Vorhang auf: Ein neues Theater für Pilsen

Tschechien hat ein neues Theater. Es trägt auch diesen Namen, nämlich „Nové divadlo“ und steht in Pilsen / Plzeň. Am Dienstag wurde das Gebäude feierlich eröffnet und seiner Bestimmung übergeben.

Neues Theater in Pilsen (Foto: ČTK)Neues Theater in Pilsen (Foto: ČTK) Mit einer Vorstellung von Smetanas Verkaufter Braut nahm das Theater am Dienstagabend seinen Betrieb auf. Die Vertreter der tschechische Kultur- und Theaterszene waren nach Pilsen gereist, um den Klassiker der tschechischen Oper zu sehen. Das Theatergebäude, in das das Ensemble des Josef-Kajetán-Tyl-Theaters nun einzieht, ist wiederum sehr modern. Die Fassade besteht aus einer Betonwand mit einer Fläche von 22 mal 14 Metern. Sie wird von 40 ovalen Öffnungen in unterschiedlichen Formen durchbrochen. Dazu Vladimír Kružík vom Architektenteam:

Neues Theater in Pilsen (Foto: ČTK)Neues Theater in Pilsen (Foto: ČTK) „Die Zuschauer sehen die Fassade am Abend erleuchtet. Dahinter befinden sich 14 Reflektoren, die mit Hilfe von Computertechnik eine Farbkomposition erzeugen. Die Fassade wird damit fast zu einem Teil der Vorführung, die dann im Inneren stattfindet.“

Das Neue Theater ersetzt das marode Kammertheater (Komorní divadlo), in dem kein Bühnenbetrieb mehr möglich war. Gekostet hat der Bau umgerechnet etwa 32 Millionen Euro, errichtet wurde er im Rahmen des Großprojektes „Kulturhauptstadt 2015“. Nach zwei Jahren Bauzeit ist es der erste Theaterneubau seit der Samtenen Revolution und dem Bestehen der Tschechischen Republik. Kulturminister Daniel Herman war zu dem besonderen Anlass ebenfalls nach Pilsen gereist:

Daniel Herman (Foto: Jana Šustová)Daniel Herman (Foto: Jana Šustová) „Es ist wunderbar. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich die Ehre habe, ein neues Theater zu eröffnen. Meiner Meinung nach ist das ein Zeichen für gute Zeiten. Dabei ist die Region, wo derzeit Zerstörung und Instabilität herrscht, geografisch überhaupt nicht weit von uns entfernt. Deshalb müssen wir es wirklich als ein großes Geschenk sehen, dass wir in einem Land leben, wo es möglich ist, heute ein neues Theater zu eröffnen.“

Während der Bauzeit lief nicht alles glatt. Die Stadt Pilsen befindet sich noch im Rechtsstreit mit einer Baufirma, weil die Kosten höher ausfielen als veranschlagt. Außerdem fragen sich Kritiker, ob das Tyl-Theater wirklich drei Bühnen braucht. Neben dem Neuen Theater, das mit zwei Bühnen insgesamt 600 Besuchern Platz bietet, gibt es nämlich noch das Große Theater (Velké Divadlo) mit 444 Plätzen. Der neue Direktor Martin Otava reagierte gelassen und hat sich zunächst eine Schonfrist für die beiden neuen Bühnen erbeten:

Martin Otava (Foto: ČTK)Martin Otava (Foto: ČTK) „Wir müssen uns selbst erst einfinden, denn es handelt sich um einen nicht-beschriebenen Raum, den das Publikum wie auch wir uns erst zu eigen machen müssen. Das findet im Dialog statt und es ist auch ein Glücksspiel. Wir haben natürlich unsere Konzeptionen und Erwartungen. Dennoch müssen wir jetzt dieses erste Jahr auf uns zukommen lassen und sehen, wie es sich entwickelt, welche Dinge Erfolg haben werden. Die kleine, experimentelle Bühne richtet sich eher an junge Zuschauer, und wir werden dort ein Programm vorbereiten, dass Kinder wie auch junge Erwachsene anziehen soll.“

Neues Theater in Pilsen (Foto: ČTK)Neues Theater in Pilsen (Foto: ČTK) Die neue Saison ist die 150. in der Theatergeschichte Pilsens. Auf dem Programm steht die Rekordzahl von 26 Premieren – darunter auch Musicals, Ballett und Opern. Im Neuen Theater gibt es als nächstes ein Stück von Josef Kajetán Tyl zu sehen: am 6. September feiert „Flamendr“ seine Premiere.