Urteile im tschechischen Fußball-Bestechungsskandal fielen endlich härter aus

Im größten aufgedeckten Bestechungsskandal im tschechischen Fußball, bei dem in der Saison 2003/2004 zahlreiche Ergebnisse von Spielen des ehemaligen Erstligisten Viktoria Zizkov abgesprochen waren, sind am Mittwoch von einem Gericht in Prag erstmals härtere Urteile als bisher üblich gefällt worden. Der Hauptangeklagte, der frühere Manager des Prager Vereins, Ivan Hornik, ist dabei zu sieben Monaten Gefängnis auf Bewährung und einer Geldstrafe von 900.000 Kronen (ca. 31.500 Euro) verurteilt worden. Lothar Martin mit den Einzelheiten.

Ivan Hornik (Foto: CTK)Ivan Hornik (Foto: CTK) Viktoria Zizkov, ein traditionsreicher, aber verhältnismäßig unbedeutender Prager Fußballclub, eilte in der Saison 2001/2002 von Sieg zu Sieg und verpasste den Meistertitel nur um Haaresbreite. Insbesondere bei den Heimspielen im Stadtteil Zizkov gewannen die Rot-Weißen ihre Spiele seltsamerweise immer wieder durch Tore in den Schlussminuten, wobei ihnen auch manch fragwürdiger Elfmeter zugesprochen wurde. Was damals noch stark beargwöhnt wurde, aber vermutlich nicht mehr nachzuweisen ist, wurde zwei Jahre später zur Gewissheit: Der im Schatten der großen Clubs Sparta und Slavia Prag als dritter Kraft im Oberhaus spielende Stadtverein wollte seine Talfahrt stoppen, indem er Schiedsrichter und Schiedsrichter-Funktionäre dazu angehalten und bestochen hat, in gewünschter Weise auf die Leitung und den Ausgang von Punktspielen Einfluss zu nehmen. Von der Polizei abgehörte Telefonate hatten ergeben, dass gleich mehrerer Begegnungen des Vereins abgesprochen waren. Zwar hatte sich Ex-Manager Hornik eigens dazu einer Geheimsprache bemächtigt, bei der man zum Beispiel von einem Kilo Äpfel anstatt von einem 1000-Kronen-Schein sprach, doch Richterin Marketa Polanecka sah es als erwiesen an, dass dahinter nur die unlauteren Absichten getarnt wurden. In ihrer Urteilsbegründung zum Fall Hornik sagte sie:

"Bei dem Angeklagten Ivan Hornik sah ich es als erwiesen an, dass er eine Straftat begangen hat, indem er seinen Mitbürger, den angeklagten Schiedsrichtern und Schiedsrichterbeobachtern, Bestechungsgelder angeboten hat. In dieser Hinsicht ist es rechtlich irrelevant, ob die von ihm angesprochenen Personen dieses Geld angenommen haben oder nicht, und ebenso wenig, auf welche Weise wer einige Fußballspiele geleitet hat."

Zum ersten Male in der Geschichte des tschechischen Fußballs wurden am Mittwoch mehrere Funktionäre, Manager und Schiedsrichter für ihre Verwicklung in eine groß angelegte Bestechungsaffäre mit Freiheitsstrafen, die zur Bewährung ausgesetzt wurden, verurteilt. Des Weiteren bekam jeder von ihnen eine Geldbuße in Höhe von bis zu 5300 Euro aufgebrummt und alle wurden richtigerweise mit einem mehrjährigen Berufsverbot belegt. Ivan Hornik zum Beispiel darf zehn Jahre lang nicht mehr im Fußballsport tätig sein. Da aber die disziplinarischen Maßnahmen innerhalb des Böhmisch-Mährischen Fußballverbandes (CMFS) weiterhin alles andere als abschreckend gehandhabt werden, ist es ein Irrglaube, zu denken, dass nun keiner mehr manipulieren werde. Aber zumindest wurde das Zeichen gesetzt, dass der Arm des Gesetzes dem korrupten Treiben in der hiesigen Gesellschaft nicht völlig tatenlos gegenüber steht.