Tschechien will repräsentative Tests auf Covid-19 durchführen

01-04-2020

Bislang wurden in Tschechien über 55.000 Tests auf das Coronavirus durchgeführt, allerdings nur bei Menschen mit Symptomen der Erkrankung oder in dringenden Verdachtsfällen. Das ergibt indes kein objektives Bild über die tatsächliche Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung. Deshalb will nun auch eine spezielle Arbeitsgruppe des zentralen Gesundheitsamtes, das sogenannte Covid-19-Team, eine repräsentative Untersuchung bei einem Teil der Einwohner vornehmen.

Foto: ČTK / Dalibor GlückFoto: ČTK / Dalibor Glück

Roman Prymula (Foto: ČTK / Ondřej Deml)Roman Prymula (Foto: ČTK / Ondřej Deml) Der Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Roman Prymula, ist der Chef des Teams. Das Ziel der repräsentativen Tests sei es, herauszufinden, wie hoch der Grad der Ansteckung in der Bevölkerung ist, sagte Prymula am Mittwoch im Tschechischen Rundfunk. Dabei wolle man auch erkennen, ob nicht ein Teil der Bevölkerung die Krankheit ohne Symptome schon durchlaufen hat. Außerdem soll untersucht werden, in welchem Ausmaß die Einwohner von Litovel mit dem Virus infiziert sind beziehungsweise waren. Die mährische Stadt war besonders stark von dem Virus betroffen und wurde zwei Wochen lang komplett isoliert. Die repräsentative Testreihe steckt derzeit noch im Vorbereitungsstadium, erläuterte Prymula:

Jan Hamáček (Foto: ČTK / Vít Šimánek)Jan Hamáček (Foto: ČTK / Vít Šimánek) „Im Moment wird von Mitarbeitern der Medizinischen Fakultät an der Universität in Olmütz ein Protokoll erarbeitet. Zudem brauchen wir die Genehmigung der Ethik-Kommission. Ansonsten sehe ich keine Probleme. Ich rechne damit, dass wir die Studie an einer ausgewählten Örtlichkeit durchführen, möglicherweise in Prag.“

Die Vorbereitungen sollen schnellstmöglich abgeschlossen werden, denn nach Vorstellung von Prymula sollen die Tests schon in der kommenden Woche erfolgen. Dass dies keine leeren Versprechungen sind, bestätigte auch der Chef des zentralen Krisenstabs, der sozialdemokratische Innenminister Jan Hamácek:

„Wir sind natürlich darauf vorbereitet, für diese Untersuchungen die erforderliche Menge an Testpräparaten bereitzustellen. Das werden mehrere Zehntausende sein, aber auch 100.000 sind kein Problem. Ich gehe davon aus, das wir dazu die Schnelltester-Sets einsetzen werden, von denen wir genügend auf Vorrat haben.“

In Litovel / Littau und Uničov / Mährisch Neustadt waren rund 24.000 Menschen zwei Wochen lang in Quarantäne. Zur Untersuchung des Ansteckungsgrades in dieser Region werden die bereits erwähnten Schnelltester-Sets verwendet. Ein anderes Vorgehen aber werden die repräsentativen Tests haben, die in einem ausgewählten Teil der Bevölkerung durchgeführt werden. Hier wird laut Prymula eine Kombination von Schnelltestern und zuverlässigeren PCR-Tests zum Einsatz kommen.

Foto: vperemencom, Pixabay / CC0Foto: vperemencom, Pixabay / CC0 Die geplante repräsentative Untersuchung der Bevölkerung begrüßt auch der Ökonom Jakub Steiner. Er arbeitet am Prager Forschungsinstitut Cerge-EI und befasst sich mit der Coronavirus-Pandemie aus der Sicht der Wirtschaft:

„Wir sind uns nicht sicher, wie stark unsere Gesellschaft gegenwärtig mit dem Virus durchseucht ist. Ohne qualitativ gut gestützte Informationen werden wir das auch nicht erfahren. Bisher führen wir nur Tests an Personen durch, die Krankheitssymptome haben und die wir dann vor der Erkrankung retten wollen. Diese Tests helfen uns aber nicht weiter, denn die untersuchte Population ist nicht repräsentativ.“

01-04-2020