Tschechiens größte Synagoge feiert 125 Jahre

Die Große Synagoge in Plzeň / Pilsen die drittgrößte Synagoge Europas. Vor genau 125 Jahren öffnete sie erstmals ihre Pforten.

Große Synagoge in Pilsen (Foto: Ondřej Tomšů)Große Synagoge in Pilsen (Foto: Ondřej Tomšů) Die Große Synagoge in Pilsen fällt durch ihre reichgeschmückte Fassade im maurischen Stil mit romanischen Elementen auf, aber auch durch ihre zwei rund 45 Meter hohen Türme mit den roten Dächern. Sie wurde von 1890 bis 1893 gebaut und am 7. September 1893 eingeweiht, möglich machten das großzügige Spenden der Pilsner Juden.

Laut dem Pilsner Fotografen Radek Kodera, der ihr neueres Schicksal auf Bildern dokumentiert hat, spiegelt die Entwicklung der Synagoge die Geschichte der jüdischen Gemeinde nicht nur in Pilsen, sondern auch in Tschechien und ganz Mitteleuropa wider:

„In der Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik kamen bis zu 2500 bis 3000 Mitglieder der jüdischen Gemeinde in der Synagoge zusammen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem fast die ganze jüdische Bevölkerung vernichtet wurde, gab es nur noch einige Dutzend Mitglieder. Nachfolgend, in der Zeit des kommunistischen Regimes wurden die Gottesdienste völlig abgeschafft.“

Große Synagoge in Pilsen (Foto: Ondřej Tomšů)Große Synagoge in Pilsen (Foto: Ondřej Tomšů)

Große Synagoge in Pilsen (Foto: Ondřej Tomšů)Große Synagoge in Pilsen (Foto: Ondřej Tomšů) Vor der Wende von 1989 haben Passanten kaum bemerken können, dass sie an einer Synagoge vorbeigehen. Das Gebetshaus wurde vor allem als Lagerhalle genutzt und verfiel. Anfang der 1990er Jahre wurde das Gebäude zum Kulturdenkmal erklärt und anschließend umfangreich renoviert. Die Wiedereröffnung fand 1997 statt. Radek Kodera:

„Derzeit gibt es in Pilsen drei Synagogen. In einem Innenblock unweit der Großen Synagoge steht die Alte Synagoge, die ebenso jüngst restauriert wurde. Und gleich daneben gibt es die sogenannte Hilfssynagoge. Von dieser sind nur noch die Grundmauern erhalten geblieben, sie dient als Denkmal an die Opfer des Holocaust. Wir bezeichnen sie heute als Erinnerungsgarten.“

Die Große Synagoge und die Alte Synagoge werden heute vor allem als Konzert- und Ausstellungsäle genutzt. Nur gelegentlich werden dort auch Gottesdienste abgehalten:

Große Synagoge in Pilsen (Foto: Ondřej Tomšů)Große Synagoge in Pilsen (Foto: Ondřej Tomšů) „Soweit mir bekannt ist, finden derzeit keine regelmäßigen Gottesdienste mit allen Ritualen statt. Denn die Pilsner Gemeinde hat momentan keinen Rabbiner oder Kantor, der diese leiten würde. Zu jüdischen Festen wird ein Rabbiner eingeladen, und dann wird hauptsächlich die Alte Synagoge für liturgische Zwecke genutzt. Sie eignet sich angesichts der Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinde besser.“

Die Große Synagoge in Pilsen ist mit einer Kapazität von 2000 Besuchern die drittgrößte Synagoge Europas – noch größer ist die Große Synagoge in Budapest und die jüdische Pilgerstätte im ukrainischen Uman.