Weniger Müll produzieren: Prager Laden verzichtet auf Verpackungen

13-01-2017

In den Supermärkten werden Lebensmittel nur auf eine Art und Weise angeboten: verpackt in Plastik, Aluminium und Papier. Was die Ware frisch halten soll, produziert aber vor allem eins – Berge von Müll. Zwei findige Ladenbesitzer in Prag wollten damit Schluss machen und haben ein Geschäft mit dem Namen „Bez obalu“ aufgemacht, zu Deutsch „Ohne Verpackung“.

Geschäft „Bez obalu“ (Foto: Eva Turečková)Geschäft „Bez obalu“ (Foto: Eva Turečková) 100 Gramm Pfeffer, ein halbes Kilo Reis, ein Kilo Mehl – das und mehr bekommt man auch im Laden „Bez obalu“ im Prager Stadtteil Vinohrady. Das Besondere dabei: Die Verpackung sollte man idealerweise selbst mitbringen. Petr Hanzel ist Geschäftsführer von „Bez obalu“:

„Der Grund, warum wir unseren Laden aufgemacht haben ist der: Uns ist aufgefallen, wie viel unnötiger Müll sich bei uns zu Hause aufhäuft. Wir haben uns dann überlegt, wie man das ändern könnte. Bei einem Blick ins Ausland sind uns dann das Londoner Geschäft ‚Unpackaged‘, also ‚Unverpackt‘, sowie weitere Läden vor allem in Italien und Deutschland aufgefallen. So etwas wollten wir auch hier versuchen und haben eine Art Probegeschäft aufgemacht.“

Ein Einkauf bei „Bez obalu“ ist einfach. Der Kunde beginnt ihn eigentlich zu Hause, indem er passende Behälter aussucht. Diese kann er dann im Laden befüllen lassen, vor allem mit Gewürzen, Hülsenfrüchten, Reis, Getreide oder auch Teigwaren. Doch auch wer für einen Zufallseinkauf vorbeikommt, muss seine Nudeln nicht in der Hand heimtragen. Petr Hanzel:

Petr Hanzel (Foto: Eva Turečková)Petr Hanzel (Foto: Eva Turečková) „Wenn jemand seine eigenen Verpackungen vergessen hat oder das erste Mal hier ist und noch nicht weiß, wie das hier funktioniert, kann er sich bei uns ein Stofftütchen kaufen. Wir haben zertifiziertes Verpackungsmaterial, das direkt mit den Lebensmitteln in Kontakt treten darf. Eine weitere Möglichkeit ist, sich bei uns Glasflaschen oder Einmachgläser zu kaufen.“

Für den Notfall habe man auch Papiertütchen, fügt Hanzel noch hinzu. Doch nicht nur zum Endverbraucher soll die Ware unverpackt kommen. Ondřej Tesař leitet unter anderem den Einkauf bei den Produzenten:

„Unser Ziel ist es auch, die Ware direkt beim Erzeuger ohne Verpackung einzukaufen – oder immerhin in wiederverwertbaren Kisten. Nicht immer ist das einfach, da die großen Produzenten standardisierte Verpackungsabläufe haben. So kaufen wir bei einigen Produkten Säcke von 25 Kilogramm.“

Mittlerweile können die Betreiber von ihrem Laden leben und wollen wachsen. In einer zweiten Filiale wolle man auch Milchprodukte anbieten, so der Geschäftsführer.

Insgesamt steigt in Tschechien das Interesse an der sogenannten Zero-Waste-Bewegung. Gleich neben „Bez obalu“ kann man in einem Laden frisch gezapfte Öle kaufen. Auch das deutsche Unternehmen „Vom Fass“ hat mit seinem vergleichbaren Konzept bereits in Tschechien Fuß gefasst. Vielleicht wird „Bez obalu“ aber selbst zum Vorbild und findet einen Nachahmer in der Slowakei. Seine Begeisterung kann nämlich ein Kunde aus dem Nachbarland nicht verbergen. Mit seiner Partnerin ist er in Prag beim Einkaufen:

„Wir kommen aus Košice und haben schon darüber nachgedacht, wie gut es wäre, so etwas auch bei uns aufzumachen. Ich beschäftige mich bereits seit längerem damit, was mit unserem Abfall eigentlich geschieht. Es geht ja insgesamt darum, weniger Müll zu produzieren. Jetzt wollen wir uns hier in Prag inspirieren lassen.“

13-01-2017