Tschechische Armee wird unter Stefka ihre Reformen drastisch fortsetzen

Wenn man derzeit in Tschechien Reformen auf Schritt und Tritt verfolgen will, dann muss man nur auf die rasanten Vorgänge schauen, die sich momentan in der Tschechischen Armee abspielen. Hintergrund der erdrutschartigen Verschiebungen, die dort gerade eingeleitet werden, ist der erst am vergangenen Wochenende vollzogene Wechsel an der Führungsspitze des Militärs. Seit dem 1. Dezember hat nämlich General Pavel Stefka seinen Vorgänger Jirí Sedivý als Oberbefehlshaber des Generalstabs der Armee abgelöst. Weitere Einzelheiten von Lothar Martin.

Jiri Sedivy und Pavel Stefka (Foto: CTK)Jiri Sedivy und Pavel Stefka (Foto: CTK) Bereits vor seiner Amtsübernahme hatte General Stefka deutlich gemacht, dass es unter seiner Führung zu teilweise drastischen Einschnitten bei den tschechischen Streitkräften kommen werde. Diese Einschnitte sind vor allem personeller Natur, ließ der frisch ernannte Oberbefehlshaber inzwischen die Katze aus dem Sack. So wird Stefka ersten Presseberichten zufolge gleich 70 Prozent aller Angehörigen des Generalstabs auswechseln. Stefka selbst bezeichnete diese Maßnahme als "dramatische Veränderung". Aber der 48-Jährige lieferte die Gründe sofort nach. Seiner Meinung nach sei nämlich nur so zu gewährleisten, dass sich die Tschechische Armee auch tatsächlich zu einem professionellen, effizienten und leistungsstarken militärischen Heer wird umwandeln können.

Stefkas Fahrplan sieht vor, dass zuerst die engsten Mitarbeiter seines Vorgängers ausgewechselt werden. Danach würden die personellen Veränderungen auf der Ebene der Divisionsstäbe und Brigaden fortgesetzt, hieß es. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass ca. 20 Offiziere den Generalstab und zuzüglich der weiteren Führungsebenen insgesamt um die 1000 Offiziere die Armee verlassen werden. Wie tiefgreifend die von Stefka beabsichtigte Reform sein wird, dokumentiert noch eine weitere Zahl, nämlich die der noch zum Einsatz kommenden Panzer. Im Jahr 1989 hatte die Tschechische Armee noch viereinhalbtausend Stück davon. Gegenwärtig sind es um die 600 und in Zukunft, wenn die Transformation der Streitkräfte zu einer Berufsarmee abgeschlossen sein wird, sollen es nur noch ganze 31 (!) Panzer sein.

Pavel Stefka (in der Mitte) mit Vaclav Havel (Foto: CTK)Pavel Stefka (in der Mitte) mit Vaclav Havel (Foto: CTK) "Wir stellen von Eisen auf Spitzentechnologien um," erklärte der stellvertretende Verteidigungsminister Jaroslav Skopek die strukturelle Veränderung, die in den kommenden Jahren bei den tschechischen Streitkräften vorgenommen wird. Dazu gehören moderne Technologien zum Schutz vor biologischen und chemischen Waffen sowie moderne Fahndungssysteme. Dabei hat sich Tschechien mit seinen auf höchstem Niveau agierenden Anti-C-Waffen-Einheiten bereits einen guten Ruf erworben. Dieser wird allerdings gerade in diesen Tagen etwas in Misskredit gebracht. Ein Major einer in Kuwait stationierten tschechischen Einheit ist in dem vorderasiatischen Land des Diebstahls überführt worden. In einem Geschäft des amerikanischen Stützpunktes hatte er einen Pullover im Wert von umgerechnet 40 Euro entwendet. Dieser Vorfall wird natürlich seine Konsequenzen haben. Welche, dazu sagte Armeesprecher Milan Repka: "Er erhält den Marschbefehl, d.h. er wird so schnell als möglich in die Tschechische Republik zurückkehren. Hier wird die ganze Angelegenheit selbstverständlich noch einmal untersucht, aber mit großer Wahrscheinlichkeit wird es für ihn zu einer Auflösung des Dienstverhältnisses bei der Armee der Tschechischen Republik kommen."

Dies ist sicher keine allzu erfreuliche Nachricht, aber sie verdeutlicht nachdrücklich, dass es den Verantwortlichen bei der Tschechischen Armee mit den angekündigten tiefgreifenden Veränderungen im Militärressort wirklich ernst ist.