Unfallserie: Bahn sucht nach Ursachen

06-03-2019

Seit Januar verzeichnen die Zugbetreiber in Tschechien ungewöhnlich viele Unfälle auf den Schienen hierzulande. Die staatliche Tschechische Bahn berät nun über die Ursachen und mögliche Lösungen.

Unfall in Brno (Foto: ČTK / Václav Šálek)Unfall in Brno (Foto: ČTK / Václav Šálek)

Miroslav Kupec (Foto: Archiv der Tschechischen Bahn)Miroslav Kupec (Foto: Archiv der Tschechischen Bahn) Wer hierzulande derzeit den Fernseher oder das Radio anschaltet, dürfte Angst bekommen vor dem Zugfahren. Erst am Dienstag stießen in Brno / Brünn zwei Züge zusammen, rund 20 Menschen wurden dabei verletzt. Insgesamt zählte die Schieneninspektion seit Anfang des Jahres 220 Vorfälle, das ist ein Viertel mehr als im selben Zeitraum 2017. Die Leitung der staatlichen Tschechischen Bahn sieht sich nun zum Handeln gezwungen. Man wolle vor allem den menschlichen Faktor untersuchen, erklärt Bahn-Chef Miroslav Kupec:

„Wir stellen täglich 7200 Zugverbindungen. Da ist klar, dass irgendwo einmal irgendjemand versagt und es zu einem Problem kommt. Ich will aber klarstellen, dass es hier keine Fehler im System gibt. Man kann die Ereignisse der vergangenen Wochen auf menschliches Versagen zurückführen, und das lässt sich leider nicht verhindern.“

Unfall bei Ronov nad Doubravou (Foto: ČTK / Josef Vostárek)Unfall bei Ronov nad Doubravou (Foto: ČTK / Josef Vostárek) Die Bahn bemüht sich deshalb um eine genaue Analyse der Missstände. Radek Joklík ist Sprecher des Unternehmens:

„Vergangene Woche hat der Generaldirektor eine außerordentliche Überprüfung der Führungskräfte im Fahrbetrieb und den Depots angeordnet. Seit Anfang vergangener Woche sind schon mehrere Dutzend solcher Kontrollen abgelaufen. Über die Ergebnisse wollen wir bei einer Sondersitzung des Vorstands am Mittwoch beraten.“

Doch auch die Politik meldet sich mittlerweile zu Wort. Ähnlich wie die Leitung der Staatsbahn will Verkehrsminister Dan Ťok den Lokführern strenger auf die Finger schauen. Der parteilose Politiker präsentierte Anfang dieser Woche einen Plan:

Emanuel Šíp (Foto: Archiv von Emanuel Šíp)Emanuel Šíp (Foto: Archiv von Emanuel Šíp) „Es muss eine Art Kartei zu jedem Lokführer geben, die elektronisch geführt wird und bei den zuständigen Ämtern hinterlegt ist. Wir wollen nun das Bahngesetz ändern, damit ein solches System so schnell wie möglich eingeführt werden kann.“

Im Grunde handelt es sich dabei um eine Art Punktesystem, wie es schon länger auch in Tschechien für Autofahrer gilt.

Für Emanuel Šíp vom Bahn-Aufsichtsrat reicht das aber noch nicht. In seinen Augen darf das Unternehmen seine Mitarbeiter nicht nur kontrollieren, es muss genauso auf sie zugehen:

„Das ist außerdem eine Sache von Änderungen bei den Vorschriften und im Management. Neben häufigeren Kontrollen müsste es ebenso mehr Schulungen geben. Man muss gemeinsame Ursachen für solche Vorfälle finden und so Lösungen für die Zukunft erarbeiten.“

Laut Kritikern liegt die Wahrheit auch bei den Bahn-Unfällen in der Mitte. Schon lange wird dem Staatsbetrieb vorgeworfen, dass es seine Lokführer überlaste und schlecht bezahle. Zuletzt meldeten sich die Arbeitnehmervertreter der Staatsbahn am Mittwoch in diesem Sinn. Abgesehen davon würden individuelle Schuldzuweisungen nur wenig bringen, meint Jan Kučera von der tschechischen Schienenverkehrsinspektion:

„Ob nun die Lokführer in ihrer Arbeitszeit mit dem Handy spielen, statt auf die Fahrt zu achten, oder übermüdet und überlastet sind – das lässt sich sowieso nicht in Erfahrung bringen. Keiner der Mitarbeiter wird das zugeben, sondern er wird immer behaupten, dass alles in Ordnung war.“

06-03-2019