Tschechisches Jahr von Frankfurt bis Leipzig

Tschechien ist im kommenden Jahr Gastland bei der Leipziger Buchmesse. Aber schon jetzt, auf der gerade laufenden Buchmesse in Frankfurt, wird das sogenannte tschechische Kulturjahr gestartet.

Martin Krafl (Foto: Markéta Kachlíková)Martin Krafl (Foto: Markéta Kachlíková) Den Auftakt für das tschechische Kulturjahr gibt am Samstag der Leipziger Opernball. Er steht diesmal im Zeichen von Tschechien und der Partnerstadt Brno / Brünn. Martin Krafl ist Koordinator des Gastlandauftritts:

„Als ich mit Kollegen aus der Mährischen Landesbibliothek und aus dem Kulturministerium über den Gastlandauftritt nachgedacht habe, gab es eine Entscheidung, dass es zu schade wäre, sich nur auf die vier Tage während der Buchmesse zu konzentrieren. Deshalb haben wir den Gastland-Auftritt mit einem Tschechischen Jahr umrahmt. Dieses fängt im Oktober 2018 an und läuft bis Ende 2019. Es wird sehr bunt sein und reicht von Musik, über Buchkunst, Comics oder Design bis zu Filmreihen und Podiumsdiskussionen.“

Zum Auftakt beim anstehenden Ball interpretiert die renommierte Mezzo-Sopranistin Dagmar Pecková zusammen mit dem Époque Quartett & Époque Orchestra Songs von Kurt Weill und Bert Brecht. Darauf folgt die Eröffnung einer interaktiven Ausstellung im Neuen Rathaus Leipzig. Sie trägt den Titel „100 Jahre Geschichte – die Gründung der Tschechoslowakei 1918“. Und ebenfalls noch im Oktober stellt die tschechische Bestseller-Autorin Kateřina Tučková ihren preisgekrönten Roman „Gerta. Das deutsche Mädchen“ in Leipzig vor.

Kateřina Tučková (Foto: Roman Verner, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Kateřina Tučková (Foto: Roman Verner, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Sie ist aber nicht die einzige tschechische Schriftstellerin, die man in diesem Herbst in der sächsischen Stadt erleben kann. Auch weitere Autoren erhalten im Rahmen eines der mehreren Förderprogramme des Kulturjahres die Möglichkeit, in Leipzig zu schaffen. Martin Krafl:

„Zum einen handelt es sich um ein Förderprogramm des tschechischen Kulturministeriums für Übersetzungen tschechischer Literatur im Ausland. Das zweite ist eine Sonderausschreibung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds mit dem Titel ‚Die Bücher der anderen‘. Und das dritte ist das Programm ‚Writers in Residence‘. Tschechische und deutsche Schriftsteller erhalten dabei die Möglichkeit, jeweils einen Monat in Brünn beziehungsweise in Leipzig zu verbringen. Währenddessen schreiben sie an eigenen Werken und setzen sich mit der jeweiligen Stadt auseinander.“

Leipziger Buchmesse (Foto: Je-str, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)Leipziger Buchmesse (Foto: Je-str, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0) Höhepunkt des Kulturjahres ist der Gastlandauftritt Tschechiens auf der Leipziger Buchmesse im März 2019. Das Kulturjahr wird damit aber nicht zu Ende gehen:

„Wir haben das so konzipiert, dass die Programmteile eine Chance haben, ein dauerhafter Teil des deutsch-tschechischen Kulturaustausches zu werden. Mich persönlich freut besonders, dass es gelungen ist, dieses Kulturjahr nicht nur in Leipzig zu veranstalten, sondern dass nach dem Gastland-Auftritt auch die Schweiz und Österreich noch hinzukommen. Wir werden von März bis Ende 2019 literarische Veranstaltungen, verschiedene Festivals und Auftritte tschechischer Schriftsteller auf dem deutschsprachigen Buchmarkt unterstützen, weil wir möchten, dass die tschechische Literatur stärker sichtbar wird.“

Der Gastauftritt bei der Buchmesse, aber auch das ganze Begleitprogramm des tschechischen Kulturjahres findet unter dem Motto „Ahoj Leipzig“ statt:

„Ahoi ist in Deutschland der Gruß der Matrosen. Böhmen am Meer ist ein altes, auf Shakespeare zurückgehendes Motiv, das einen utopischen Idealzustand beschreibt. Tschechien ist leider weit vom Meer entfernt, trotzdem ist das für alle Tschechen ein dauerhafter Sehnsuchtsort. Viele Menschen sehen das Meer als einen speziellen Ort, zu dem man gerne aufbricht, natürlich auch mit einem Buch in der Hand. Also war unsere Idee, das Ahoj zu nutzen, mit einem ‚J‘ am Ende, wie die Tschechen das schreiben. Wir sagen also ‚Ahoj Leipzig!‘“