Urteile im Fall H-System

20-02-2004

Im Prozess um die 1997 in Konkurs gegangene Baufirma H-System sind am Donnerstag die Urteile gefällt worden. Dabei fiel das höchste Urteil, das in Tschechien jemals wegen Betrugs ausgesprochen wurde. Gerald Schubert hat nähere Einzelheiten:

Petr Smetka (Foto: CTK)Petr Smetka (Foto: CTK) Die gesellschaftliche Transformation in Tschechien seit der Beseitigung des kommunistischen Regimes, die brachte auch eine gehörige Portion wirtschaftliche Goldgräberstimmung mit sich. Manchen gelang tatsächlich der große Wurf, sie erfüllten sich den Traum vom schnellen Geldverdienen. Doch nicht immer ging es dabei ehrlich zu. So etwa, laut aktuellem Gerichtsurteil, bei der Firma H-System. Billige Eigenheime in der Nähe Prags hatte man dort den Kunden versprochen, zurück blieben nur Schulden. Etwa 1100 Menschen verloren zusammen knapp 1,2 Milliarden Kronen, das sind fast 40 Millionen Euro. Einer davon ist Jiri Bares:

"Es wurde nur das Erdgeschoss fertig gebaut. Nachdem die Firma in Konkurs gegangen war, haben wir den Bau mit Bewilligung des Konkursverwalters zu Ende geführt. Dabei habe ich weitere 1,8 Millionen Kronen investiert. Und jetzt erst wohne ich in dem Haus."

Am Donnerstag sind nun im siebzehn Monate dauernden Monsterprozess rund um H-System die Urteile gefällt worden: Der Hauptangeklagte, H-System-Gründer Petr Smetka, muss für zwölf Jahre hinter Gitter, drei weitere Manager bekamen je neuneinhalb Jahre. Staatsanwalt Boris Havel ist zufrieden, denn Smetka habe von Anfang an in betrügerischer Absicht gehandelt:

Petr Smetka (Foto: CTK)Petr Smetka (Foto: CTK) "Er wollte in erster Linie mit dem Geld der Kunden Geschäfte machen. Und erst wenn dabei irgendwelche Gewinne anfallen, wollte er mit diesen die Häuser für die Kunden bauen. Nur: Das hat er den Leuten nicht gesagt. Wenn er es ihnen gesagt hätte, dann hätten sie sich selbst entscheiden können. H-System war aber weder eine Bank, noch eine Investitionsgesellschaft, noch ein Unternehmen für Wertpapierhandel. H-System war eine Baufirma. Und als solche wurde sie von den Kunden auch gesehen."

Die politische Schützenhilfe aus den verschiedensten Lagern, die man Smetka und seinen Projekten einst nachgesagt hatte, die scheint nun jedenfalls der Vergangenheit anzugehören. Das Gericht hält es für erwiesen, dass er hohe Geldbeträge auf die Konten von anderen ihm gehörenden Firmen überwiesen und H-System damit von innen her ausgehöhlt hat. "Tunelovani" heißt das im Tschechischen. Er selbst räumt zwar ein, Fehler gemacht zu haben, von einem groß angelegten Verbrechen könne aber keine Rede sein, so Smetka:

"Man kann sagen, dass wir zu einer bestimmten Zeit leichtsinnig mit fremdem Eigentum umgegangen sind. Aber auf keinen Fall haben wir von Anfang an einen Betrug geplant."

Smetka hat daher, ebenso wie alle anderen Angeklagten, sofort Berufung eingelegt.

20-02-2004