Unbekannter Held: Karel Weirich rettete hunderte tschechoslowakische Juden

Er hat während des Zweiten Weltkriegs Hunderte tschechoslowakischer Juden in Italien gerettet. Doch sein Name war hierzulande bis vor kurzem noch unbekannt. Der Journalist Karel Weirich wurde am Mittwoch anlässlich des tschechischen Staatsfeiertags posthum mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet. Zwei Tage zuvor fand eine Konferenz über Karel Weirich im Italienischen Kulturinstitut statt.

Karel Wierich (Foto: Archiv des Verlags Karmelitánské nakladatelství)Karel Wierich (Foto: Archiv des Verlags Karmelitánské nakladatelství) Karel Weirich wurde 1906 in Rom geboren als Sohn böhmischer Auswanderer. 1935 wurde er Berichterstatter der tschechoslowakischen Presseagentur ČTK in Italien. Nach Kriegsbeginn gab er diese Arbeit auf. Ab 1940 wurden in Italien alle Juden fremder Nationalität verhaftet und in die KZs verschleppt. Weirich gründete zu der Zeit eine St.-Wenzel-Gesellschaft, offiziell galt sie als Fonds für die Pflege des St. Wenzel-Altars im Vatikan. Tatsächlich aber leisteten im Exil lebende Tschechoslowaken über diesen Fonds Hilfe für Juden, die aus der Tschechoslowakei geflüchtet waren und in Italien verhaftet wurden. Weirich soll auf diese Weise fast 200 Juden das Leben gerettet haben, schreibt der junge italienische Historiker Alberto Tronchin in seinem Buch, das vor kurzem in tschechischer Übersetzung vom Verlag Karmelitánské nakladatelství herausgegeben wurde. Pavel Mareš arbeitet in dem Verlag:

Pavel Mareš (Foto: Zdeňka Kuchyňová)Pavel Mareš (Foto: Zdeňka Kuchyňová) „Weirichs Engagement kann man mit den Verdiensten des viel bekannteren Sir Nicholas Winton vergleichen. Weirich hat genauso wie Winton nicht gewollt, dass seine Hilfstätigkeit für die verfolgten Menschen später öffentlich gemacht wurde. Er hat sein Engagement für selbstverständlich gehalten.“

Aus Weirichs Fonds wurden Medikamente, Bekleidung, Lebensmittel und weitere notwendige Sachen finanziert. Zudem half Weirich, Juden in den Klöstern zu verstecken, er besorgte ihnen falsche Pässe und andere Dokumente.

Helena Weirichová ist eine Nichte von Karel Weirich. Sie hat das Archiv ihres Onkels für den Historiker Alberto Tronchin geöffnet. Als junges Mädchen habe sie vom Engagement des Onkels nicht viel gewusst, räumt sie ein:

Helena Weirichová (Foto: Martina Schneibergová)Helena Weirichová (Foto: Martina Schneibergová) "Er hat mir nur wenig darüber erzählt. Erst als ich sein Archiv geordnet habe, erfuhr ich mehr. Ich war sechs Jahre alt, als der Krieg zu Ende war. Ich weiß nur, dass mein Vater während des Kriegs mit meinem Onkel im Briefkontakt war. Sie mussten aber wegen der Zensur sehr vorsichtig sein. Ich bin froh, dass sich Alberto des Themas angenommen hat. Das Buch ist hervorragend ins Tschechische übersetzt worden. Mein Onkel wollte nie irgendwelche Auszeichnungen oder Medaillen, er hat das, was er machte, für eine Sache des Gewissens gehalten.“

Karel Weirich engagierte sich nicht nur in der Hilfe für Juden, sondern beteiligte sich auch am Widerstandskampf in Italien. Zudem leitete er Informationen über die kritische Lage in der Heimat seiner Vorfahren weiter, und zwar über die Kontakte, die er im Vatikan hatte. Im April 1944 wurde Weirich von der Gestapo verhaftet. Zunächst erging ein Todesurteil, dann wurde die Strafe in 18 Jahre Gefängnis geändert. Das Kriegsende erlebte Weirich im Zwangsarbeiterlager Kolbermoor, dieses wurde am 2. Mai 1945 von der US-Armee befreit. Nach dem Krieg arbeitete er für kurze Zeit wieder für die Presseagentur ČTK. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten im Februar 1948 lehnte Weirich jedoch ab, aus Italien in die Tschechoslowakei zurückzukehren. Er starb 1981 in Rom.