Unglück von Genua: Prager Lkw-Fahrer vergleicht Überleben mit zweiter Geburt

23-08-2018

Der Brückeneinsturz von Genua, er beschäftigt immer noch die Gemüter. Das Drama forderte 43 Todesopfer, mehrere Familien haben ihre Bleibe unter den Trümmern verloren. Doch es gibt auch wundersame Geschichten wie die des tschechischen Lkw-Fahrers, der den Absturz seines Lasters überlebte. In Prag sprach er über sein Glück im Unglück.

Martin Kučera (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)Martin Kučera (Foto: ČTK / Michal Kamaryt) Martin Kučera ist Lkw-Fahrer der Prager Spedition Sped-It. Den 14. August 2018 wird er niemals mehr vergessen, denn er hat eines der größten Verkehrsunglücke der Neuzeit überlebt – den Einsturz der Autobahnbrücke über Genua. Obwohl er mit seinem Truck 45 Meter in die Tiefe stürzte, kam der Lkw-Fahrer mit lediglich drei gebrochenen Rippen davon. Daher konnte er schon eine Woche später aus dem Krankenhaus in Genua entlassen und in eine Prager Klinik überführt werden. Dort redete er am Mittwoch erstmals vor tschechischen Journalisten und machte sofort klar:

„Dies hatte mit meinem Beruf als Lkw-Fahrer nichts gemein, das war ein Eingriff von oben.“

Auf der anderen Seite sei es auch eine Verkettung von Zufällen gewesen, die ihn erst in diese Situation gebracht hätte, fügt Kučera an:

Polcevera-Viadukt in Genua (Foto: Bubici Paolo, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)Polcevera-Viadukt in Genua (Foto: Bubici Paolo, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0) „Über diese Brücke bin ich zum ersten Mal in meinem Leben gerollt. Vorher bin ich auf der Italien-Tour stets über die A7 in Richtung Alessandria gefahren. Diesmal aber hat mir das GPS aber den Weg über die A10 angezeigt. Da habe ich mir gesagt, was soll´s, schaue ich mir halt den Hafen und Flughafen Genuas von oben an. Kurz zuvor hatte ich noch eine einstündige Pause eingelegt. Wäre ich aber nur die für Fernfahrten vorgeschriebenen 45 Minuten auf dem Rastplatz geblieben, dann hätte ich die Brücke noch vor dem Einsturz passiert.“

So aber war der Prager Lkw-Fahrer eben zur falschen Zeit am falschen Ort. Trotzdem kann er heute schon wieder lachen, denn er habe einfach Glück gehabt bei diesem ansonsten sehr tragischen Ereignis:

„Die Straße ist wie eine Welle in sich zusammengebrochen, es krachte, und der zerstörte Brückenteil fiel in seine Einzelteile zusammen. Ich dachte nur: Jetzt sterbe ich. Es regnete, ich wusste nicht, wo ich gelandet war. Ich hatte Angst, dass ich nicht irgendwo auf einem Felsen bin, von dem ich herabfalle. Auf einmal hörte ich Stimmen, da habe ich von der Fahrerkabine aus gewunken, um zu zeigen, dass ich am Leben bin. Nach fünf Minuten waren die ersten Leute da, dann musste ich 20 Minuten warten, bis die Feuerwehr mit schwerer Technik anrückte. Damit hat man mich aus dem Fahrzeugwrack befreit. Vom Absturz bis zur Einlieferung in das Krankenhaus hat es zwei Stunden gedauert.“

Polcevera-Viadukt in Genua nach dem Einsturz (Foto: ČTK / AP / Luca Zennaro)Polcevera-Viadukt in Genua nach dem Einsturz (Foto: ČTK / AP / Luca Zennaro) Als Martin Kučera dies erzählte, war er ziemlich locker und gelöst, wohl wissend, dass das Schicksal ihm gewogen war. Daher betrachte er den 14. August nun als seinen zweiten Geburtstag und Genua als seine zweite Geburtsstadt. Und als kleiner Nebeneffekt dieser unglaublichen Geschichte, habe er ab dem Unglückstag auch mit dem Rauchen aufgehört.

Kučeras Arbeitgeber, die Spedition Sped-It, sieht die Tragödie natürlich nicht ganz so locker. Sie hat einen sehr modernen Truck verloren, und ihr Fahrer habe ebenso Verluste zu verzeichnen. Wie man nun in dieser Angelegenheit vorgehen werde, dazu sagte Geschäftsführer Václav Zázvůrek:

„Derzeit verhandeln wir mit der Versicherung, beim Schadensfall müssen wir gewiss auch eine Selbstbeteiligung wahrnehmen. Ansonsten aber werden wir Schadensersatz fordern. Das Gleiche trifft für Herrn Kučera zu, der eine Verletzung und den Verlust mehrerer persönlicher Sachen zu beklagen hat. Zuerst werden wir dies mit der Versicherung regeln, danach aber werden wir gegen den Autobahnbetreiber, die Firma Autostrada, klagen.“

Seilbrücke auf der Autobahn D11 bei Poděbrady (Foto: Stribrohorak, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)Seilbrücke auf der Autobahn D11 bei Poděbrady (Foto: Stribrohorak, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0) In Tschechien versucht man derweil noch andere Konsequenzen aus dem Unglück zu ziehen. So soll unter anderem eine Seilbrücke auf der hiesigen Autobahn D11, die von Prag nach Hradec Králové / Königgrätz führt, im nächsten Jahr runderneuert werden. Die 1989 errichtete Brücke bei Poděbrady, die der von Genua ähnelt, sei zwar in einem befriedigenden Zustand, doch der Güteklassegrad soll von „4“ auf „2“ verbessert werden – also auf einen sehr guten Zustand.

23-08-2018

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