Verkauf von Fair-Trade-Produkten in Tschechien weiter steigend

12-09-2019

Der Verkauf von Fair-Trade-Produkten in Tschechien ist deutlich gestiegen. Lebens- und Genussmittel wie Kakao und Kaffee verzeichneten im vergangenen Jahr Zuwachsraten von bis zu 200 Prozent, bei Produkten aus Baumwolle betrug die Steigerung sogar 317 Prozent.

Foto: David Greenwood-Haigh, Pixabay / CC0Foto: David Greenwood-Haigh, Pixabay / CC0

Kakaobohnen (Foto: David Greenwood-Haigh, Pixabay / CC0)Kakaobohnen (Foto: David Greenwood-Haigh, Pixabay / CC0) „Das, was Sie hier sehen, ist eine Kakaofrucht, die zirka 50 Bohnen in sich trägt.“

So erklärte Ousmane Traore, ein Kakaozüchter aus der Elfenbeinküste, am Mittwoch in Prag die Pflanze, der er sein hartes Arbeitsleben verschrieben hat. Traore war der außerordentliche Gast der Pressekonferenz, zu der die Fair-Trade-Handelsorganisation für Tschechien und die Slowakei geladen hatte. Die Elfenbeinküste gehört zu den größten Kakao-Anbaugebieten der Welt. Doch damit sei viel Arbeit verbunden, sagt Traore:

„Das Leben eines Züchters ist überhaupt nicht einfach. Das Geld, das er für seine Arbeit erhält, reicht oft nicht aus, um den notwendigsten Bedarf zu sichern. Es ist erforderlich, dass die Regierung einen Mindestkaufpreis für Kakao festlegt.“

Hana Malíková (Foto: Archiv Fair-Trade Tschechien und Slowakei)Hana Malíková (Foto: Archiv Fair-Trade Tschechien und Slowakei) Aber auch Fair Trade kann helfen. So zahlt unter anderem der tschechische Dachverband der Handelsorganisation den Erzeugern für die gehandelten Produkte oder Produktbestandteile einen bestimmten Mindestpreis. Damit soll den Produzenten auch bei niedrigeren Marktpreisen ein höheres und verlässlicheres Einkommen als im herkömmlichen Handel ermöglicht werden. Ousmane Traore hat daher mit seinen Nachbarn eine Genossenschaft gegründet, um effektiver handeln zu können. Mittlerweile gelingt es ihnen, fast die Hälfte ihrer Ernte zu fairen Bedingungen zu verkaufen – dafür gibt es dann ein Fair-Trade-Zertifikat. Zudem erhält die Genossenschaft aus jedem Verkauf eine Extra-Zulage. Dazu erklärt die Direktorin vom Dachverband Fair-Trade Tschechien und Slowakei, Hana Malíková:

„Das ist ein Betrag, den die Händler zahlen. Das heißt, neben dem Erwerb von Kakao und anderen Produkten zu dem von Fair-Trade bestimmten Kaufpreis zahlen sie zusätzlich diese Zulage. Diese ist für jeden Rohstoff extra festgelegt.“

Dank dieses Zuschlags haben sich die Arbeits- und Lebensbedingungen für Ousmane Traore und seine Partner bereits verbessert. Die Genossenschaft kaufte sich von dem Geld weitere 13 Lkw für den Transport und 38 Motorroller für die Fahrt zur Arbeit. Die wichtigste Anschaffung aber sind die drei Brunnen, mit denen die Trinkwasserversorgung in ihrem Dorf verbessert werden konnte.

Foto: skeeze, Pixabay / CC0Foto: skeeze, Pixabay / CC0 Diese Entwicklung unterstützen auch die Verbraucher in Tschechien immer stärker, indem sie von Jahr zu Jahr mehr Fair-Trade-Produkte kaufen. Und darauf ist Hana Malíková sehr stolz:

„Der größte Sprung im vergangenen Jahr wurde beim Verkauf von Baumwollprodukten verzeichnet. Hier wurde ein Zuwachs von 317 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreicht. Sehr interessant ist auch die Steigerung bei dem nicht gerösteten grünen Kaffee. Davon haben wir hierzulande im letzten Jahr 714 Tonnen abgesetzt.“

Zum Vergleich: Im Jahr 2017 waren es noch 520 Tonnen, im Jahr davor 446 Tonnen und im Jahr 2015 lediglich 167 Tonnen. Doch nicht nur bei der Menge, sondern auch im Angebot hat der Fair-Trade-Verkauf in Tschechien weiter zugelegt. Neben Lebensmitteln stehen beispielsweise jetzt auch Fußbälle, Geschirr oder Musikinstrumente auf der Verkaufsliste. Zudem werden die Fair-Trade-Produkte auch immer mehr durch die großen Handelsketten vertrieben, sagt Hana Malíková:

Foto: Isaac Fryxelius, Pixabay / CC0Foto: Isaac Fryxelius, Pixabay / CC0 „Nahezu jede jeder Supermarkt hat irgendetwas von Fair Trade im Angebot. Am meisten aber werden hierzulande Kakaoprodukte verkauft. Damit werden gewiss auch bestimmte Trends im Ausland kopiert. Zugleich aber ist das eine Reaktion darauf, dass Fair Trade bei den tschechischen Verbrauchern immer mehr ins Bewusstsein rückt. Unsere Marke kennen bereits 59 Prozent der Konsumenten.“

12-09-2019