice wurden vor Ort erschossen, Frauen und Kinder ins KZ verschleppt. Einige Männer aus Lidice kämpften aber in der Zeit, als ihr Dorf von den Besatzern überfallen wurde, weit von der Heimat entfernt gegen Nazi-Deutschland. Mit diesen kaum bekannten Fakten aus der Geschichte des Ortes befasst sich eine Ausstellung, die im Bergbaumuseum Mayrau im mittelböhmischen Vinařice zu sehen ist.

Ausstellung „Männer aus Lidice im Kampf für die Freiheit“Ausstellung „Männer aus Lidice im Kampf für die Freiheit“ Viele junge Tschechen gingen kurz nach der Okkupation ihres Landes im März 1939 ins Ausland, um gegen Nazi-Deutschland zu kämpfen. Darunter waren auch drei Männer aus Lidice. In der Öffentlichkeit sei dies aber bisher wenig bekannt, sagt Zdeněk Kuchyňka. Er leitet das Sládeček-Heimatmuseum in der mittelböhmischen Stadt Kladno, zu dem auch das Bergbaumuseum Mayrau gehört.

„Die beiden Männer aus Lidice, Josef Horák und Josef Stříbrný, waren Berufsoffiziere. Ende 1939 emigrierten sie. Auf abenteuerlichem Weg über sieben Länder gelangten sie nach Frankreich. Von dort flogen sie gemeinsam mit einigen anderen Tschechoslowaken nach Großbritannien. Sie traten beide der britischen Royal Air Force bei und kämpften in ihren Reihen. Keiner von ihnen war aber Fallschirmspringer und ist auf diese Weise während des Krieges nach Böhmen zurückgekommen. Trotzdem ist der Name von Josef Horák mit der Tragödie von Lidice verbunden.“

Als die Gestapo nach dem Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich nach den Tätern suchte, geriet ihr auch ein Brief in die Hände, der an eine junge Frau adressiert war, die unweit von Lidice wohnte. Der Autor des Briefes wollte bei dem Mädchen den Eindruck wecken, dass er an der Widerstandsbewegung teilhabe. Dieser Brief brachte die Nazi-Maschinerie in Bewegung. Das Mädchen verriet beim Verhör, sie sei von ihrem Verehrer gebeten worden, Grüße von Josef Horák an seine Familie in Lidice auszurichten. Die Gestapo vermutete, auf der richtigen Spur zu sein, so der Museumsleiter:

„Aufgrund dieser Aussage wurde die Familie von Josef Horák als erste in Lidice von der Gestapo verhaftet. Alle Verwandten von Josef Horák und auch von Josef Stříbrný wurden hingerichtet. Nur Horáks Schwester Anna entging der Hinrichtung, weil sie damals hochschwanger war. Sie gebar im Gefängnis ein Kind und wurde danach gemeinsam mit den anderen Frauen aus Lidice ins KZ Ravensbrück verschleppt. Die Nazis wussten zu der Zeit schon, dass die Heydrich-Attentäter mit Lidice nichts zu tun hatten.“

Die Schwester von Josef Horák überlebte den Krieg, sie heiratete nach der Rückkehr noch einmal. Josef Horák kehrte nach dem Krieg in seine Heimat zurück, emigrierte aber kurz nach der Machtergreifung der Kommunisten von 1948 erneut nach Großbritannien. 1949 kam er dort bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Die Kontakte zwischen den Familien in England und in Böhmen würden jedoch aufrechterhalten, so der Museumsleiter.

„Horák war mit einer Engländerin verheiratet. Die Enkelin von Horáks Schwester hat sich nach England aufgemacht und dort nach den Nachkommen ihres Großonkels gesucht. Sie fand diese, und es wurde sogar ein Dokumentarfilm darüber gedreht.“

Horáks Freund aus Lidice, Josef Stříbrný, blieb nach der kommunistischen Machtergreifung in der Tschechoslowakei. Von seiner Familie hatte niemand überlebt. Sein Schicksal war während des Kommunismus ähnlich wie das Schicksal anderer Tschechoslowaken, die während des Zweiten Weltkriegs in den Reihen westlicher Armeen gegen Nazi-Deutschland gekämpft hatten. Zdeněk Kuchyňka:

Zdeněk KuchyňkaZdeněk Kuchyňka „Er wurde vom kommunistischen Regime hart verfolgt, schon 1948 wurde er aus der Armee entlassen und konnte danach keine Arbeit finden. 1976 starb er vereinsamt in Südböhmen.“

Am wenigsten weiß man über den dritten Mann aus Lidice, der während des Zweiten Weltkriegs im Ausland kämpfte: František Radvanovský nahm an den Schlachten bei Tobruk in Afrika teil. Er überlebte den Krieg, doch sein weiteres Schicksal ist nicht bekannt.

Die Ausstellung „Männer aus Lidice im Kampf für die Freiheit“ ist im Bergbaumuseum Mayrau unweit von Kladno noch bis zum 30. August dieses Jahres zu sehen. Die Ausstellung ist zweisprachig - Tschechisch und Englisch.