Verschwundene Dieselreserven – Polizei ermittelt

Die Manager der Viktoriagruppe AG sollen den tschechischen Staat um mehrere Millionen betrogen haben.

Pavel Švágr (Foto: ČT24)Pavel Švágr (Foto: ČT24) Es geht um die tschechischen Diesel-Notreserven. 2004 schloss der Staat einen Vertrag mit der deutschen Viktoriagruppe AG, einer Firma mit tschechischem Hintergrund, aber undurchsichtiger Eigentümerstruktur. Das Unternehmen sollte einen Teil der Reserven einlagern und verwalten. Ab 2010 geschah dies dann auch im Tanklager Krailling bei München. Insgesamt kamen rund 80 Millionen Liter Diesel nach Bayern. Ein Teil davon ging jedoch verloren, wie die tschechische Materialverwaltung feststellte. Pavel Švágr ist Direktor der Behörde:

„Im September 2014 gab es im Tanklager Krailling eine Kontrolle. Dabei kam heraus, dass die tatsächliche Dieselmenge nicht mit den Eintragungen in unseren Unterlagen übereinstimmte. Wir haben deswegen die Polizei eingeschaltet, mit ihr arbeiten wir seitdem auch zusammen.“

Angeblich haben Manager der Viktoriagruppe AG im Jahr 2011 mehrere Millionen Liter Diesel dem tschechischen Staat in Rechnung gestellt, obwohl der Kraftstoff wohl nie in Krailling angekommen ist. Ein Jahr später verkaufte die Viktoriagruppe mehrere Millionen Liter Diesel an eine andere Firma, laut den polizeilichen Ermittlungen angeblich der fehlende Teil der Staatsreserven. Den Erlös strich die Viktoriagruppe selbst ein.

Tanklager bei Krailling (Foto: ČT24)Tanklager bei Krailling (Foto: ČT24) Nun stehen die Manager der mittlerweile insolventen Viktoriagruppe offiziell unter Verdacht, wie der zuständige Staatsanwalt Tomáš Minx bestätigt:

„Die Polizeiorgane haben Ermittlungen aufgenommen gegen vier Privatpersonen und eine juristische Person, und zwar wegen des Verdachts auf den Straftatbestand Betrug. Der Schaden liegt bei 108 Millionen Kronen.“

Umgerechnet sind dies 4,2 Millionen Euro an Schaden für den Staat. Mit juristischer Person dürfte die Viktoriagruppe AG gemeint sein. Hauptverdächtiger ist Firmen-Miteigentümer Petr Malý. Er wie auch die anderen drei Angestellten der Firma wollten sich am Donnerstag zu den Ermittlungen jedoch nicht äußern.

Foto: Meena Kadri, CC BY 2.0Foto: Meena Kadri, CC BY 2.0 Die Dieselreserven aus Krailling ließ die Materialverwaltung im vergangenen Jahr wieder nach Tschechien zurücktransportieren. Ursprünglich wollte der Staat durch die Einlagerung in Deutschland an Kosten sparen. Paradoxerweise gibt es aber Streit mit dem deutschen Insolvenzverwalter der Viktoriagruppe, Mirko Möllen, um die Einlagerungskosten. Möllen verlangt eine Nachzahlung von mehr als zwei Millionen Euro, was Tschechien ablehnt. Doch vor allem bestreitet der Insolvenzverwalter weiterhin, dass das Diesel aus Krailling überhaupt dem tschechischen Staat gehört. In beiden Streitpunkten hat Mirko Möllen bereits Anzeige erstattet. Materialverwaltungsdirektor Švágr sagt daher über das ganze Bayern-Abenteuer:

„Die Idee, die Dieselreserven in Krailling einzulagern, war höchst unglücklich. Und zwar auch deswegen, weil es schon damals genügend Lagerkapazitäten hierzulande gab. Diese bestehen bis heute. Außerdem sind die Notvorräte für Krisensituationen gedacht und müssen dann sofort angezapft werden können.“