Tschechen planen Abzug aus Nato-Air-Base Bagram

25-11-2019

Die tschechische Armee wird im kommenden Jahr neue Aufgaben im Rahmen der Nato-Mission in Afghanistan bekommen.

Luftwaffenstützpunkt in Bagram (Foto: ČTK / Michal Krumphanzl)Luftwaffenstützpunkt in Bagram (Foto: ČTK / Michal Krumphanzl)

Lubomír Metnar (Foto: ČTK / Michal Krumphanzl)Lubomír Metnar (Foto: ČTK / Michal Krumphanzl) Insgesamt 250 tschechische Soldaten sind derzeit in Afghanistan im Einsatz. Rund 170 von ihnen bewachen dabei den alliierten Luftwaffenstützpunkt in Bagram. Genau dort wurden die Soldaten am vergangenen Freitag von Verteidigungsminister Lubomír Metnar (Partei Ano) besucht. Er kündigte an, dass die Tschechen im kommenden Jahr vom Flughafen in Bagram abgezogen werden. Die Lage am Stützpunkt sei angespannt, und auch andere Verbündete würden ihren Einsatz umdenken, so Metnar:

„Der Bewachungseinsatz der tschechischen Soldaten soll Ende März kommenden Jahres zu Ende gehen. Stattdessen werden sie sich auf die Ausbildung afghanischer Spezialkräfte konzentrieren.“

Zudem sollen tschechische Fachärzte in das Land am Hindukusch entsandt werden:

Foto: ČTK / Michal KrumphanzlFoto: ČTK / Michal Krumphanzl „Anfang kommenden Jahres kommt ein Team von Militärchirurgen hierher. Dahingegen wird die Zahl der Soldaten der Bewachungskompanie in Bagram reduziert.“

Sechs Jahre lang haben tschechische Militärs den Militärflughafen bewacht. Er ist gleichzeitig das Hauptquartier der US-amerikanischen Streitkräfte in Afghanistan. Insgesamt ist bereits die 13. Kompanie aus Tschechien dort tätig. Es sind vor allem Fallschirmjäger aus dem ostböhmischen Chrudim. Ihre Aufgabe ist der äußere Schutz der Basis. Bei regelmäßigen Patrouillen in die Umgebung kontrollieren sie unter anderem Standorte, von denen aus afghanische Aufständische Raketen auf den Stützpunkt schießen. Einer der tschechischen Patrouillenchefs beschrieb gegenüber dem Tschechischen Fernsehen ihre Aufgabe, sein Name wurde aus Gründen seiner Sicherheit nicht genannt:

Denkmal an gefallene Soldaten in Bagram (Foto: ČTK / Michal Krumphanzl)Denkmal an gefallene Soldaten in Bagram (Foto: ČTK / Michal Krumphanzl) „Die Nachtpatrouillen sind für uns einfach. Wir sind mit Nachtsichtgeräten ausgestattet, während der Feind davon nicht so viele hat. Zudem bewegen sich nicht so viele zivile Bewohner in der Gegend, daher können wir den Feind besser erkennen.“

Ansonsten werden die Nato-Soldaten außerhalb der Basis auch noch durch den Einsatz von Drohnen geschützt.

Die Mission auf dem Stützpunkt Bagram ist ziemlich gefährlich. Ein neues Denkmal trägt insgesamt neun Namen tschechischer Soldaten, die dort ums Leben gekommen sind. 2014 waren es vier Tschechen, ein fünfter Soldat erlag nach dem Rücktransport in die Heimat seinen Verletzungen. Und 2017 starb ein weiterer Tscheche an den Folgen seiner Verletzungen von 2014. Im vergangenen Jahr verlor die tschechische Armee dann drei weitere Angehörige, sie kamen bei einem Selbstmordattentat ums Leben. Verteidigungsminister Metnar:

Foto: ČTK / Michal KrumphanzlFoto: ČTK / Michal Krumphanzl „Es ist eine der schwierigsten Missionen überhaupt. Die Hälfte aller tschechischen Todesopfer bei Auslandseinsätzen kam hier in Afghanistan ums Leben.“

Insgesamt hat die tschechische Armee derzeit etwa 650 Männer und Frauen im Ausland im Einsatz. Die meisten sind eben in Afghanistan und Weitere im Baltikum, in Mali, im Irak und auf dem Sinai.

25-11-2019