Vergessenes Slavonice mit Titel „Historische Stadt des Jahres“ geehrt

Am Dienstag wurde in Prag ein weiteres Mal der Titel „Historische Stadt des Jahres“ vergeben. Zum Sieger wurde die südböhmische Renaissance-Stadt Slavonice / Zlabings gekürt.

Der Oberbürgermeister von Slavonice, Hynek Blažek, mit dem Preis „Historische Stadt des Jahres“ (Foto: Libor Karásek, Archiv der Vereinigung historischer Sitze in Böhmen, Mähren und Schlesien)Der Oberbürgermeister von Slavonice, Hynek Blažek, mit dem Preis „Historische Stadt des Jahres“ (Foto: Libor Karásek, Archiv der Vereinigung historischer Sitze in Böhmen, Mähren und Schlesien) „An den Wochenenden im Sommer ist der Marktplatz hier voller Touristen. Aber der Platz ist auch schön, mir gefällt er wirklich sehr“, sagte diese ältere Einwohnerin von Slavonice gegenüber dem Tschechischen Rundfunk.

Das Prunkstück dieses Marktplatzes sind die Hausfassaden aus der Gotik und der Renaissance mit ihren Sgraffiti, das heißt den typischen figuralen Malereien. Doch dieser Kostbarkeiten sei man sich lange Zeit gar nicht so recht bewusst gewesen, verrät der Sekretär des Stadtamtes, Libor Karásek:

„Die Fassaden wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg enthüllt. Bis zu dieser Zeit waren sie hinter schlampig aufgetragenem Putz verdeckt. Auch danach verfielen sie weiter, weil sie nicht gut restauriert wurden. Heute aber führen wir eine komplexe Sanierung der Bürgerhäuser mit ihren Sgraffiti durch.“

Dieses Engagement bei der Denkmalpflege wurde nun auch belohnt. Am Dienstag wurde Slavonice zur „Historischen Stadt des Jahres“ gekürt. Dieser Titel ist mit einem Preisgeld von einer Million Kronen (39.000 Euro) verknüpft. Die Auszeichnung und den Scheck nahm Bürgermeister Hynek Blažek entgegen und erklärte:

„In Slavonice bemühen wir uns wirklich darum, an der systematischen Erhaltung des prächtigen historischen Stadtkerns zu arbeiten. Das vor allem, damit ihn auch die nächsten Generationen bewundern können. Ich hoffe, indem ich heute vor Ihnen stehe, zeigen wir, dass uns dies wohl auch gelingt.“

Slavonice (Foto: ŠJů, CC BY-SA 3.0)Slavonice (Foto: ŠJů, CC BY-SA 3.0) In die Erneuerung der denkmalsgeschützten Gebäude investieren jedoch nicht nur die Stadtväter, sondern ebenso private Hausherren. Obwohl die Sanierung bereits weit fortgeschritten sei, gäbe es immer noch einiges zu tun, meint Sekretär Karásek:

„Im Stadtkern müssen wir eigentlich nur noch ein Gebäude grundlegend sanieren. Die anderen Häuser müssen indes weiter instandgehalten werden, denn immer wieder fällt hier und da der Putz ab.“

In Slavonice gibt es aber nicht nur die Fassaden im Stadtkern zu bestaunen.

Zahlreiche Häuser wurden ebenso mit kunstvollen Kreuzrippengewölben (Diamantgewölben) ausgestattet. Ihre künstlerische Ausführung hat dabei eine Qualität, wie man sie für bürgerliche Häuser in Europa sonst kaum finden kann. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören außerdem die Stadtmauer mit Graben und dem Städtischen Turm, die Mariä-Himmelfahrt-Kirche, das Lutherische Bethaus oder der Zunftsaal und das Maßhaus.

Slavonice (Foto: ŠJů, CC BY-SA 3.0)Slavonice (Foto: ŠJů, CC BY-SA 3.0) Die Entstehung der Stadt wird zirka in das 12. Jahrhundert datiert. Die älteste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1260. Wegen ihrer unmittelbaren Grenznähe zu Österreich wurde die Stadt zu kommunistischen Zeiten allerdings sehr vernachlässigt. Deshalb ist Stadtbild in seiner Gesamtheit immer noch wie früher. Das aber nutzen Filmemacher. So hat Regisseur Jan Svěrak ab dem Sommer 2016 hier ein Jahr lang seinen Film „Po strništi bos“ (deutsch: Barfuß über das Stoppelfeld) gedreht, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs spielt. Svěrak sagte selbst dazu:

„Das heutige Tschechien sieht nicht mehr so aus wie das aus dem Jahre 1944. Deshalb haben wir einen Drehort gesucht, der noch ziemlich unberührt ist. Die Stadt Slavonice wurde wegen ihrer Grenznähe jahrzehntelang vergessen, von daher können wir hier mit einigen kleinen Korrekturen auch die Atmosphäre des Krieges erzeugen.“