Weinweihe 2018 – ein ganz besonderer Jahrgang

In der südmährischen Stadt Velké Pavlovice wurden die Jungweine gesegnet und verkostet.

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Nicht nur zu St. Martin werden hierzulande die Jungweine entkorkt. In der südmährischen Weinstadt Velké Pavlovice wurden sie am Katharinentag feierlich gesegnet und präsentiert.

Zimbelkapellen gehören einfach zu den Weinfesten in Südmähren. So auch bei der Weinsegnung in Velké Pavlovice. Vor einigen Jahren sind in dem Ort neue Keller angelegt worden, benannt nach Kaiser Franz Stephan von Lothringen. Zu den Feierlichkeiten am Katharinentag wimmelte es dort vor Menschen. In der Mitte des größten Kellerraums präsentierte jeder Winzer seine Jungweine auf einem großen Tisch. Nach der musikalischen Einleitung und einem Grußwort des Bürgermeisters bekam der Pfarrer von Velké Pavlovice, Marek Slatinský, das Wort:

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová „Wir fühlen Dankbarkeit dafür, dass Gott die Natur so gesegnet hat, dass sie schön und fruchtbar ist. Ich erinnere mich an einen Witz: Ein alter Herr geht am Weinberg vorbei, grüßt den Winzer und sagt: ,Gott war sehr großzügig zu Ihnen mit seinem Segen.‘ Der Winzer dreht sich um: ,Ja, er hat mich gesegnet. Aber Sie hätten sehen sollen, wie das hier ausgesehen hat, als sich Gott allein um den Weinberg gekümmert hat.‘“

Nach einem Gebet segnete der Pfarrer die Weine. Dann wurden die Flaschen entkorkt. Und die Winzer begannen, die Weine ihrer Nachbarn zu verkosten und zu bewerten.

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Pavel Lacina ist Winzer. Zugleich leitet er den Kleingärtnerverein in Velké Pavlovice, der das Fest veranstaltet hat.

„Es ist ein spezieller Jahrgang. Seitdem wir die Weinsegnung veranstalten, haben wir noch keinen derartigen Jahrgang erlebt. Es gab hohe Temperaturen, am Anfang auch ausreichend Niederschlag. Die Weine sind herrlich, fruchtig und voll, der Jahrgang 2018 ist ganz besonders.“

An vielen Orten Tschechiens werden die Jungweine schon am Martinstag gesegnet. In Velké Pavlovice ist dieser Akt vor einigen Jahren um ein oder zwei Wochen nach hinten verschoben worden, erzählt Lacina:

„Am Martinstag öffnen die Winzer in unserer Stadt die Weinkeller für die Öffentlichkeit. Jedes Jahr kommen viele Besucher zu uns. Und auch schon früher bestand die Tradition, am Katharinentag die Jungweine zu entkorken. In unserer Stadt findet am Vorabend dieses Tags ein Volksfest statt, und nun werden die Jungweine vorgestellt. Insgesamt haben sich die Martinsweine allerdings gegen die Katharinen-Tradition durchgesetzt.“

An der Weinsegnung nahm auch der Winzer Radek Baloun teil. Seine Weine sind in diesem Jahr wieder mit mehreren Medaillen bei internationalen Wettbewerben ausgezeichnet worden. Genauso wie Pavel Lacina spricht er von einem spezifischen Jahrgang.

Radek Baloun (Foto: Martina Schneibergová)Radek Baloun (Foto: Martina Schneibergová) „Die Trauben sind gelesen und die Produktion läuft. Wir wissen, wie die Weine sind. Das Jahr war in jeder Hinsicht extrem. Der Zuckergehalt bei den blauen Weintrauben war sehr hoch, aber dazu kam es erst zu Ende der Ernte – also Ende September bis Anfang Oktober. So viel Zuckergehalt habe ich noch nie erlebt. Vielleicht ist es hier bald wie in Italien oder in Frankreich.“

Das Weinbaugebiet von Velké Pavlovice war bisher hauptsächlich für seine Rotweine bekannt. Die dortigen Winzer produzieren aber auch weiße Tropfen. Radek Baloun konnte beispielsweise mit einem Neuburger und mit seinen Rieslingen in diesem Jahr bei den Wettbewerben punkten.

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová „Ich sehe das folgendermaßen: In jeder Lage werden unterschiedliche Rebsorten gezüchtet, die zudem unterschiedlich alt sind. Selbst auf einem Hügel bestehen Unterschiede zwischen dem Geschmack der Rebsorten. Ich bin davon überzeugt, dass das Resultat bei der Weinherstellung nicht nur von den Trauben abhängt, sondern auch sozusagen vom Koch. Wenn der Winzer ein schlechter Koch ist, hat der Wein keine Chance, sich richtig zu entfalten.“