Weihnachtskrippe im Guinness-Buch der Rekorde!

Christian Rühmkorf war für Radio Prag in Sachen Weihnachten unterwegs und hat die größte mechanische Weihnachtskrippe der Welt gefunden. Sie steht in Jindrichuv Hradec – zu Deutsch Neuhaus – unweit der Grenze zu Österreich.

Jindřichův HradecJindřichův Hradec Es war in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts. Tomas Kryza sah als neunjähriger Junge zum ersten Mal die Weihnachtskrippe seines Onkels Novotny. Er entschloss sich eine noch größere, eine noch schönere Krippe zu bauen. Mehr als 60 Jahre arbeitete Meister Kryza fast jeden Tag in seinem Häuschen im Südböhmischen Jindrichuv Hradec an diesem Traum. Am Ende ist es ihm gelungen, die größte mechanische Weihnachtskrippe der Welt zu bauen. 1998, 80 Jahre nach seinem Tod, wurde sie ins Guinness-Buch der Rekorde eingetragen.

Tomáš Krýza mit Familie Tomáš Krýza mit Familie Es ist, als tauchte man mit der Nasenspitze voran in eine Welt ein, die bunter und vielfältiger ist als alles, was man bisher mit eigenen Augen gesehen hat. In der Mitte der Krippe das Jesus-Kind, fingergroß. Damit hat Kryza seine Miniaturwelt begonnen. Drumherum ist im Laufe eines Lebens ein Gewimmel von Häusern, Palästen, Hütten und Tempeln entstanden. Hier schlägt ein Schmied sein Eisen, dort melkt ein Mädchen die Kuh, zwei Ziegenböcke schlagen krachend ihre Hörner gegeneinander und Bergleute fördern das schwarze Gold ans Tageslicht. Mensch und Tier sind in diesem Krippenkosmos in geschäftiger Bewegung. Mit seinem Weihnachtswunder hat Tomas Kryza, der Strumpfmachermeister aus Südböhmen, seiner Welt des neunzehnten Jahrhunderts ein liebevolles Denkmal gesetzt.

Tomas Kadlec, Museumsführer in Jindrichuv Hradec und Krippenkenner führt mich hinter die Kulissen, dort, wo das Geheimnis der Bewegung gelüftet wird.

Weihnachtskrippe von Tomáš KrýzaWeihnachtskrippe von Tomáš Krýza „Hier ist der zentrale elektrische Antrieb, der die gesamte Krippe in Bewegung versetzt. Der Mechanismus besteht aus Federn, Drähten, Zahnrädchen, Riemen und so genannten Endlosbändern, die über kleine Spulen geführt werden. Die Tierfiguren laufen auf Bändern befestigt über die Krippe. Zurück geht es dann kopfüber bis sie wieder richtig herum oben in der Krippe auftauchen. Und so läuft das immer im Kreis.“

An dieser Mechanik wurde im vergangenen Jahrhundert so gut wie nichts verändert. Nur der Antrieb wurde, als der elektrische Funke auf die Welt übersprang, von Handbetrieb auf Strom umgestellt.

Weihnachtskrippe von Tomáš KrýzaWeihnachtskrippe von Tomáš Krýza „Das sieht alles recht primitiv aus, es ist aber absolut zweckmäßig konstruiert mit diesen gebogenen Drähten hier. Tomas Kryza hat einfach alles benutzt, was er zu Hause so gefunden hat: ungehobelte Bretter, kleine Rädchen und Spulen. Nur einige der Stoffriemen und Lederbänder mussten mit der Zeit ausgewechselt werden.“

Aus 60 Jahren Arbeit entstanden im Laufe eines Lebens 60 Quadratmeter bebauter Fläche. Die Welt im Format einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Die Krippe hat Kryza aus dem gebaut, was gerade zur Hand war, erzählt Tomas Kadlec.

Tomáš KadlecTomáš Kadlec „Die ganze Landschaft, die Felsen, das ist alles aus Packpapier hergestellt und dann mit Staub aus Bleierz überzogen. Bei der Erzgrube sind sogar die Adern im Gestein nachgebildet. Die Tier- und Menschenfiguren sind aus Holz, Blech, Papier, Glas, Biskuit, Zelluloid und Stroh. Manche aus einem besonderen Gemisch aus Mehl, Sägespänen, Gips und Leim. Und das alles ist mit Kleisterfarben bemalt.“

Tomas Kryza wurde 80 Jahre alt. Er verstarb 1918, als nach dem Ersten Weltkrieg die Tschechoslowakische Republik gegründet wurde.

Weihnachtskrippe von Tomáš KrýzaWeihnachtskrippe von Tomáš Krýza „Er hat fast sein ganzes Leben an der Krippe gearbeitet. Angefangen hat er als junger Mann von 20 Jahren. Und alles, was wir hier sehen, hat er im Alltag nebenher bewältigt. Die Besucher hier sind sich oft nicht bewusst, dass Kryza eigentlich ganz normal seiner Arbeit nachging. Er hat als Strumpfmachermeister seine Familie ernährt. Die Krippe war also nur ein riesiges Hobby, mit dem er aber unablässig beschäftigt war.“

Mit seinen geschickten Händen und seiner unablässigen Geschäftigkeit hat Tomas Kryza etwas erschaffen, vor dem der Betrachter heute mit Kinderaugen still verharrt. Und ohne dass er es hätte ahnen können, ist Meister Kryza im Jahre 2007, fast 170 Jahre nach seiner Geburt, immer noch der Schöpfer der größten mechanischen Weihnachtskrippe der Welt. Zu sehen ist sie das ganze Jahr über im Museum von Kryzas Heimatstadt Jindrichuv Hradec.

Fotos: Martina Stejskalová