Tschechien, die Slowakei, Polen und Ungarn eröffnen Visegrád-Haus in Kapstadt

Visegrád. So heißt ein kleines Städtchen am Donauknie 35 Kilometer nördlich der ungarischen Hauptstadt Budapest. Bereits im Mittelalter trafen einander auf der imposanten Burg hoch über dem Fluss die Könige Böhmens, Polens und Ungarns, um eine Zusammenarbeit in wirtschaftlichen und politischen Fragen zu vereinbaren. An diese Tradition knüpften über 650 Jahre später die Präsidenten der Tschechoslowakei, Polens und Ungarns an und gründeten 1991 die so genannte Visegrád-Gruppe. Ihr Ziel des gemeinsamen EU-Beitritts erreichten die mittlerweile vier Visegrád-Länder im Jahr 2004. Doch damit endete die Zusammenarbeit nicht. Jüngstes Beispiel ist der Aufbau einer gemeinsamen diplomatischen Vertretung in Südafrika. Daniel Kortschak mit den Einzelheiten.

Visegrád (Foto: Denis Barthel)Visegrád (Foto: Denis Barthel)Am vergangenen Donnerstag wurde es feierlich eröffnet: das Visegrád-Haus in der südafrikanischen Metropole Kapstadt. Für Tschechien an dem Festakt teilgenommen hat die stellvertretende Außenministerin Helena Bambasová:

„In einem Haus arbeiten abwechselnd Konsularbeamte aus Tschechien, der Slowakei, Polen und Ungarn. Die Betriebskosten teilen wir uns.“

Wann welcher Staat an der Reihe ist, wird in allen Ländern im Internet veröffentlicht, sagt Vize-Außenministerin Bambasová im Gespräch mit Radio Prag:

Helena BambasováHelena Bambasová„Wir haben uns zur Errichtung dieses gemeinsamen Konsulats entschlossen, um unseren Bürgern und unseren südafrikanischen Partnern auch in Kapstadt eine Anlaufstelle zu bieten. Bisher hatte nämlich keiner der vier Visegrád-Staaten eine ständige Vertretung in Kapstadt und alles lief über die Hauptstadt Pretoria.“

Neben konsularischen Aufgaben soll das Visegrád-Haus auch gemeinsamen kulturellen Veranstaltungen dienen. Zum Vorbild habe man sich unter anderem die in vielen Ländern errichteten Skandinavien-Häuser genommen, so Bambasová. Weitere Visegrád-Häuser könnten in Zukunft folgen, konkrete Pläne gibt es aber bisher nicht. Als Konkurrenz zum von der Europäischen Union geplanten gemeinsamen diplomatischen Dienst sieht die stellvertretende tschechische Außenministerin Bambasová die Zusammenarbeit der Visegrád-Staaten nicht:

„Nein, nein. Das hat damit gar nichts zu tun. Die EU hat zwar ihre Delegationen und Vertretungen in vielen Ländern der Welt, aber daneben haben die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten ihre eigenen diplomatischen Vertretungen.“

Soweit also der Standpunkt des tschechischen Außenministeriums. Doch erst Mitte März hatten die Botschafter der Visegrád-Länder vor einer ungleichen Kräfteverteilung der einzelnen Mitgliedsstaaten im gerade entstehenden europäischen außenpolitischen Dienst gewarnt. Die gemeinsame Diplomatie müsse die Interessen aller EU-Länder vertreten und die großen Länder dürften kein Übergewicht gewinnen, hieß es damals zum Beispiel aus dem slowakischen Außenministerium. Und auch die tschechische Botschafterin bei der EU, Milena Vicenová, mahnte eine gerechte Verteilung der zu besetzenden außenpolitischen Funktionen unter allen Mitgliedsstaaten an.