Tschechien will nicht zurückweichen

Drei tschechische Soldaten sind bei einem Selbstmordanschlag in Afghanistan getötet worden. Prag hält aber weiterhin an der Mission fest.

Martin Marcin, Kamil Beneš, Patrik Štěpánek – die drei Korporale der tschechischen Armee kamen am Sonntag bei einem Selbstmordanschlag in Afghanistan ums Leben. Das Attentat ereignete sich unweit ihres Stützpunktes in Bagram. Vlastimila Cyprisová ist Sprecherin des Generalstabs:

„Zu dem Zeitpunkt führten die drei Soldaten eine Routinepatrouille in ihrem Einsatzgebiet durch. Dabei kam es zu einer Explosion, bei der die Männer tödlich verwundet wurden. Die Familien der Getöteten wurden informiert, ihnen stehen Armeepsychologen sowie der Militärseelsorger zur Verfügung.“

Die Staatsspitze reagierte unverzüglich. Präsident Miloš Zeman drückte den Hinterbliebenen sein Beileid aus und ließ über seinen Sprecher Jiří Ovčáček ausrichten:

„Dieses tragische Ereignis sollte uns nicht davon abbringen, weiterhin im Kampf gegen den Terrorismus aktiv zu sein. Der Präsident wird am Gedenkakt bei der Rückkehr der Gefallenen in ihre Heimat teilnehmen.“

Bagram, Afghanistan (Foto: ČTK/Karel Čapek)Bagram, Afghanistan (Foto: ČTK/Karel Čapek) Die Überführung der sterblichen Überreste der getöteten Soldaten aus Afghanistan soll am Mittwoch stattfinden. Premier Andrej Babiš kondolierte sofort, er bezeichnete die drei Militärangehörigen als Helden. Auch führende Politiker anderer Parteien in Tschechien, aber ebenso Vertreter der Nato, gaben ihre Trauer kund. Außenminister Jan Hamáček hob dabei die Bedeutung des Einsatzes in Afghanistan hervor:

„Die Mission in Afghanistan dauert bereits sehr lange, und wir helfen den afghanischen Sicherheitskräften dabei, die Lage in den Griff zu bekommen. Tschechische Soldaten unterstützen die örtliche Armee und Polizei, sichern aber auch einen der größten Stützpunkte unserer Verbündeten. Es ist unsere Pflicht gegenüber den Bündnispartnern, weiterhin in Afghanistan präsent zu sein.“

Alexandr Černý (Foto: KSČM-Archiv)Alexandr Černý (Foto: KSČM-Archiv) Parteiübergreifend steht man mit wenigen Ausnahmen hinter dem Einsatz am Hindukusch. Sogar die Kommunisten, die sich in der Vergangenheit eher kritisch zu Nato-Einsätzen geäußerten hatten, wollen an den Kontingenten in Kabul und Bagram festhalten. Alexandr Černý ist stellvertretender Vorsitzender des Verteidigungs-Ausschusses im Abgeordnetenhaus:

„Ich bin klar dafür, dass sich nach einem solchen Ereignis nichts ändert. Die Kommunisten werden zu diesem Zeitpunkt keinen Antrag auf eine Verringerung des Kontingents stellen. Das wäre genau das, was die Taliban oder andere Drahtzieher dieses Anschlags wollen.“

Derzeit befinden sich rund 800 tschechische Soldaten auf Auslandseinsätzen im Auftrag von UN, Nato oder EU. Martin Pejšek ist Sprecher des Verteidigungsministeriums:

„Tschechische Soldaten sind derzeit bei zehn Missionen in Europa, Afrika und Asien, dort konkret im Nahen Osten. Die größten Kontingente sind in Afghanistan, dem Irak und Mali stationiert sowie jetzt neu im Baltikum im Rahmen der dortigen Nato-Mission.“

Seit den ersten Auslandseinsätzen Anfang der 1990er Jahre sind 28 tschechische Soldaten ums Leben gekommen. Allein 13 von ihnen fielen in Afghanistan, wo sich derzeit rund 250 Einsatzkräfte befinden.