Tschechischer Film zwischen 1939 und 1945

Die Ausstellung "Der tschechische Film in den Jahren 1939 - 1945", die im Prager Nationalmuseum eröffnet wurde, zeigt die Situation der tschechischen Kinematografie während der Protektoratszeit. Die Ausstellung thematisiert Schicksale von Schauspielern, vermittelt die Spannung zwischen der tschechischen und der deutschen Produktion und zeigt zeitgenössische Filme. Bára Procházková hat die Ausstellung besucht.

"Der heutige Film ist künstlerisch wertvoll", "der heutige Film ist künstlerisch besonders wertvoll" oder "der heutige Film ist anerkennenswert" - diese Schilder, die als eine Empfehlung der Okkupationsmacht an die tschechischen Kinobesucher galten, hingen vor dem Beginn jeder Filmvorstellung am Kinoeingang. Draußen tobte der Zweite Weltkrieg, drinnen - im Kino - lachten die Leute über lustige Szenen in den Filmen. Die Ausstellung im tschechischen Nationalmuseum in Prag stellt die Stimmung in den Kinosälen dar und beschreibt gleichzeitig die Situation der tschechischen Kinematografie in den Kriegsjahren. Der Kurator des Projektes, Libor Jun, spricht über die Rahmenbedingungen für die tschechischen Filmemacher dieser Zeit:

"Die tschechoslowakische Kinematografie war vor dem Krieg sehr hoch entwickelt. Sie wurde dann plötzlich mit der Kriegszeit konfrontiert. Das bedeutet, dass sie sich mit neuen Mitteln auseinandersetzen musste - mit der Beschränkung der politischen Rechte und der allgemeinen politischen und gesellschaftlichen Unfreiheit. Des Weiteren wurden sofort eine strenge Zensur und gleichzeitig ein staatlich vorgeschriebener Antisemitismus eingeführt. Das alles waren die Mittel, die den tschechischen Film der Kriegsjahre beeinflusst haben."

Nachdem Filme aus der amerikanischen Produktion aus den Kinos verschwunden waren, gab es Bedarf an neuen tschechischen Filmen, vor allem die Produktion von Zeichentrickfilmen erlebte einen Boom. Die Produktion von tschechischen Filmen wurde jedoch stets beschränkt. Während am Anfang des Krieges rund 30 Titel pro Jahr gedreht wurden, sind in den folgenden Jahren die Zahlen gesunken, und im Jahr 1945 wurden nur noch zwei Filme produziert. Libor Jun beschreibt die sich immer wiederholenden Motive der Filme, die zum Teil bis heute bei den Zuschauern beliebt sind:

"Also auf jeden Fall gab es ein komödiantisches Element, die Produktion von Komödien war also sehr stark vertreten. Weiterhin sind Motive aufgetreten, die aus der klassischen tschechischen Literatur geschöpft wurden und gleichzeitig konnte man eine starke Hinwendung zu vaterländischen Themen beobachten."

Die Aufgabe der Kinematografie war es, einerseits die Gesellschaft von den Kriegsgeschehnissen abzulenken sowie anderseits eine Demobilisierung des Widerstandes gegen die Okkupation zu erreichen, erklärte Libor Jun. Die deutsche Filmgesellschaft Prag-Film, die in den Prager Barandov-Ateliers angesiedelt wurde, sollte die einzige Filmgesellschaft im Protektorat bleiben. Dazu Libor Jun:

"Ihre Aufgabe war ganz klar formuliert: Die deutsche Filmproduktion zu verbreiten und gleichzeitig die tschechische Produktion so weit wie möglich zu unterdrücken. Die tschechische Produktion hat parallel zu der deutschen existiert und war geduldet, aber eben nur geduldet."

Filme aus tschechischer Produktion durften nicht an internationalen Filmfestivals, wie zum Beispiel der Biennale in Venedig, teilnehmen. Trotzdem konnte 1940 in Zlin das erste Filmfestival in der tschechischen Kino-Geschichte stattfinden.