Tschechischer Glitzer für Dresden

Prager Juweliere werden demnächst in Dresden ihre Kunst vorführen. Und zwar soll im Kunstgewerbemuseum auf Schloss Pillnitz ein Kristall-Lüster zur Reife heranwachsen. Geboren wurde der Kronleuchter dieser Tage aber in der tschechischen Hauptstadt.

Zdeněk Vacek und Daniel Pošta (Foto: Karin Zadrick / Zorya)Zdeněk Vacek und Daniel Pošta (Foto: Karin Zadrick / Zorya) Es ist angesetzt, könnte man sagen. In der Halle einer ehemaligen Kaffeerösterei im Prager Stadtteil Libeň haben zwei Designer ein Plastikzelt aufgestellt. Darin: mehrere Bottiche. In diesen werden Kristalle gezüchtet für einen Kronleuchter. Daniel Pošta ist einer der beiden Juweliere:

„Es handelt sich um unsere Interpretation eines Theresianischen Kronleuchters. Wir stellen das Stück für das Kunstgewerbemuseum in Dresden her, konkret für die Ausstellung ‚Von Staub zu Glitzer‘, die in 14 Tagen beginnt. Dort soll der Lüster zwei bis drei Wochen weiterwachsen.“

Ein vergleichbares Verfahren haben Pošta und sein Kollege Zdeněk Vacek im Jahr 2011 erstmals angewendet. Damals stellten sie Kristallschmuck her, der nachher den Preis Czech Grand Design erhielt. Später kam von der Direktorin des Kunstgewerbemuseums in Dresden, Tulga Beyerle, der Auftrag für den Kronleuchter. Der entsteht nun mit einer ausgereifteren Technik. Die beiden Juweliere haben ihren Aussagen nach sechs Jahre an dem Verfahren gefeilt. Zdeněk Vacek:

Foto: Karin Zadrick / ZoryaFoto: Karin Zadrick / Zorya „Wir nehmen dafür Kalium-Aluminium-Sulfat, das ist solch ein Staub, der in Säcken angeliefert wird. Den kippen wir in die Bottiche mit Wasser, so dass eine angereicherte Lösung entsteht. Und in diese tauchen wir dann die Metallarme des Lüsters.“

Für die beiden Juweliere ist das ein Großprojekt. Ihr Schmuck braucht normalerweise nur 30 Liter sogenannte Alaune-Lösung, jetzt sind es 6000 Liter. Und das bedeute auch Hundert mal mehr Probleme.

„Vor einigen Tagen haben wir hier eine kommentierte Führung veranstaltet. Dadurch stieg die Temperatur im Zelt um sechs Grad Celsius. Das führte dazu, dass die bereits gewachsenen Kristalle wieder auseinandergefallen sind. Glücklicherweise haben wir schnell reagiert. Jetzt ist wieder alles in Ordnung. Aber jeder Grad Temperaturunterschied mehr oder weniger hat Auswirkungen“, so Vacek.

Aus der Züchtung solle ein stattliches Stück werden, ergänzt Daniel Pošta:

„Der Lüster wird 18 Arme haben, so wie der Kronleuchter aus dem Eingangssaal von Schloss Pillnitz. Er wird 1,60 Meter Durchmesser haben und rund 180 Kilogramm wiegen. Wir sind selbst gespannt, wie er schließlich dann aussieht.“

Die heiße Entstehungsphase wird man in Dresden live sehen können. Dort sollen die Arme des Kronleuchters ihre wahre Stärke erhalten, so Juwelier Pošta:

Schloss Pillnitz (Foto: Tomáš Souček / SKD)Schloss Pillnitz (Foto: Tomáš Souček / SKD) „Die erste Vernissage auf Schloss Pillnitz findet am 24. August statt. Da wird der Lüster noch nicht komplett zusammengesetzt sein und man kann die Arme wachsen sehen. Die zweite Vernissage ist dann für den 15. September geplant, es ist die feierliche Erstbeleuchtung des Kronleuchters. Die Ausstellung mit dem fertigen Lüster läuft dann noch bis in den November weiter.“

Und was geschieht danach mit dem ausgewachsenen Leuchter? Darüber würden er und Zdeněk Vacek nachdenken, wenn sie das fertige Stück in Augenschein genommen hätten, sagt Daniel Pošta.